Kolumne
So geht kreativ in Frick

Kolumne über Gemeinden, die Immobilien kaufen. Von Christoph Grenacher.

Christoph Grenacher
Christoph Grenacher
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Für den «Rebstock» in Frick wird das Geld der Steuerzahler eingesetzt.

Für den «Rebstock» in Frick wird das Geld der Steuerzahler eingesetzt.

Heute machen wir mal, was Unternehmer des Öftern tun: Wir überlegen uns, wie es ebenso flott wie bisher weitergehen kann. Damit’s noch ein wenig anspruchsvoller ist, versetzen wir uns in die Lage, was wohl Gemeinderäte tun, wenn sie nachdenken, wie es mit ihrer Gemeinde weitergehen soll.

In Laufenburg, beispielsweise, nehmen sie das Geld der Steuerzahler in die Hand, damit es weitergeht. 20 Millionen liessen sich die Granden vom Souverän bewilligen, damit die Stadt Liegenschaften in der Altstadt kaufen, sanieren und vermieten kann – wider die gähnende Leere in den Gassen. Die Stadt tut also das, was auch eine private Immobilienfirma tut.

In Frick, beispielsweise, nehmen sie ebenfalls das Geld der Steuerzahler in die Hand, damit es weitergeht im «Rebstock», einer geschichtsträchtigen Beiz mit grossem bewirteten Saal. Die Gemeinde legte mehr als eineinhalb Millionen auf den Tisch, weil sie verhindern wollte, dass private Interessenten die Immobilie zum Renditeobjekt machen – was offenbar aus kommunaler Sicht einem Kapitalverbrechen gleichkommt. Schwups gehörte die Beiz, vierzehn Gästezimmer, zwei Wohnungen und ein grosser Parkplatz der Kommune. Damit der «Rebstock» aber dereinst wieder richtig funktioniert, braucht es zusätzliche Batzen: nochmals 1,27 Millionen für den Werterhalt der Liegenschaft, teilweise Sanierung der Gästezimmer und eine putznagelneue Küche. Macht knappe drei Millionen für ein Geschäft, das nicht unbedingt zur Kernkompetenz einer Gemeinde gehört.

Was nun zum Gelingen noch fehlte, ist ein Wirt, der hier was wird.

Wir stellen uns also wieder die Gemeinderäte vor, wie sie denken und überlegen, wie sie hin und her beratschlagen, visionär und strategisch diskutieren: offen gegenüber neuen Ideen, kreativ, ideenreich, bürgernah und nachhaltig einer erfolgreichen Gemeindeentwicklung verpflichtet. Und weil man in Frick in der Causa «Rebstock» doch nicht ganz vom Fach war, holte man noch einen Gastroprofi dazu.

Heissa, was entstand da an tollen Ideen!

Eine offene Beiz, abwechselnd geführt von den Vereinen, in der Küche Störköche aus dem ganzen Dorf, Pensionierte wie Lehrabgänger, Zugewanderte wie Schweizer, hübsche Ladys und kantige Burschen. Ein wahrlicher Treffpunkt mit regelmässig tollen Festen, grandiosen Aufführungen und entzückenden Entdeckungen im Saal – ein InPlace erster Güte.

Oder die Idee, mit dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau zu kooperieren, gesunde Lebensmittel in einer Beiz aufzutragen, die mehr sein könnte als Menü eins und zwo – ein trendsettiger nationaler Gastro-Hotspot!

Oder der Anflug, man könnte doch ein Projekt umsetzen, das all die Menschen, die der Gemeinde bisher nur auf der Tasche lagen, mit etwas Büez in der Beiz endlich für eine Tätigkeit zu motivieren, die ihnen den Sinn des Lebens zurückgibt: ein nationales soziokulturelles Vorzeigeprojekt.

Schliesslich: der Fricker Metzger, der Fricker Gemüsebauer, der Winzer, die Beerenfrau, der Fricker Bäcker und der Fricker Champignonzüchter, alle aus dem Dorf, vereint mit all ihren hiesigen Delikatessen auf der «Rebstock»-Speisekarte: von hier für Euch sozusagen, schweizweit die erste Beiz mit streng lokalen Produkten – only for you!

Der Gemeinderat mitsamt Gastroprofi bückte sich tief und lange und ernst übers Dossier. Man diskutierte, debattierte, man wog ab und wog auf. Man wollte fast dies und hatte dann wieder Angst, man entschied sich für das – und erschrak gleich wieder ob des frischen Muts.

Jetzt gibt’s – Ciao a tutti! – eine Pizzeria.

Der Einzige, der sich darüber wahrscheinlich wirklich freut, ist der Wirt, der hier wirklich was wird: Er macht mit den schlappen 5000 Franken Pacht im Monat für eine sanierte Beiz mit topmoderner neuer Küche ein kolossales Schnäppchen.

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