Stein
«Wir haben uns mehr erhofft»: E-Velo-Verleih bleibt hinter den Erwartungen zurück

In knapp vier Monaten verzeichnete das grenzüberschreitende Projekt, das im Sommer startete, 30 Buchungen auf Schweizer Seite. 655 Kilometer legten die Nutzer dabei auf den E-Bikes zurück. Gemäss der Gemeinde muss das Angebot noch bekannter werden.

Dennis Kalt
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Mitte Juli fiel der Startschuss für das grenzüberschreitende E-Bike-Verleihsystem zwischen Bad Säckingen und Stein.

Mitte Juli fiel der Startschuss für das grenzüberschreitende E-Bike-Verleihsystem zwischen Bad Säckingen und Stein.

Bild: hcw (9. Juli 2021)

Das Pilotprojekt des grenzüberschreitenden E-Velo-Verleihs zwischen Stein und Bad Säckingen legt ab 9. Dezember bis März 2022 eine Winterpause ein. Die Gemeinde Stein begründet den Unterbruch damit, dass in der kalten Jahreszeit weniger Buchungen zu erwarten seien und insbesondere die Akkus in Mitleidenschaft gezogen werden könnten.

Mitte Juli startete das Projekt mit je zehn E-Bikes, die in Stein und Bad Säckingen an den Bahnhöfen zum Ausleihen stehen. Wer sie fahren möchte, muss sich zuvor eine App aufs Smartphone herunterladen. 5 Euro kostet die Nutzung pro Stunde, unabhängig von der Distanz, die man zurücklegt. Die Tagespauschale beträgt 25 Euro. Und von montags bis freitags kann ein E-Bike für 50 Euro die gesamte Woche über benutzt werden.

Nutzungsdauer liegt bei knapp drei Stunden im Schnitt

Eine Auswertung vom Start des Projekts bis zum 2. November ergibt, dass in diesem Zeitraum mit den in Stein stationierten E-Bikes die Nutzer des Angebots 655 Kilometer zurücklegten. Dass die Gemeinde damit nicht wirklich zufrieden ist, verhehlt Gemeindeschreiber Sascha Roth nicht:

«Wir haben uns eine grössere Auslastung erhofft. Das Angebot muss noch besser bekanntgemacht werden.»

Mit 30 Buchungen und einer durchschnittlichen Nutzungsdauer von zwei Stunden und 48 Minuten liege die Nachfrage unter den Erwartungen.

Etwas besser sehen die Daten zur Nutzung auf der deutschen Seite aus. Mit 74 Personen nutzen etwa zweieinhalbmal so viele Personen wie in Stein das Angebot. Zu beachten hierbei ist aber, dass die Stadt Bad Säckingen mit rund 17’500 einwohnermässig rund fünf Mal so gross ist wie die Gemeinde Stein. Allerdings ist auch die durchschnittliche Nutzungsdauer in Bad Säckingen rund vier Mal länger als in Stein.

Roth sagt, dass es nach dieser kurzen Zeit zu früh sei, hinsichtlich der Betriebskosten für die Gemeinde ein Fazit zu ziehen. «Es finden Gespräche mit möglichen Partnern statt, welche das Projekt unterstützen könnten», so Roth. Erfreulich sei, dass bisher keine Schäden an den E-Bikes zu verzeichnen sind. Dem entgegen kommt auch, dass die E-Bikes am Bahnhof in einem Bereich stehen, der kameraüberwacht ist.

Die Fahrt über die Grenze kann teuer werden

Ein Manko des grenzüberschreitenden Projekts, das mit dem Start bestand, war, dass die Velos, dort, wo sie ausgeliehen werden, auch wieder abgegeben werden müssen. Es ist also nicht möglich, es beispielsweise in Bad Säckingen auszuleihen, damit an den Bahnhof Stein zu fahren und es dort stehenzulassen. Grund hierfür sind steuerrechtliche Gründe im grenzüberschreitenden Verkehr zwischen Deutschland und der Schweiz. Roth sagt:

«Diese Erschwernis besteht leider nach wie vor. Wir bemühen uns um eine Lösung.»

Fällt diese Hürde, könnte dereinst der grenznahe und grenzüberschreitende Berufsverkehr entlastet werden. Etwa durch den einen oder anderen Grenzpendler aus Bad Säckingen, der für seinen kurzen Arbeitsweg ins Sisslerfeld auf das Auto verzichtet und stattdessen sich aufs E-Bike schwingt.

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