Gipf-Oberfrick

Schummriges Licht und absolute Ruhe: Judith Häseli tut alles für ihre Zander

Judith Häseli und Simon Bachofer bewirtschaften eine Zanderzuchtanlage mit derzeit 7000 Fischen. ZVG

Judith Häseli und Simon Bachofer bewirtschaften eine Zanderzuchtanlage mit derzeit 7000 Fischen. ZVG

Judith Häseli züchtet Zander auf dem Bauernhof. Mittlerweile hat sie sich mit ihrer Fischzucht etabliert und beliefert Läden und Restaurants.

Den Fischgeruch nimmt Judith Häseli nicht mehr wahr. Sie habe sich inzwischen daran gewöhnt. Seit eineinhalb Jahren betreibt sie an der Landstrasse in Gipf-Oberfrick eine Indoor-Zanderzucht. Die Idee, den Edelfisch zu züchten, stammt von ihrem Vater Martin. Aufgrund einer Krankheit konnte er nicht mehr ständig im Staub arbeiten, erzählt Häseli. Nach dem tragischen Tod ihres Vaters kümmert sie sich nun mit Landwirt Simon Bachofer um die Aufzucht von derzeit rund 7000 Zandern.

Mittlerweile beliefert Häseli mit dem Zander – eine Fischart, die bei Fischkennern ganz oben auf der Speisekarte steht und international stark verknappt ist – Restaurants wie die «Krone» in Wittnau, das «Rössli» in Gipf-Oberfrick oder das «Rössli» in Zeihen. Zudem kommen mit drei Manor-Food-Filialen auch Abnehmer ausserhalb des Fricktals hinzu. «Unser Absatz schwankt stark: In der Woche verkaufen wir zwischen 40 und 90 Kilogramm an Zander», sagt Häseli und schiebt nach: «Wir haben uns mit dem neuen Angebot gut etabliert, jedoch ist nach oben natürlich noch Luft.»

Dass der Fisch mit 68 Franken pro Kilogramm relativ teuer ist, kann Häseli nicht verhehlen. Doch: «Die Fische erhalten weder Antibiotika noch andere leistungsfördernde Zusätze. Sie werden frisch verarbeitet und auf Vorbestellung verkauft.» Eine gute Rendite ist auch notwendig, um die hohen Investitionskosten für die Kreislaufanlage mit 17 Becken zu amortisieren.

Licht- und lärmempfindlich

Ein wenig wie ein Sprung in das kalte Wasser sei es schon gewesen, als man im März des letzten Jahres die ersten Zander in die Becken eingesetzt habe, erzählt Bachofer. «Zuvor habe ich noch nie einen Fisch filetiert. Ein Koch hat uns am Anfang gezeigt, wie das geht.» Mittlerweile brauchen Häseli und Bachofer für das Ausnehmen von 60 Fischen, dem Filetieren und Vakuumieren der Filets sowie dem Säubern des Raumes rund drei Stunden. «Da hat sich mittlerweile schon ein Automatismus eingestellt», so Bachofer.

Die Zander, die Häseli im Alter von rund einem Monat und einem Gewicht von 100 Gramm zukauft, seien sehr empfindlich und man müsse behutsam mit ihnen umgehen, damit sie innert neun Monaten in der Kreislaufanlage von 100 Gramm auf rund ein Kilogramm heranwachsen, sagt Bachofer. Weil die Fische kein Licht mögen und es in der Anlage deswegen schummrig ist, tragen Häseli und Bachofer eine Stirnlampe, wenn sie den Raum betreten.

Fische werden nach Grösse sortiert

Die Süsswasserfische reagieren empfindlich auf Lärm. «Obwohl wir Vorkehrungen treffen, gibt es nach dem 1. August immer einige Fische, die stressbedingt das Feuerwerk nicht überlebt haben», sagt Bachofer. Die Fische hätten sich anhand der Geräuschkulisse bereits an Häseli und Bachofer gewöhnt. «Wenn Judith oder ich die Anlage betreten, verhalten sie sich ruhig. Wenn jemand anderes die Anlage betritt, fangen sie an, in den Becken zu zappeln», erzählt Bachofer.

Neben der Ruhe und der Dunkelheit sind für das Wohl der Zander gewisse Parameter wie der Sauerstoffgehalt, pH-Wert und die Temperatur des Wassers, die sich in einem gewissen Bereich einpendeln müssen, entscheidend. Die Parameter werden gemessen und via Computer überwacht. «Sobald zu wenig Sauerstoff im Becken ist, wird der Sauerstoff automatisch nachgegeben», sagt Bachofer.

Wichtig sei auch, dass man die Fische, die in etwa die gleiche Grösse haben, in das gleiche Becken setze. Zwar wiegen die rund 1500 Fische, die alle drei Monate zugekauft werden, in etwa 100 Gramm, doch die Wachstumsgeschwindigkeit kann sich anschliessend deutlich unterscheiden. «Wir müssen jeden Fisch nach einer bestimmten Zeit anschauen und entscheiden dann, in welche der Becken er eingesetzt wird», sagt Bachofer. So könne man den schlimmsten Fall vermeiden – dass ein grosser Fisch einen kleinen Fisch auffresse.

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Autor

Dennis Kalt

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