«Der Spiritus Rector Philipp Weiss programmiert stets mit viel Herzblut und grossem Blues-Wissen», hält Peewee Windmüller, Herausgeber des Schweizer Magazins «Jazz’n’more» in der aktuellen Ausgabe fest – und liess sich am Mittwoch vom Geschriebenen gleich selber vor Ort überzeugen. Was er zu hören und zu sehen bekam, waren zwei superbe Auftritte von grossen Könnern.

Den Auftakt machte die Australierin Fiona Boyes. Die um die Welt reisende Singer/Songwriterin trat ohne Begleitung auf – kein Schlagzeug, kein Bass, nur sie alleine an der Gitarre und mit ihrer Stimme, die zwischen Singen und Heulen, Knurren und Schnurren so ziemlich jede Gefühlslage zu intonieren in der Lage ist.

Ein Schluck Whisky

Witz hat die Dame auch noch, denn als sie eine wie eine Kiste gebaute Gitarre mit fünf Saiten auf die Knie legte, benutzte sie als Slide eine kleine Whisky-Flasche. Aus der sie nach einer rauchigen Interpretation von Big Joe Williams’ «Baby please don’t go» einen Schluck nahm. War ihr gegönnt, denn Fiona Boyes legte sich ordentlich ins Zeug. Ihre Fingerfertigkeit war beeindruckend, ebenso ihr Gefühl für die Seele der Lieder. Da wirkte nichts rausgehauen, sondern hatte Hand und Fuss, gepaart mit Energie und der Überzeugung, dass der Blues die Welt retten kann. Im Publikum, so schien es, herrschte ehrfürchtiges Staunen.

Nach Frauenpower kam Männerpower. Mit James Armstrong und seiner dreiköpfigen Band aus den Vereinigten Staaten übernahm eine reine Herrengruppe die Szene – zuerst ohne den Leader, was wie ein kleiner Aperitif wirkte. James Armstrong, mit lautem Klatschen begrüsst, betrat im weissen Anzug mit Hut so locker die Bühne, als wäre er soeben aus dem Urlaub auf Kuba gekommen.

Aber als er die Gitarre umlegte und zu singen begann, war schnell klar, wohin die Reise geht. Diese Stimme! Diese Melodien! Diese Saitenkunst! Und dann dieses Zusammenspiel des Quartetts – erste Sahne. Ausserdem der Beweis, dass der Blues nicht mehr am «Serbeln» ist wie 1993, als Philipp Weiss mit seinem Festival in Fricks Monti loslegte. James Armstrong brachte dies so zum Ausdruck: «Blues been good to me» (zu Deutsch: «Der Blues war gut zu mir»).

Am zweiten Abend, dem Donnerstag, war dann quasi Schweizer Tag im Monti. Mit Marc Amacher und Philipp Gerber sowie den «Bluesaholics» gab es eidgenössischen Blues auf die Ohren. Am Freitagabend schliesst das 25. Fricktaler Blues Festival mit Doug MacLeod aus den USA und den Dänen «Thorbjorn Risager & The Black Tornado». Beginn ist um 20.15 Uhr. Billette sind auch an der Abendkasse erhältlich. Falls der Tornado zu heftig wird: Anschnallen bitte.