Möhlin

Trotz Widerstand der Reiter: Gemeinderat bewilligt neue Startbahn für Modellflieger

Die Modellfluggruppe Fricktal nimmt Anflug auf Möhlin.

Die Modellfluggruppe Fricktal nimmt Anflug auf Möhlin.

Die Modellfluggruppe Fricktal möchte in Möhlin ihr Hobby ausüben – Widerstand kommt von zwei nahen Reiterhöfen.

Die Modellfluggruppe Fricktal ist dem Vorhaben, eine neue Start- und Landebahn zu bauen, einen grossen Schritt näher gekommen. In der Fliegersprache ausgedrückt, würde es wohl heissen: Der Landeanflug ist eingeleitet. Der Gemeinderat Möhlin hat das entsprechende Baugesuch der Gruppe genehmigt. Die Piste soll im Gebiet Langacher nahe der Autobahn A3 entstehen. «Wir sind sehr erleichtert», sagt Tommy Bieri, Präsident der Gruppe.

Die Modellfluggruppe war zuvor – um in der Flieger-Terminologie zu bleiben – von argen Turbulenzen durchgeschüttelt worden. 2016 musste sie ihre bisherige Start- und Landebahn im Rheinfelder Gebiet Grossgrüt nach einem Rechtsstreit mit der Stadt aufgeben. Eine vereinsinterne Arbeitsgruppe führte in der Folge eine Standortevaluation durch. «Wir haben viel Arbeit darin investiert, den bestmöglichen Standort zu finden, wo am wenigsten öffentliche und private Interessen tangiert sind», sagt Bieri.

Damit aber nicht genug der Turbulenzen. Denn: Gegen das Baugesuch gingen mehrere Einsprachen ein, darunter auch eine Sammlung mit über 100 Unterschriften. Zu den Gegnern des Vorhabens gehören die Inhaber der angrenzenden Reiterhöfe Birkenhof und Röti. Sie fürchten die allfälligen Auswirkungen des Flugbetriebs auf ihren Betrieb. «Die Pferde kennen den Ton und das Flugverhalten der Modellflieger nicht und können diese deshalb nicht einschätzen», sagt Jürg Soder vom Birkenhof. «Es besteht die Gefahr, dass sich die Pferde erschrecken und es deshalb zu Unfällen kommt.»

Ein Windsack soll die ­Reiter warnen

«Wir haben nach der Baueingabe und nochmals vor den Einigungsverhandlungen Gespräche mit den Einsprechern geführt», sagt Tommy Bieri. Die Fluggruppe bot dabei an, ergänzende Massnahmen in das Flugplatzreglement aufzunehmen, welche «Besorgnisse einzelner Reiterinnen und Reiter hätten lindern können», wie Bieri sagt. «Die Einsprecher sind auf diese Angebote bei der Einigungsverhandlung nicht weiter eingegangen.» Die Modellfluggruppe zeigt sich nun trotzdem offen für Gespräche. «Wir möchten nicht nachtragend sein, sondern eine einvernehmliche Lösung finden», so Bieri. Ein Vorschlag ist es, während des Flugbetriebs einen Windsack aufzuhängen. So wissen die Reiter: Wenn der Windsack hängt, sind eventuell Flieger in der Luft. «Das wäre aus unserer Sicht ein pragmatisches Mittel, um aufeinander Rücksicht zu nehmen und ein Zusammenleben von Flugplatz und Reitstall zu ermöglichen.»

Der Entscheid des Gemeinderats zum Baugesuch ist noch nicht rechtskräftig. Die Parteien haben die Möglichkeit, vor den Regierungsrat zu gelangen. Jürg Soder kündigt an, diesen Schritt gehen zu wollen. Die Sorgen und Anliegen der Reiter seien im bisherigen Verfahren nicht ernst genug genommen worden.

Gut möglich also, dass für die Modellflieger auch der Landeanflug nicht unbedingt sanft wird. Die Gruppe hofft aber, dass er trotzdem gelingt. «Noch warten wir darauf, dass der Entscheid rechtskräftig wird», sagt Bieri. Bei der Start- und Landebahn handelt es sich um eine Rasenpiste, die ohnehin am besten im Herbst angelegt wird. «Lassen es die Umstände rund um das Corona-Virus zu, wäre es aber denkbar, dass wir allenfalls versuchen, im Mai die bestehende Wiese nach Absprache mit dem Landwirten so kurz zu schneiden, dass ein Starten und Landen möglich ist», so Bieri. So könnte der Flugbetrieb noch in diesem Jahr aufgenommen werden. «Nach der langen Zeit ohne eigene Start- und Landebahn ist die Vorfreude darauf riesig.»

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