An der Generalversammlung der Raiffeisenbank Wegenstettertal ging es «emotional» zu, wie Verwaltungsratspräsident Hansruedi Neuenschwander sagt. Grund dafür: Die mögliche Fusion mit der Raiffeisenbank Möhlin. In einer Konsultativabstimmung, die der Zuzger Schulpflegepräsident und Anwalt Jascha Schneider verlangt hatte, um «den Puls der Basis zu fühlen», sprachen sich nur gerade 16 der 384 anwesenden Genossenschafter für die Pläne des Verwaltungsrates aus, mit der Raiffeisenbank Möhlin zu fusionieren.

Ein «eklatantes Verhältnis» sei dies, so Schneider gestern gegenüber der Aargauer Zeitung und leitet, obwohl eine Konsultativabstimmung rechtlich nicht bindend ist, ab: «Der Verwaltungsrat hat kein Mandat der Basis, es wäre verheerend, nach diesem Resultat einfach weiter mit der Raiffeisenbank Möhlin über eine Fusion zu verhandeln.» Deshalb fordert Schneider zwei Tage nach der Generalversammlung: «Der Verwaltungsrat muss nun einen Marschhalt machen und noch vor den Sommerferien eine Veranstaltung zur Meinungsbildung für die Genossenschafter organisieren. Dort muss er alle denkbaren Alternativen aufzeigen.»

Angst vor Filialschliessungen

Schneider wehrt sich gegen die Fusion, da «die Raiffeisenbank Wegenstettertal bei einem Zusammenschluss mit der Raiffeisenbank Möhlin nur Juniorpartner wäre» und weil er befürchtet, dass über kurz oder lang die beiden Filialen in Zeiningen und Zuzgen geschlossen würden, «weil ja dann Möhlin entscheidet». Zudem sagt er: «Ich hatte an der Generalversammlung das Gefühl, dass es raiffeisenintern Druck auf die kleinen Banken gibt. Es geht um mehr Rendite und höhere Boni für die Manager von Raiffeisen Schweiz.» Dafür dürfe man die Bank im Tal aber nicht opfern.

«Fusion ist notwendig»

Verwaltungsratspräsident Hansruedi Neuenschwander wehrt sich auf Anfrage der AZ gegen diese Vorwürfe. «Das klingt in den Ohren der Gegner gut, ist aber nicht wahr.» Fakt sei, so Neuenschwander weiter, dass eine Fusion in absehbarer Zeit nötig sei, um die Vorgaben und Richtlinien der Finanzmarktaufsicht Finma bezüglich Mindestanzahl an Mitarbeitern, Mindestbilanzsumme und Trennung von Front- und Backoffice zu erfüllen.

Die Angst vor Filialschliessungen könne er zwar verstehen, «aber sowohl in Zeiningen als auch in Wegenstetten sind die Filialen in eigenen Liegenschaften, die auf dem neuesten Stand sind.» Investitionen stünden daher keine an und solange die Kundenfrequenz am Schalter gegeben sei, müsse man keine Angst vor Schliessungen haben. Alles in allem sei für den Verwaltungsrat aber klar, dass er die Gespräche mit der Raiffeisenbank Möhlin weiterführe und im Herbst orientiere. «Wir müssen das tun, um handlungsfähig zu bleiben», so Neuenschwander. Immerhin sagt er auch: «Wir werden auch prüfen, ob es andere Optionen gibt und welche das sein könnten.»

Ausserordentliche GV?

Ein Alleingang kann es gemäss Neuenschwander aber nicht sein: «Wenn wir alleine weitermachen könnten, würden wir uns nicht nach einem Fusionspartner umsehen», betont er, «als Verwaltungsratspräsident liegt mir auch das Wohl von Personal und Kundschaft am Herzen.»

Ob diese Einschätzung auch die Fusionsgegner teilen, wird sich weisen. Jascha Schneider hat jedenfalls deutlich andere Vorstellungen von der nahen Zukunft. «Wenn die Gespräche nicht auf Eis gelegt werden, überlege ich mir, die nötigen Unterschriften für eine ausserordentliche Generalversammlung zu sammeln und Neuwahlen des Verwaltungsrates zu beantragen», so Schneider.