Die Afrikanische Schweinepest ist auf dem Vormarsch. Über Osteuropa und das Baltikum ist die Seuche, an der Haus- und Wildschweine meist innert kurzer Zeit verenden, vor drei Monaten in Belgien erstmals nach Westeuropa vorgedrungen. In Deutschland haben sich die Verantwortlichen der südbadischen Landkreise in einer dreitägigen Übung auf den Ernstfall vorbereitet.

Falls die Krankheit auf der deutschen Seite entlang des Rheins ausbricht, ist dieser keine Garantie dafür, dass das Virus nicht auch die Grenze überqueren könnte. Dass Wildschweine alles andere als Scheu vor Wasser haben, weiss Armin Waldmeier, Jagdaufseher im Revier Möhlin. «Ob durch die Treibjagd auf deutscher Seite oder bei Vollmond – immer wieder schwimmen Wildschweine durch den Rhein und durchstreifen unser Gebiet.» Solche Grenzübertritte kämen nicht nur in Möhlin vor, sondern an allen Stellen, an denen der Rhein für die Schwarzkittel leicht zugänglich sei.

Verkriechen anstatt Schwimmen

Vor diesem Hintergrund fragten die Grossräte Hansjörg Erne (SVP) und Ralf Bucher (CVP) in einer Interpellation im März 2018, ob sich der Regierungsrat bewusst sei, «dass der Aargau ein Haupteinfallgebiet der Afrikanischen Schweinepest durch die Wildschweinwanderung aus Süddeutschland wäre». Die Wahrscheinlichkeit einer natürlichen Ausbreitung über den Hochrhein schätzte der Regierungsrat in der Antwort als «sehr gering» ein. Dies, weil «in der Regel zwischen Infektion und Tod weniger als zehn Tage vergehen». Die Kantonstierärztin Barbara Thür teilt diese Einschätzung. «Der Grossteil der durch die Afrikanische Schweinepest infizierten Tiere ist schwer krank und verkriecht sich lieber, als über den Rhein zu schwimmen.»

Dennoch: Bis die für den Menschen ungefährliche Krankheit ausbricht, vergehen laut Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen zwischen 2 und 14 Tage. «Es ist denkbar, dass ein infiziertes Schwein die Seuche zu uns einschleppt», so Waldmeier. Eine Jagd auf Wildschweine, die über den Rhein schwimmen, sei jedoch schwierig, weil die Überquerung meist bei Dunkelheit stattfinde. «Ein Nachtzielgerät würde uns bei der Aufspürung helfen», so Waldmeier. Ein solches muss jedoch vom Kanton bewilligt werden.

Einige Gebiete sind für einen Ausbruch der Afrikanischen Schweingrippe gefährdeter als andere. «Vorrangig diejenigen, in denen viele Schweine gehalten werden oder es viele Wildschweine hat», so Thür. Wildschweine kämen praktisch nur in Gebieten nördlich der A1 vor. Diese teilt den Kanton entlang der Achse Oftringen–Lenzburg– Würenlos in zwei Hälften.

Die Hauptgefahr für einen Ausbruch der Afrikanischen Schweinpest sieht Thür jedoch nicht in der Migration der Tiere über den Rhein, sondern in der Verfütterung und im Verzehr von Fleischabfällen und Lebensmitteln, die mit dem Virus kontaminiert sind. «Diese Produkte können über den Reiseverkehr und den damit verbundenen illegalen Import von Fleischerzeugnissen aus Herkunftsländern, in denen das Virus bereits vorkommt, in die Schweiz und den Aargau gelangen.» Waldmeier pflichtet Thür bei. «Es muss nur ein Lastwagenchauffeur aus Osteuropa kurz halt an einem Waldrand machen und sein Wurst-Sandwich wegwerfen», gibt er ein Beispiel, wie der Ernstfall beginnen könnte.

Proben werden analysiert

In erster Linie kann der Ausbruch der Afrikanischen Schweinpest für die Landwirte, die Schweine halten, verheerende wirtschaftliche Auswirkungen haben. «Wird bei einem Tier das Virus festgestellt, müssen gemäss Tierseuchenverordnung alle Tiere des Bestandes getötet und unschädlich beseitigt werden. Der Stall muss desinfiziert werden», sagt Thür.

Aktuell nimmt der Aargau am Früherkennungsprogramm der Afrikanischen Schweinepest bei Wildschweinen teil. So ist Waldmeier angewiesen, Bluttupfer von Totfunden und krankgeschossenen Wildschweinen zu nehmen und diese zur Analyse ins Labor zu schicken. Bisher waren sämtliche Proben in den kantonalen Jagdrevieren negativ auf das Virus. «Ich hoffe, das bleibt so», sagt Waldmeier.