Laufenburg
Theater Wiwa: Boulevard mit Botschaft

Schon fünf Jahre ging das Theater Wiwa mit dem Stück «schwanger». Jetzt bringt das Ensemble «Der letzte Raucher» auf die Bühne. Premiere ist am 6.Mai in der Kultschüür.

Hans Christof Wagner (Text und Foto)
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Marcel (Martin Willi, r.) bittet Felix (Roland Graf), ein bisschen ordentlicher zu sein.

Marcel (Martin Willi, r.) bittet Felix (Roland Graf), ein bisschen ordentlicher zu sein.

Es geht um Marcel (Martin Willi), eben jenen letzten Raucher, der vor der Wahl steht: Entweder Karriere oder weiterhin dem Laster frönen. Seine Firma will ihn doch tatsächlich erpressen. Denn die ersehnte Beförderung gibt es nur, wenn er die Finger von den Glimmstängeln lässt. Für Marcel ist das eine nicht zu akzeptierende Provokation – Mobbing hoch zehn, ein Angriff der Gesundheitsapostel, den er empört zurückweisen muss.

Dass in Wirklichkeit seine Frau Monika (Petra Obrist) dahintersteckt, erfährt Marcel erst später. Und nicht nur das gibt dem Stück aus der Feder des Deutschen Rolf Kindler eine entscheidende Wendung. Dazwischen wird der Zuschauer Zeuge des Auftritts allerlei weiterer Protagonisten: von Marcels Assistentin (Christina Dapp-Zapf), von Felix, dem Kettenraucher, Journalisten und Agitator (Roland Graf) und von dessen Kontrahentin Isabelle (Sandra Schweizer).

Wenn sich die beiden fetzen und wortreich in die Wolle kriegen, sind die Szenen sicher die Lebhaftesten des Stücks. Sie agiert mit der Verve der überzeugten Nichtraucherin und politisch korrekten Fundamentalistin, er mit der Gelassenheit des Genussmenschen. Doch so richtig auf eine Seite will das Stück den Zuschauer nicht ziehen, dazu sind die Charaktere dann doch zu ambivalent. Und aktuelle Parallelen zu Menschen aus dem Fricktal, die gerne vieles verbieten lassen würden, wollen Willi und Graf, oder Regisseur und Co-Regisseur, auch keine ziehen.

Zeitkritische Unterhaltung

Beide waren aber auf Anhieb von der Qualität und dem zeitlos aktuellen Anspruch von «Der letzte Raucher» überzeugt, als sie das Stück im Jahr 2011 zum ersten Mal lasen. «Weil es zeitkritische Unterhaltung bietet, die neutral bleiben will», sagte Willi bei der Presseprobe am Montagabend. Die Inszenierung lebt vor allem vom kongenialen Zusammenspiel von Willi und Graf.

Graf, der Profi und «Graf Hans»Darsteller bei der thematischen Stadtführung, muss in seiner Rolle auch nicht ganz gegen sein eigenes Naturell angehen. Viel Humor versprechen die Szenen, die in der von Felix und Marcel eingerichteten Männer-WG spielen, in der sich Marcel im Bademantel dann doch ganz schön zickig und spiessig anstellt. Da fühlt sich der Zuschauer mit Sicherheit an Walter Matthau und Jack Lemmon als seltsames Paar erinnert.

Schweizer Erstaufführung

Die 26. Produktion des Theaters Wiwa ist die 15. Schweizer Erstaufführung, die Willi auf die kleine Bühne der Kultschüür zaubert. Ganz dem Anspruch des Ensembles, darunter zum ersten Mal Sandra Schweizer, will «Der letzte Raucher» kein schenkelklopfendes Bauerntheater sein, sondern Boulevard mit Botschaft – ein Stück, das laut Willi «niemanden kalt lassen sollte».

Aufführungen in der Kultschüür

Der Vorverkauf für «Der letzte Raucher» in der Kultschüür in Laufenburg läuft. Das Theater Wiwa zeigt das Stück nach der Premiere am Freitag, 6. Mai, um 20 Uhr, im Mai und Juni acht Mal. Derniere ist dann am Samstag, 4. Juni, um 20 Uhr.

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