Coronakrise

Tausende Päckli warten ennet der Grenze auf Schweizer – so will ein Abhol-Service Chaos verhindern

12000 Päckli warten im Paketservice von Simon Kühn auf ihre Abholung.

12000 Päckli warten im Paketservice von Simon Kühn auf ihre Abholung.

Die Zollämter bereiten sich auf die Grenzöffnung und den Ansturm der Einkaufstouristen vor – genauso wie der Paketservice.

Ab Montag dürfte es an den Grenzübergängen der Region wieder weitaus lebhafter werden. Schliesslich öffnen die Grenzen zu Deutschland dann erstmals seit Beginn des coronabedingten Lockdowns ohne Ein- und Ausreise­beschränkungen. Wie gross der Andrang sein wird – ob die Schweizer etwa im Massen nach Deutschland fahren, um einzukaufen – ist offen.

«Da auch alle geschlossenen Grenzübergänge wieder geöffnet werden, rechnen wir dementsprechend mit einer Zunahmen im grenzüberschreitenden Verkehr», sagt Matthias Simmen, Sprecher der Eidgenössischen Zollverwaltung. Wie gross die Zunahme gerade beim Einkaufstourismus ist – das vermag momentan aber niemand so richtig einzuschätzen. Auch nicht bei den deutschen Zollämtern. «Der Ansturm ist für uns nicht kalkulierbar», sagt etwa Antje Bendel, Sprecherin des Hauptzollamts Lörrach.

Keine Kugelschreiber, um Ausfuhrzettel auszufüllen

Vorbereitet sind die Zollämter auf alle Fälle, auch personell. Im Bereich der Lörracher Behörde würden die Zöllner an den Serviceschaltern wie zu Vor-­Corona-Zeiten eingesetzt, sagt Bendel. Die Schweizer machen zum Personaleinsatz «aus einsatztechnischen Gründen» zwar keine Angaben. Es würden aber wie gehabt «risikobasierte Kontrollen» durchgeführt, auch um Schmuggel und grenzüberschreitende Kriminalität zu verhindern, sagt Simmen.

An den Grenzübergängen werden ausserdem alle Massnahmen getroffen, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Plexiglasscheiben sind montiert und Desinfektionsmittel stehen bereit. Unnötig lange Aufenthalte in den Zollämtern oder Abfertigungsstellen sollen vermieden werden. «Die Ausfuhrbelege sind vor dem Betreten der Abfertigungsgebäude vollständig auszufüllen. Kugelschreiber und Plätze zum Ausfüllen stehen vor Ort nicht zur Verfügung», sagt Mark Eferl, Sprecher des Hauptzollamts Singen. Am Prozedere ändert sich derweil nichts. Wie gehabt müssen alle zur Ausfuhr angemeldeten Waren mitgeführt und nach Aufforderung vorgezeigt werden.

Paketservice will chaotische Zustände verhindern

Auch beim «My Paketshop» in Bad Säckingen bereitet man sich auf die Grenzöffnung vor. Etwa 16'000 Kunden – vornehmlich aus dem Fricktal – lassen sich ihre Online-Bestellungen hierhin schicken. 12'000 Pakete warten derzeit auf ihre Abholung. Seit Mitte Mai kämen nun wieder vermehrt Kunden, wobei viele sich einen Arzttermin ennet der Grenze holten, um einen Grund zum Grenzübertritt zu haben, sagt Inhaber Simon Kühn.

Ab Montag ist das nicht mehr nötig – Kühn erwartet daher einen Grossandrang. «Wir setzen die maximale Anzahl an Mitarbeitern ein, um eine schnelle Paketausgabe zu gewährleisten.» Lange Wartezeiten oder gar chaotische Zustände sollen so verhindert werden. Zudem wurden die Gebühren für Überlagerungen bis Ende Juni gestrichen, um die Kundenströme zu entzerren.

Aktionen gegen Wartezeiten

Beim Lebensmittelhändler Schmidt’s Märkte, der in Bad Säckingen zwei Filialen betreibt, überwiegt die Vorfreude. Geschäftsführer Michael Schmidt blickt ohne Einkaufstourismus auf eine «nicht einfache Zeit» zurück. Nun kehren die Schweizer Kunden zurück – und müssen dort Vorschriften einhalten. So gilt in den Läden eine Maskenpflicht, und die Abstände müssen eingehalten werden.

Inwieweit deshalb Regelungen für den Zutritt nötig sein werden, muss sich noch weisen. «Wir sind jedenfalls auf alle denkbaren Möglichkeiten vorbereitet und werden auch etwaige Wartezeiten durch kleine Aktionen so angenehm wie möglich gestalten», sagt Schmidt.

Meistgesehen

Artboard 1