Tempodiskussionen sorgen in Fricktaler Dörfern immer wieder für rote Köpfe. Die einen wollen Tempo 30 auf allen Strassen, möglichst auch auf Hauptstrassen, andere verwerfen die Hände und sagen: Nur ja kein Tempo 30. Neu sind diese Tempodiskussionen nicht, wie ein Blick ins Zeitungsarchiv zeigt. «Kann man Rasern Einhalt gebieten?», steht da im «Aargauer Tagblatt» vom 18. April 1979 in grossen Lettern. Im Artikel geht es darum, dass Gemeinden tiefere Geschwindigkeiten wollen – und sie allesamt in Aarau mit ihren Begehren abblitzen.

Da ist Wittnau. Die Gemeindeversammlung beauftragte den Gemeinderat, in Aarau vorstellig zu werden mit dem Anliegen: Tempo 40 auf allen Dorfstrassen mit Ausnahme der Durchgangsstrasse. «Dieses Begehren wurde vollumfänglich abgelehnt», hält der Redaktor fest. Die Begründung aus Aarau tönt für heutige Ohren speziell: Das Polizeikommando, das in dieser Sache zuständig war, fand, eine entsprechende Signalisierung sei «zu schwierig zu bewerkstelligen», und überdies liesse sich eine solche Verordnung nicht richtig kontrollieren. Die Gemeinde akzeptierte, murrend, das Verdikt und versuchte stattdessen, neuralgische Punkte mit Stopp-Markierungen zu entschärfen.

Da ist Frick. Der Gemeinderat wollte das Innerorts-Tempolimit – damals noch 60 km/h – einige hundert Meter in Richtung Eiken ausdehnen. Dies, weil das Dorf wuchs und ein Trottoir an besagter Stelle fehlte. Auch hier sagte Aarau: nein, es bleibt bei 75 km/h.

Gibt es das wirklich?

Da ist Eiken. Auch hier wollte der Gemeinderat wegen des Wachstums den Innerortsbereich um einigen hundert Meter ausdehnen – und auch hier stiess das Ansinnen «auf taube Aarauer Ohren», wie das «Tagblatt» festhält. «So müssen denn die Autofahrer dazu angehalten werden, auch ohne entsprechende Beschilderung ihre Geschwindigkeit den geänderten Bedingungen – Aus-dem-Boden-Schiessen neuer Aussenquartiere, neue Schulhäuser und damit andere Schulwege der Kinder – anzupassen», hält das Tagblatt ernüchtert fest. Oder, um es mit dem Titel des Artikels zu formulieren: Rasern kann kein Einhalt geboten werden.

Dieser Beitrag zeigt: Es gibt Themen, die immer schon aktuell waren und bei denen man beim Lesen den Reflex hat zu sagen: Das gibt es ja heute noch! Und es gibt Artikel, bei denen man denkt: Gab es das wirklich? Einen solchen Beitrag findet sich im Tagblatt nur fünf Tage nach der Tempo-Debatte. Es geht um die Einführung des Kabelfernsehens in Frick. In einer Zeit, in der das Leben zu einem beachtlichen Teil digital abläuft und in der die 24-Stunden-Verfügbarkeit aller Kommunikationskanäle selbstverständlich ist, kann man sich kaum noch vorstellen, dass es einmal anders war – und dass man sich damals gegen den Fortschritt eher sträubte als sich über ihn freute.

12 TV-Kanäle lockten

So eben in Frick. Mit Vorführungen versuchte die Betreiberin, die Balsthaler Antennenbaufirma Wiedmann Dettwiler AG, die Fricker auf den Geschmack des Kabelfernsehens zu bringen. Dass es Überzeugungsarbeit braucht, wussten die Kabel-TV-Betreiber, denn zwei Jahre zuvor hatte eine vom Gemeinderat eingesetzte Kommission eine Umfrage bei der Fricker Bevölkerung durchgeführt, was diese von der Einführung von Kabel-TV hält. Recht wenig. «Von 1000 Haushaltungen bekundeten bloss 30 Prozent ernsthaftes Interesse», hält der Artikel fest.

Die Kabelnetzbetreiber legten sich denn auch ins Zeug. Man konnte sich «vom optimalen Empfang von 12 TV-Stationen und von 18 UKW-Sendern überzeugen», heisst es im Artikel. Senderzahlen, für welche die heutigen TV- und Radio-Konsumenten nur ein müdes Lächeln übrig haben. Damals war dies ein Quantensprung. «Ohne Zusatzgeräte und ohne teure Mehrbereichsapparate für die französischen TV-Sender steht dem Kabelfernseher das ganze Angebot zur Verfügung», zeigt sich der Redaktor beeindruckt.

