Umfrage unter Grossräten

Verkehr, Bildung, Gesundheitswesen und Gemeindelandschaft: Das sind die Hotspots im Fricktal

Auf dem S1-Ast zwischen Laufenburg und Stein soll der Halbstundentakt eingeführt werden. Bild: Archiv

Auf dem S1-Ast zwischen Laufenburg und Stein soll der Halbstundentakt eingeführt werden. Bild: Archiv

Zentrale Herausforderungen im Fricktal sind für Grossräte der Verkehr, die Bildung, das Gesundheitswesen und die Gemeindelandschaft.

Ins Fricktal kommt Bewegung. Die Region soll auf dem S1-Ast zwischen Laufenburg und Stein den Halbstundentakt erhalten, eine Mittelschule wird in Frick, Stein oder Möhlin/Rheinfelden gebaut und beim Sisslerfeld geht es endlich ein Schrittchen vorwärts. Alles in Butter also? Noch lange nicht. Es gibt noch viel in der und für die Region zu tun. Dies ist das Fazit einer AZ-Umfrage unter sechs Fricktaler Grossräten. Dabei haben sich vier Hotspots herauskristallisiert: der Verkehr, die Bildung, die Gemeinden und die Gesundheit.

Der Verkehr

Für Alfons Paul Kaufmann (CVP) ist die Verkehrssituation «eine der herausforderndsten Aufgaben» der nächsten Jahre. Dies gelte innerhalb der Region – der Verkehr staut sich täglich auf der Autobahn – wie über die Grenzen hinweg. «Unser Verkehrsproblem ist nur grenzüberschreitend lösbar», ist Kaufmann überzeugt. Gefordert sei aber auch der Kanton: Es brauche, wie in anderen Regionen, ein kantonales Konzept. «Unsere Aufgabe ist es, in Aarau Druck zu machen.»

Auch Elisabeth Burgener (SP) sieht im Bereich Verkehr «grossen Handlungsbedarf». Dies gelte insbesondere mit Blick auf die Erschliessung des Sisslerfeldes, die noch mehr Verkehr bringen werde. Für Burgener ist klar: «Es braucht auch Massnahmen beim öffentlichen Verkehr.»

Dem pflichtet Roland Agustoni (GLP) bei. Der unermüdliche Kämpfer für einen Halbstundentakt auf dem S1-Ast zwischen Stein und Laufenburg hat es zwar im Mai 2018 geschafft, dass seine Takt-Motion gegen den Willen der Regierung überwiesen wurde und der Halbstundentakt deshalb umgesetzt werden muss. Als langjähriger Politiker weiss er aber auch: «Der Halbstundentakt ist noch nicht im Trockenen.» Denn das Geschäft muss als Botschaft nochmals vor den Grossen Rat; das wird vermutlich 2020 der Fall sein. Agustoni ist zwar zuversichtlich, dass der Grosse Rat wieder zustimmt, sagt aber auch: «Wir Fricktaler sind gefordert.» Sorgen bereitet Agustoni auch der zusätzliche Güterverkehr auf der Bözberglinie. Dadurch werde der Takt noch enger, was einen Angebotsausbau im Personenverkehr zusätzlich erschwere.

Christoph Riner (SVP) warnt davor, den Individualverkehr gegen den öffentlichen Verkehr auszuspielen. «Gerade im ländlichen Raum sind viele auf das Auto angewiesen.» Es brauche deshalb in beiden Bereichen Massnahmen. Riner stört, dass die Investitionen oft stark auf die Hauptachsen fokussiert sind. «Wir müssen die Rahmenbedingungen so schaffen, dass sich alle Regionen entwickeln und leben können.» Hier sei es wichtig, dass die Grossräte einer Region geschlossen auftreten und sich für die Region starkmachen.

Die Bildung

Das Fricktal bekommt eine Kantonsschule; sie wird bis 2028 in Frick, Stein oder Möhlin/Rheinfelden gebaut. Wo, wird man im Sommer 2020 wissen. Für Agustoni ist klar: «Es ist auch an der Zeit, dass wir Fricktaler eine Kantonsschule bekommen. Versprochen hat man sie uns schon lange.» Für Kaufmann hat jeder der drei Standorte Vor- und Nachteile. Er hofft, dass die regierungsrätliche Vorlage gut austariert sein wird, sodass alle damit leben können – auch jene, die nicht zum Zuge kommen.

