Frick

Projektwoche: Schüler erleben den Alltag mit Behinderung

In der Projektwoche erlebten Jugendliche, was es heisst, blind oder im Rollstuhl zu sein. Eine Klasse lernte, ohne ihre Sehkraft eine Mahlzeit zuzubereiten.

Im Treppenhaus des Fricker Ebnet-Schulhauses sind zwei Schülerinnen unterwegs: Eine hat eine blickdichte Schlafmaske auf den Augen, einen Blindenstock in der Hand und zwei Schüsseln unter dem Arm. Ihre Kollegin begleitet sie und gibt ihr Anweisungen und Hilfestellungen. Die beiden sind unterwegs zurück in ein Schulzimmer, wo acht Mitschüler mit Essensvorbereitungen beschäftigt sind. Gurken werden geschnitten, Toastscheiben belegt und Couscous-Salat zubereitet. Auch hier sind immer Duos am Werk – ein Schüler hat die Augenbinde auf, der andere assistiert ihm.

Angeleitet wird die Schülergruppe an diesem Morgen durch Gabi Rechsteiner, die selber stark sehbehindert ist. Der Kurs findet im Rahmen der stufen- und klassenübergreifenden Projektwoche der Oberstufe Frick statt. Parallel dazu machte eine zweite Schülergruppe die Erfahrung, was es bedeutet, auf den Rollstuhl angewiesen zu sein. Initiiert hat den Projektwochen-Kurs die Lehrerin Barbara Wiedmer, Unterstützung fand sie bei Procap, dem grössten Mitgliederverband von und für Menschen mit Behinderungen in der Schweiz.

Pilotprojekt in Frick

Der Verband hat für Schulen von der 2. Klasse bis zur Fachhochschule schon seit längerem das Projekt «Mal seh’n» aufgegleist. In zwei Lektionen erfahren dabei die Klassen von Menschen mit Behinderungen, wie sie ihren Alltag meistern. Frick sei dabei eine Art Pilotprojekt. «Hier können wir im Rahmen der Projektwoche Neues ausprobieren», sagt Procap-Projektassistentin Perihan Bilgic. «Wir haben hier zwei Tage Zeit und die Schüler können viel stärker selber aktiv werden.» So gingen die Schüler am Montag mit Schlafmaske und Blindenstock einkaufen oder erlebten im Rollstuhl sitzend, welche Hindernisse es im Alltag für Menschen mit einer Gehbehinderung gibt. Und es bleibt viel Zeit, um sich mit den Kursleitern auszutauschen und so zu erfahren, wie der Alltag von Menschen mit einer Behinderung aussieht.

Breakdance im Rollstuhl

«Für die Schüler ist es wertvoll, solche Begegnungen zu machen», ist Barbara Wiedmer überzeugt. Sie hätten sich in den Gesprächen auch entsprechend interessiert gezeigt. «Auch wenn er nur wenige Stunden dauert, ist der Perspektivenwechsel wohl eine Erfahrung, die sie nicht so schnell vergessen», so Wiedmer.

Und so waren die Schülerinnen und Schüler auch bei den Aktivitäten mit Elan bei der Sache. Teilweise sogar mit zu viel Elan. Beim Betreten der Sporthalle, wo eine zweite Gruppe unter Anleitung von Louis Amport eine Rollstuhl-Breakdance-Choreografie einübte, wippte ein Schüler gar schwungvoll und kippte aus seinem Rollstuhl. Anschliessend zeigte sich aber zum Playback von «Let’s get ready to rumble», dass die Jugendlichen ihre Rollstühle schon gut im Griff hatten.

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Autor

Marc Fischer

Marc Fischer

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