Gratis ist das moderne TV-Vergnügen natürlich nicht zu haben. Für ein Einfamilienhaus – damals gab es in Frick noch deutlich weniger Mehrfamilienhäuser als heute – werde eine einmalige Anschlussgebühr von 1200 Franken und eine monatliche Betriebsgebühr von 4 Franken verlangt, hält der Bericht fest. Zum Vergleich: TV-Abonnemente gibt es heute ab rund 50 Franken – darin inkludiert sind um die 240 Kanäle und eine schnelle Internetverbindung.

Von einer solchen Kanal-Fülle wagte damals niemand zu träumen – vom Internet ganz zu schweigen. Damals war ein flimmerfreier Empfang das höchste der Gefühle. Dazu wurden die 12 TV-Sender «mittels komplizierter, eigens dazu entwickelter elektronischer Bauteile» von Störungen befreit.

Nicht nur Frick sprang zögerlich auf den Vorläufer der Digitalisierung auf. Im April 1979, als die PR-Aktion in Frick lief, waren erst 22 Gemeinden mit rund 40'000 Abonnenten am «Fricktaler Strang» angeschlossen; aus dem Fricktal selber waren erst die Gemeinden Wölflinswil, Oberhofen und Gipf-Oberfrick dabei. Die Abonnentenzahl in diesen drei Gemeinden lasse, so Firmenchef Roland Handschin, «noch zu wünschen übrig».

Laufenburger Brückengeschichten

Zu wünschen übrig liess auch der Zustand der Laufenburger Brücke. «Rheinübergang serbelt bedenklich», titelte das «Tagblatt». Es weiss: «Nicht nur ist die etwas schmale Fahrbahn in schlechtem Zustand, sondern an der Brücke zeigen sich auch beträchtliche Abnützungserscheinungen.» Eine Sanierung sei daher in nächster Zeit dringend nötig, da auch schon verschiedene Steinquader aus den Fugen geraten seien.

Zwei Probleme stellten sich allerdings: Wo queren die Autos den Rhein (die neue Laufenburger Rheinbrücke gab es damals noch nicht). Und: Wer soll das bezahlen? Für die erste Frage war eine Lösung in Sicht: In Stein, denn hier wurde 1979 am neuen Rheinübergang gebaut. Die neue Brücke sollte bis im Herbst fertig sein, die Sanierung in Laufenburg also ab dann möglich.

Die zweite Frage, jene nach dem Kostenverteiler, war zumindest theoretisch klar: Bei der Trennung der beiden Städte nach 1800 wurde bezüglich der Baupflicht vereinbart, dass Badisch-Laufenburg ein Drittel und die Schwesterstadt auf Schweizer Seite zwei Drittel der anfallenden Baukosten übernehmen muss. Während Laufenburg Schweiz seine finanziellen Verpflichtungen auf den Kanton abschieben konnte, gelang es auf badischer Seite nicht, die Baulast auf Land oder Bund zu übetragen. «Die bisherigen Anstrengungen in dieser Angelegenheit blieben bis heute erfolglos», heisst es im Artikel vom 17. April. «Unklar ist, wer das eine Drittel der auf der deutschen Rheinseite anfallenden Baukosten bezahlen soll.»

Laufenburg und seine Brücken – das war schon immer ein Spezialfall. Noch gut erinnert man sich weit über das Städtchen hinaus an den Sommer 2003. Die Bauarbeiten an der neuen Rheinbrücke liefen da gerade auf Hochtouren, es fehlten nur noch gut 30 Meter zum Brückenschlag. Dann der Schock: Die Brücke passte nicht, zwischen dem Trassee auf deutscher und jenem auf Schweizer Seite klafften 54 Zentimeter. Man löste das Problem – und gab ein gutes Fasnachtssujet ab.

Der lange Rechtsstreit

Ähnlich kompliziert verlief die Sanierung der alten Rheinbrücke 2008. Zwei Jahre lang wurde in Laufenburg um den Belag der Brücke gestritten. Und so bot die 1911 vom Zürcher Ingenieur Robert Maillart erbaute Brücke lange ein skurriles, nicht eben tourismusförderndes Bild: Auf deutscher Seite waren die Bauarbeiten längst abgeschlossen und die Brücke neu gepflästert, auf Schweizer Seite dagegen ruhten die Bauarbeiten.

Schliesslich musste der Regierungsrat entscheiden: Er wies eine Beschwerde ab und gab damit grünes Licht; die Brücke wurde gleich wie auf deutscher Seite gepflästert. Ein Rüffel schickte die Regierung aber mit nach Laufenburg: Die getroffene Sanierungslösung sei insbesondere aus denkmalpflegerischer Sicht zwar nicht die bestmögliche, aber doch bewilligungsfähig.