Kaiseraugst

Schüler werden nicht mehr transportiert – Fahrdienst-Auflösung stösst auf Unmut

Einer von fünf Kindergärten: der Kindergarten Dorf.

Einer von fünf Kindergärten: der Kindergarten Dorf.

Die Tabeka GmbH transportiert ab März keine Schüler mehr zwischen Dorf und Liebrüti – auf Facebook in «Kaiseraugst lebt» hagelt es Kritik.

In der Facebook-Gruppe «Kaiseraugst lebt» macht sich Unmut breit. Der Grund: Die Tabeka GmbH, die seit 2015 die ­familienergänzende Kinderbetreuung in der Gemeinde ausführt, stellt ihren Fahrdienst per März ein. Diesen führte die Gesellschaft damals ein, um Kinder aus dem Kindergarten Dorf zum Mittagstisch in die Liebrüti zu fahren, nachdem der Mittagstisch im Dorf wegen mangelnder Nachfrage aufgelöst wurde.

«Wie söllsch do no en Job mit Kinder anenander verbibringe?», fragt sich eine Userin in der Facebook-Gruppe. «Einfach nur traurig und beschämend, dass die Sicherheit unserer Kinder eine Kostenfrage ist», schreibt ein zweite; und «eidütig am falsche Ort gspart», heisst es bei einer dritten.

Tabeka-Geschäftsführer Daniel Lüscher, der bei der Gemeinde die Abteilung Soziale Dienste leitet, sagt, dass der Fahrdienst ursprünglich nur für eine Minderheit von Kindern vorgesehen war, nämlich für diejenigen aus dem ersten Kindergarten. Momentan sei es aber so, dass von zehn Kindern, die den Fahrdienst nutzten, zwei den zweiten Kindergarten und acht die Primarschule besuchten. «Somit müssten wir gemäss Empfehlungen der Schulbehörden überhaupt keine Kinder befördern, da keine den kleinen Kindergarten besuchen», so Lüscher.

Sylvia Kullmann, Präsidentin der Schulpflege, bestätigt, dass diese Empfehlung ihre Richtigkeit hat. Gleichzeitig sagt sie jedoch auch, dass der Weg vom Kindergarten Dorf bis zum Mittagstisch in der Liebrüti je nach «Zielstrebigkeit» des Kindes rund eine halbe Stunde in Anspruch nimmt.

«Die Begleitung der Kinder auf dem Weg würde der Zielstrebigkeit sicher zugutekommen», sagt sie. Dass die Zeit der eineinhalbstündigen Mittagspause in Anbetracht der Länge des Schulwegs knapp werden kann, weiss auch Lüscher. «Die Tabeka GmbH bietet aus diesem Grund für eine Übergangsfrist von einem Monat an, dass die Kinder auf dem Weg hin und zurück gratis begleitet werden», sagt Lüscher.

Verantwortung liegt ­grundsätzlich bei den Eltern

Neben der Empfehlung der Behörden nennt Lüscher weitere Gründe für die Fahrdienst-Auflösung. «Die grosse Verantwortung, die auf den Schultern der Betreuungspersonen lastet, ist nicht mehr tragbar», sagt er. Grundsätzlich, so heisst es in einem Merkblatt des kantonalen Rechtsdienstes, liege die Verantwortung für das Kind auf dem Schulweg bei den Eltern.

Ein weiterer Punkt, der für die Aufhebung des Fahrdienstes spricht, sei der Personalaufwand, so Lüscher. «Hinzu kommen Versicherungskosten und Spesenentschädigungen für die Mitarbeiter, welche die Kinder mit ihrem Privatauto fahren.»

Gemeinderat Hanspeter Meyer, Geschäftsleitungsmitglied der Tabeka, sagt, dass es nicht Sinn sein könne, dass die Gesellschaft aufgrund des Fahrdienstes draufzahlen müsse. Man habe die Option diskutiert, den Fahrdienst den Eltern in Rechnung zu stellen. «An der Geschäftsleitungssitzung wurde diese Option jedoch aufgrund der hohen Kosten pro Fahrweg verworfen», sagt Meyer.

Die Aufregung einiger Eltern über die Abschaffung des Fahrdienstes rühre aus «einer Überängstlichkeit» her, sagt Meyer. Dies, weil sich damals die Lastwagen, die das Recycling-Unternehmen Thommen anvisierten, auf einem Stück entlang des Schulwegs stauten. Durch einen Strassenausbau würde der Lastwagenverkehr nun jedoch die Recycling-Firma aus einer anderen Richtung anfahren.

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