Geschwisterdrama
Was uns die unfassbare Tragödie zeigen muss

Was sich am Dienstagmorgen in Frick abgespielt hat, ist eine unfassbare Tragödie. Eine Frau tötet ihren Bruder und dann sich selbst. Wie es zur Tragödie kam, ist zweitrangig. Wichtig ist, dass die Eltern nun Unterstützung bekommen. Wenn wir einen Impuls aus der unfassbaren Tat mitnehmen können, dann den, vermehrt auf die Not anderer zu achten.

Thomas Wehrli
Thomas Wehrli
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Schockiert und fassungslos sind die Menschen in Frick über die Tat.

Schockiert und fassungslos sind die Menschen in Frick über die Tat.

Tele M1

Unfassbar. Dieses Wort hörte man immer wieder gestern in Frick, wo sich am Dienstag eine Tragödie abgespielt hat, bei der eine Schwester in der elterlichen Wohnung ihren Bruder mit einem Messer getötet hat und sich anschliessend selber das Leben nahm.

Unfassbar. Dieses Wort trifft das, was ist, das, was war, das, was bleibt, so gut wie kein anderes Wort. In den 30 Jahren, in denen ich als Journalist arbeite, habe ich nie einen solchen Fall erlebt. Auch dem angesehenen forensischen Psychiater Josef Sachs ist ein vergleichbarer Fall noch nie begegnet (lesen Sie hier das Interview mit Josef Sachs).

Wie es zu dieser Tragödie kommen konnte, wird man vermutlich nie ganz klären. Muss man auch nicht. Es gilt, aus diesem Tag, aus diesem Ereignis zwei Impulse mitzunehmen. Der erste ist, der Familie in dieser wohl schwersten Stunde ihres Lebens viel Kraft zu wünschen – und nahe Menschen, die ihnen Halt geben. Denn davon brauchen sie in den nächsten Monaten so viel, wie sie nur bekommen können.

Der zweite Impuls: Mehr aufeinander und auch auf sich selbst zu achten. Denn vielen (erweiterten) Suiziden geht eine kürzere oder längere Phase des Zweifelns, oft auch der Verzweiflung voraus. Dies ist der Zeitraum, in dem es gelingen kann, einen fallenden Menschen aufzufangen – wenn man die Veränderung bemerkt. Dazu braucht es die Offenheit des gefährdeten Menschen. Dazu braucht es aber auch eine Gesellschaft, die hinsieht. Und das ist in der heutigen Ich-Kultur leider oft nicht mehr der Fall.

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