Unter mysteriösen Umständen ist ein Pferd im deutschen Grunholz bei Laufenburg misshandelt worden: Der 21 Jahre alten Stute Wicky von Ancilla Spielmann wurde vermutlich ihre Zunge herausgerissen. Der am Montagabend herbeigerufene Tierarzt musste das Tier einschläfern.

In 30 Jahren Berufserfahrung habe er so etwas noch nicht erlebt, sagt Hans-Rudolf Felber, Tierarzt aus dem nahen Rheinfelden AG.

Ancilla und ihre Tochter Sabine Spielmann hatten den Arzt am Montag darüber informiert, dass ihre Stute Wicky starken Speichelfluss habe und aus dem Maul stinke. Felbers Ferndiagnose zerschlug sich, als er das Pferd vor Ort untersuchte.

Nachdem er Wicky betäubt hatte, öffnete er das Maul und sah, dass die Zunge von der Zungenbasis an fehlte – etwa zehn bis zwölf Zentimeter.

Das Tier musste eingeschläfert werden, da es ansonsten verhungert wäre, sagt Sabine Spielmann. Die Zunge habe auch ein Hämatom auf der unteren Seite aufgewiesen.

Laut Besitzerin Ancilla Spielmann war die Hannoveraner-Stute Wicky in der Nacht von Samstag auf Sonntag und von Sonntag auf Montag auf der Weide. "Im Sommer haben wir die Pferde immer draußen. Ich habe Wicky am Sonntag noch ausgeritten", erzählt die Besitzerin. Beim Anlegen der Trense war der 50-Jährigen nichts aufgefallen.

Die abgerissene Zunge lag unter einem Baum

Am Montag waren die äußeren Anzeichen, dass etwas nicht stimmte, deutlich zu erkennen, dazu kam der Speichelfluss. Das Pferd aß und trank nichts mehr. Die abgetrennte Zunge hat Wickys Besitzerin auf der rund 80 mal 150 Meter großen Weidefläche unter einem Baum gefunden. Sie liegt jetzt bei Tierarzt Felber. Die Polizei wird sie für weitere Untersuchungen beschlagnahmen.

Dass sich das Tier die Zunge selber herausgerissen haben kann, hält Ancilla Spielmann für undenkbar. "Es gibt auf der Weide keine Möglichkeit dafür." Wicky sei ein sehr zutrauliches Pferd gewesen, ganz im Gegenteil zu ihrer Tochter Wahida, mit der sie in der fraglichen Tatnacht auf der Weide stand. Dass es zu einem Kampf mit einem Tier gekommen ist, hält Tierarzt Felber für unwahrscheinlich. "Selbst, wenn es so gewesen wäre, hätte ein Tier die Zunge gefressen und nicht liegenlassen." Wie die Zunge abgetrennt wurde, vermag Felber nicht zu sagen.

Ancilla Spielmann ist geschockt. Wicky gehörte zur Familie. Dass jemand zu so einer Tat fähig ist, kann sie nicht glauben. Ihre Tochter hat inzwischen einen Flyer erstellt, auf dem sie Zeugen um Hinweise oder ungewöhnliche Beobachtungen in der fraglichen Nacht in Grunholz bittet. Den wird sie zuerst im Stall von Stefan Ebner in Grunholz verteilen, in dem Wicky seit sieben Jahren untergebracht ist.