Ein Sorgenkind ist das Berufsbildungszentrum Fricktal. Zwar wird es weitergeführt, was nicht immer sicher war. Doch es verliert das KV und damit viele Schüler. Im Gegenzug wird Rheinfelden allerdings eine Aussenstelle der Berufsschule Gesundheit und Soziales in Brugg. Dies sei eine Chance, sagt Kaufmann. «Ich bin überzeugt, dass Rheinfelden neben Brugg zum zweiten Kompetenzzentrum Gesundheit werden kann.» Rheinfelden sei dafür prädestiniert. «Wir haben hier vom Spital über die Reha bis zu Alterszentren alles vor Ort.» Für Agustoni sind nun primär die Verantwortlichen des BZF gefordert. «Ihnen muss es gelingen, Schüler nach Rheinfelden zu locken.»

Für Riner gilt es, auch einen Finger auf die anderen Schulen zu halten. Es dürfe nicht so weit kommen, dass die Schulen aus den Dörfern verschwinden. «Es ist wichtig, dass die Infrastrukturen wie die Schulen in den Dörfern erhalten bleiben.»

Die Gemeindelandschaft

Daniel Suter (FDP) hält die einzigartigen Natur- und Landschaftswerte für eine der grossen Stärken des Fricktals. «Dazu kommt der ländliche Charakter, der dazu führt, dass man sich in unserer Region noch über die Gemeindegrenzen hinaus kennt.» Das Fricktal sei auch deshalb sowohl für Firmen wie für Zuzüger ein eigentlicher Magnet, weiss Suter. «Die Herausforderung dabei ist es, diese bestehenden Stärken des Fricktals zu erhalten.»

Gerade dieser ländliche Raum muss für Gertrud Häseli (Grüne) künftig noch besser bewirtschaftet werden. Das gehe nur mit einer verstärkten Zusammenarbeit. Diese führt für Häseli in letzter Konsequenz zu weiteren Fusionen – und zwar zu Grossgemeinden. Es bringe wenig, wenn sich kleine Gemeinden zusammenschliessen würden, sagt Häseli. «Es braucht den grossen Wurf.» Ihr Fricktal der Zukunft hat denn auch nur noch fünf Gemeinden, die den strategischen Teilregionen des Planungsverbandes Fricktal Regio entsprechen. Die Zentren der fünf Gemeinden wären dann Rheinfelden, Möhlin, Stein, Frick und Laufenburg.

Eine Professionalisierung – und damit eine Regionalisierung – wünscht sich Häseli bei den Sozialdiensten. «Nur so kann sichergestellt werden, dass die Sozialhilfeempfänger neben der finanziellen auch die nötige soziale und integrative Unterstützung bekommen.»

Sorgen bereitet Riner der neue Finanzausgleich zwischen den Gemeinden. Es brauche Anpassungen, denn der Finanzausgleich schaffe neue Ungleichheiten, ist er überzeugt. Insbesondere die Gemeinden, die nicht am Speckgürtel liegen, sieht Riner benachteiligt. «Die Gemeinden im Fricktal müssen auch aus finanzieller Sicht eine Zukunft sehen.»

Die Gesundheit

Burgener ist froh, dass die Diskussionen im Gesundheitswesen wieder in ruhigerem Fahrwasser verlaufen. Das war letztes Jahr ganz anders. Da stellte das Gesundheitszentrum Fricktal (GZF) die Fortführung des Standorts Laufenburg als Akutspital zur Debatte, was zu intensiven und emotionalen Diskussionen führte. Mitte Jahr entschied der Verwaltungsrat des GZF dann, Laufenburg als Akutspital weiterzuführen.

Für Burgener ist der Prozess, wie die Gesundheitsversorgung im Aargau künftig ausgerichtet wird, damit noch lange nicht abgeschlossen. Man sei auf gutem Weg, findet Burgener. «Die verschiedenen Player arbeiten gut zusammen.» Wichtig ist ihr, dass der Prozess im Fricktal so ausgestaltet wird, dass er beide Bezirke berücksichtigt.

Zu tun gibt es im und für das Fricktal in den nächsten Jahren also noch reichlich. Damit es gelingt, damit das Fricktal vorwärtskommt, «müssen wir Fricktaler uns in Aarau noch stärker für das Fricktal einsetzen», sagt Kaufmann.

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Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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