Laufenburg
Stadthalle von Laufenburg kostete über 2 Millionen zu viel

Der Stadtrat hat an der Gmeind über die deutliche Kreditüberschreitung für die Stadthalle informiert. Die Abrechnung soll nochmals geprüft und der nächsten Gmeind vorgelegt werden.

Marc Fischer
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Für die Stadthalle hat die Gemeindeversammlung 6,9 Millionen Franken bewilligt.

Für die Stadthalle hat die Gemeindeversammlung 6,9 Millionen Franken bewilligt.

AZ-Archiv

Stadtrat Thomas Argast eröffnete die Laufenburger Gemeindeversammlung am Mittwoch mit einem Kracher: «Die Kostenabrechnung für die Stadthalle hat ergeben, dass der Kredit um rund 2,1 Millionen Franken überschritten wurde. Das entspricht 31 Prozent.»

Total seien in der Buchhaltung Kosten in der Höhe von 9,1 Millionen Franken für die neue Eventhalle verbucht, so Argast, davon seien 8,6 Millionen Baukosten und knapp eine halbe Million entfalle auf verschiedene Posten wie die Eröffnungsfeier oder die Anschaffung von zusätzlichem Inventar. Der Souverän hatte einen Kredit von 6,9 Millionen Franken bewilligt.

Finanzlage: «Wir müssen den Gürtel enger schnallen»

Bevor die traktandierten Geschäfte in Angriff genommen wurden, orientierte der neue Laufenburger Finanzstadtrat Thomas Argast über die Finanzlage der Stadt. Diese gibt zur Sorge Anlass, obwohl die Rechnung 2013 mit einem Minus von rund 14 500 Franken deutlich besser als budgetiert abschloss. Im Voranschlag war man von einem Aufwandüberschuss von rund 650 000 Franken ausgegangen. Grund ist unter anderem der Steuerertrag, der höher ausfiel als erwartet.

Dennoch warnte Thomas Argast: «Wir müssen künftig den Gürtel enger schnallen, aber auch darauf achten, dass wir nichts abwürgen.» Ziel des Gemeinderates sei es, den Selbstfinanzierungsgrad, der heute knapp unter null Prozent liegt, bis 2019 wieder auf über 90 Prozent zu erhöhen. Zudem soll mit einem Finanzplan die Verschuldung pro Einwohner auf 5000 Franken und der Nettoaufwand pro Einwohner auf 3000 Franken begrenzt werden. In beiden Kennzahlen liegt Laufenburg deutlich über dem kantonalen Durchschnitt, wie Finanzkommissionspräsident Hans-Jürg Fischer erklärte. «Der Cashflow ist deutlich zu gering für die hohe Investitionstätigkeit», warnte Fischer weiter. Die Tatsache, dass der Stadtrat die Probleme erkannt und von sich aus kommuniziert habe, stimme ihn aber positiv. (mf)

Kompetenzüberschreitung?

«Wir haben das Gespräch mit der Baukommission und den Architekten gesucht», so Argast weiter, «und eine Auslegeordnung gemacht. Nun werden wir die Abrechnung nochmals genau prüfen und an der nächsten Gemeindeversammlung zur Genehmigung vorlegen. Klar ist aber: Das Geld ist ausgegeben.» Eigentlich hätte ein Zusatzkredit beantragt werden müssen, so Argast weiter.

Im Gespräch mit der Aargauer Zeitung erläuterte er gestern: «Rund eine Million der Mehrkosten entfallen auf zusätzliche Bauherrenwünsche, Bauherrenrisiken und Projektänderungen aufgrund von geänderten Normen. Wir werden anschauen, ob die Baukommission ihre Kompetenzen überschritten hat und ob die Normen wirklich kurzfristig geändert haben.»

Gemäss der Abrechnung schlagen die zusätzlichen Bauherrenwünsche mit rund 500 000 Franken zu Buche, die Risiken mit 300 000 Franken und die Mehrkosten wegen Normänderungen mit rund 250 000 Franken.

René Leuenberger, Präsident der Baukommission, und Architekt Adrian Kloter nahmen gestern auf Anfrage beide Stellung zu den präsentierten Zahlen. Sie bestätigten beide die Gesamtbaukosten von 8,6 Millionen Franken. Woher die knapp 500 000 Franken aus der laufenden Rechnung kommen und welche Anschaffungen sie beinhalten, sei ihnen aber unklar, so die beiden unisono. Auch sei ihnen diese Zahl bisher unbekannt gewesen.

Aufschlüsselung der Zahlen

Sowohl Leuenberger als auch Kloter betonen weiter: «Die Kosten für die ausgeschriebenen Arbeiten, die im Kredit enthalten waren, betragen 7,6 Millionen Franken.» Dies entspreche einer Kreditüberschreitung von rund zehn Prozent. «Bei der Kreditsumme haben wir gesagt, dass es sich um eine Schätzung plus minus 15 Prozent handelt», so Kloter weiter, «wir sind damit deutlich innerhalb dieses Spektrums.»

Er sei nicht glücklich über diese Mehrkosten, so Kloter weiter, aber bei Spezialbauten wie der Stadthalle, bei denen man wenig Referenzen habe, könne dies vorkommen. Unter den Bauherrenwünschen subsumieren sich laut Adrian Kloter beispielsweise vandalensichere WCs oder die kurzfristig gewünschte Wi-Fi-Ausstattung der Halle. Die Kosten für die Bauherrenrisiken seien insbesondere damit zu erklären, dass der Untergrund anders beschaffen war als vermutet. Und die neuen Normen müsse man berücksichtigen, um Rechtsstreitigkeiten zu versichern.

Stadtrat war auf dem Laufenden

René Leuenberger bekräftigt diese Aussagen und betont: «Die Kosten für die Arbeiten nach Ausschreibung hatten wir im Griff. Und bei den Mehrkosten hat die Kommission sicher keine Kompetenzen überschritten. Die Kommission hat keinen Beschluss gefasst ohne das Go des Stadtrates.» Zudem seien zwei Stadträte in der Kommission vertreten und damit immer auf dem Laufenden gewesen.

Trotz der Mehrkosten sei er überzeugt, dass alle Beteiligten im Sinne von Laufenburg gehandelt haben, so Leuenberger weiter. Nimmt man die Reaktion der Stimmberechtigten zum Massstab, sehen sie dies ebenso. Ohne Wortmeldung wurde nämlich die Information zur Kenntnis genommen.

Über die Abrechnung abgestimmt wird dann voraussichtlich an der Wintergmeind. Bis dahin soll die Stadthalle auch besser vermarktet werden. Ausgehend von einer Studienarbeit soll ein Vermarktungskonzept erarbeitet werden, erklärte Stadtammann Herbert Weiss. Dieses umfasse unter anderem auch eine dynamische Website, eine Aktualisierung des Catering-Angebots und eine Zusammenarbeit mit seminAargau.

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