Hellikon

Turnen stiess anfangs auf wenig Begeisterung – jetzt feiert der Turnverein seinen 100. Geburtstag

Das Festzelt steht: Martin Waldmeier (l.) und Michael Meier freuen sich auf die dreitägige Jubiläumsfeier des TV Hellikon.

Das Festzelt steht: Martin Waldmeier (l.) und Michael Meier freuen sich auf die dreitägige Jubiläumsfeier des TV Hellikon.

Heute zählt der Verein rund 200 Mitglieder – womit fast jeder vierte Helliker im TV ist. Diese Woche feiern sie ihren Turnverein und dessen 100. Geburtstag mit einer mehrtägigen Party.

Liebe auf den ersten Blick war es nicht. Als Johann Ruflin am 27. April 1912 seine Stelle als Lehrer in Hellikon antrat, war er «voller Überzeugung, dass die Körpererziehung für die Landbevölkerung» wichtig ist. Er rief noch im gleichen Jahr die Jugendlichen herbei, um sie zur Bildung einer Vorunterrichtssektion aufzumuntern. Nur eben: Liebe auf den ersten Blick war das nicht mit den Hellikern und dem Turnen. «Warum am Abend noch turnen, wenn man den ganzen Tag auf dem Felde gearbeitet hat? Beim Mähen, Pflügen und Hacken ist genug Gelegenheit geboten, sich körperlich zu betätigen.» So habe es allenthalben getönt, schreibt der Turnverein Hellikon auf seiner Homepage.

In den kommenden Jahren war es aber möglich, jeweils eine Riege zu bilden, weil die Jugendlichen vom Schulturnen her die nötigen Grundlagen mitbrachten. Als dann 1919 die Vorunterrichtssektion an der Schlussinspektion besonders gut abgeschnitten hatte, wurde sogar der Wunsch laut, man solle mit dem Turnen weiterfahren. Am 1. August 1919 wurde der TV Hellikon gegründet – und Lehrer Johann Ruflin als erster Oberturner erkoren.

Heute zählt der Verein rund 200 Mitglieder – womit fast jeder vierte Helliker im TV ist. Diese Woche feiern sie ihren Turnverein und dessen 100. Geburtstag mit einer mehrtägigen Party. Los geht es heute Mittwoch mit dem Jubiläumsabend samt 1.-August-Feierlichkeiten; weiter dann am Freitag und Samstag mit einer «Summer Night» und einer «Mallorca Party» auf dem Festgelände beim Schulhaus.

Der Sport ist wichtig, die Geselligkeit aber auch

Die Aufbauarbeiten dazu laufen schon seit vergangener Woche. Rund 50 Aktivmitglieder des Vereins helfen mit, einige haben für den Auf- und Abbau extra freigenommen. «Ein 100-Jahr-Jubiläum ist natürlich etwas Spezielles. Trotzdem ist es nicht selbstverständlich, dass die Mitglieder freinehmen», sagt Michael Meier, Vorstandsmitglied und Präsident des Organisationskomitees.

Es ist nicht selbstverständlich, aber irgendwie sinnbildlich für den Verein. «Wir festen gern, organisieren aber mindestens genauso gerne ein Fest», sagt Meier. Weit über die Dorfgrenzen hinaus bekannt sind etwa die Feiern am ersten «Faisse» vor der Fasnacht. OK-Kollege Martin Waldmeier ergänzt: «Neben dem sportlichen Aspekt sind uns die Geselligkeit und die Zusammengehörigkeit sehr wichtig.»

In der 100-jährigen Geschichte des TV Hellikon hat sich viel verändert – Details, wie die Tenues, aber auch Grundsätzliches, wie die Einstellung zum Turnen. «Früher war das Turnen eine Vorbereitung für die Jungen auf das Militär. Heute ist es eine Freizeitbeschäftigung», sagt Waldmeier. Die Geselligkeit aber war von Anfang an wichtig. So wichtig, dass sie bereits in den ersten Vereinsstatuten Erwähnung fand. Mindestens eine Turnerfahrt sei pro Jahr durchzuführen, war darin unter anderem vermerkt. «Die Vereinsmitglieder gaben jede Woche 20 Rappen ab. Wenn die Kasse voll war, ging es auf die Reise», sagt Waldmeier.

Das ist eine der Anekdoten, die in der heute erscheinenden und über 200 Seiten starken Jubiläumsschrift erzählt werden. Martin Waldmeier hat mit vier Kollegen «alles in die Chronik gepackt, was zum TV gehört», wie er sagt. Entstanden ist ein Werk, das die Helliker Liebe zu ihrem TV dokumentiert – denn aus der anfangs zögerlichen Annäherung ist mittlerweile genau das geworden: eine grosse Liebesgeschichte.

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Autor

Nadine Böni

Nadine Böni

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