Theater
Gleich zwei Fricktaler stehen mit HD-Soldat Läppli auf der Bühne: «Das ist schon sehr speziell»

Einst lernten sie sich kennen, da war Stephan Bürgi noch ein Bub und Willi Schraner Coiffeur. Jetzt stehen die beiden Fricker Schauspieler in der Neuauflage des Klassikers HD-Soldat Läppli an der Seite von Gilles Tschudi auf der Bühne des Basler Theaters Fauteuil.

Nadine Böni
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Der Fricker Willi Schraner (links) steht derzeit mit Gilles Tschudi als HD-Soldat Läppli auf der Bühne.

Der Fricker Willi Schraner (links) steht derzeit mit Gilles Tschudi als HD-Soldat Läppli auf der Bühne.

Mimmo Muscio

Stephan Bürgi entfährt ein Seufzer. «Es ist ganz einfach wunderschön», sagt der Schauspieler aus Frick. Seit rund einem Monat steht Bürgi wieder fast jeden Abend auf der Bühne. In der Neuauflage des Klassikers HD-Soldat Läppli mimt er im Basler Theater Fauteuil Leutnant Rubli, Richter Grunauer und einen Bataillonsarzt.

Nach den vergangenen Monaten mit nur eingeschränkten Liveauftritten geniesse er es speziell, wieder vor vollem Haus auftreten zu können, die Reaktionen des Publikums in den Gesichtern zu sehen, die Lacher und den Applaus zu hören. Jeder Abend sei dabei anders, sagt Bürgi, immer aber spiele das Publikum einen wichtigen Part. Er sagt:

«Das Publikum wieder zu spüren, ist Balsam für die Seele und zeigt mir jeden Abend von neuem, dass wir einen wunderbaren Beruf haben.»

Für Bürgi ist es dabei auch aus anderen Gründen ein spezielles Gastspiel. Schliesslich hat der 55-Jährige seinen Lebensmittelpunkt schon vor Jahren nach Berlin verlegt. Jetzt ist er plötzlich wieder in der alten Heimat – und darf dabei mit einem langjährigen Kollegen auftreten: Willi Schraner spielt im «Läppli» ebenfalls mit. «Wir lernten uns kennen, da war ich noch ein Bub und er Coiffeur in Frick», erinnert sich Bürgi mit einem Lachen an die erste Begegnung.

Zwei Fricker auf der grossen Basler Bühne

Schraner habe in seinem Leben indirekt eine entscheidende Rolle gespielt. Bürgis Wunsch nämlich, Schauspieler werden zu wollen, wurde damals nicht selten mit einem kritischen bis mitleidigen Blick quittiert. «Aber Willi hat genau das geschafft. Das gab mir den Glauben, dass es durchaus möglich ist, diesen Traum zu realisieren.»

Es sei toll, dass sie nun gar gemeinsam an einer Produktion mitwirken könnten, sagt Bürgi – und spricht dabei auch Willi Schraner aus dem Herzen:

«Ich freue mich wahnsinnig, dass wir gemeinsam spielen dürfen. Dass zwei Fricker auf der Bühne stehen, ist schon sehr speziell.»

Hinter der Bühne bereden die beiden Fricktaler dabei durchaus auch mal, was gerade in der Heimat, dem Fricktal, läuft. «Wir verstehen uns super. Ich habe grossen Respekt davor, was er erreicht hat», sagt Schraner. Und auch Bürgi findet für seinen Kollegen nur lobende Worte: «Willi ist ein absolut liebenswürdiger Mensch, der mit offenen Armen und offenem Herzen auf seine Mitmenschen zugeht.»

Der eine ein Neuling, der andere Stammgast

Die Arbeit im Theater macht Stephan Bürgi wie auch Willi Schraner grossen Spass. Während Bürgi ein «Läppli»-Neuling ist, gehört Schraner schon fast zum Inventar. Er war schon in der ersten Bühnenversion von Alfred Rasser dabei, die vor über 50 Jahren aufgeführt wurde und später auch, als dessen Sohn Roland 1989 den «Läppli» wieder auf die Bühne brachte.

In zwei Szenen stehen Willi Schraner (links) und Stephan Bürgi (rechts) mit Gilles Tschudi als Läppli auf der Bühne.

In zwei Szenen stehen Willi Schraner (links) und Stephan Bürgi (rechts) mit Gilles Tschudi als Läppli auf der Bühne.

Eduardo Elia Basel

Schraner führt Buch über all seine Aufführungen und weiss: Inzwischen stand er während über 800 Aufführungen mit einem «Läppli» auf der Bühne. Es sei für ihn «eine grosse Ehre» gewesen, als ihn Caroline Rasser, die das Fauteuil zusammen mit ihrem Bruder Claude leitet, angefragt habe, ob er erneut mitwirken möchte.

Auf ein Bier im «Sperber»

Schraner ist mittlerweile 77 und damit das älteste Mitglied im Ensemble. Die vielen Kostümwechsel hinter der Bühne – er verkörpert aktuell den Polizisten, den Sanitätsoffizier, den Meldefahrer und den Kondukteur – würden an die Substanz gehen. Das gibt er zu, fügt aber an:

«Das Stück ist ein Schweizer Kulturgut. Ich hoffe, dass ich meine Rollen noch möglichst lange spielen kann.»

Nach den Vorstellungen kehrt Schraner meist noch für ein Bier ins Basler Traditionslokal Sperber ein. Dort wird er ab und zu angesprochen von Menschen, die zuvor das Theater besuchten. «Viele sagen mir, wie sehr ihnen die Vorstellung gefallen hat. Das ist einfach nur schön», sagt Schraner.

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