Kaiseraugst

Verursacherprinzip beim Grüngut sorgt für Zündstoff

Gemeinderätin Françoise Moser trat für die kostenpflichtige Grüngutentsorgung ein, wwl

Gemeinderätin Françoise Moser trat für die kostenpflichtige Grüngutentsorgung ein, wwl

Der Gemeinderat Kaiseraugst tritt für eine kostenpflichtige Grüngutentsorgung ein. Wie eine Informationsveranstaltung zeigte, steht ihm noch harte Überzeugungsarbeit bevor. Am 28. November fällt der Entscheid an der Gemeindeversammlung.

Der Gemeinderat Kaiseraugst, vertreten durch Präsidentin Sibylle Lüthi und Françoise Moser, Leiterin Departement Umwelt und Entsorgung, hat die Bevölkerung über die geplante Einführung der kostenpflichtigen Grüngutentsorgung informiert. Das Interesse war gross, sodass sich am Montag im Violahofsaal gegen 30 der rund 150 anwesenden Personen mit Stehplätzen begnügen mussten.

Am Informationsanlass wurde im Rahmen von engagierten Diskussionen sehr bald klar, dass die Exekutive an der kommenden Gemeindeversammlung wird kämpfen müssen, will sie das brisante wie emotionale Geschäft durchbringen. Es wird in diesem Sinne ein hartes Match geben, welches vorgestern mit einem Remis endete.

Nutzung durch Auswärtige

Gemeindepräsidentin Sibylle Lüthi zeigte zu Beginn ihrer Ausführungen, warum der Gemeinderat letztlich einen Systemwechsel bei der Grüngutentsorgung will. «Die heutige Praxis widerspricht der Umweltschutzgesetzgebung, welche das Verursacherprinzip kennt. Wir sind neben Wallbach die zweitletzte Gemeinde der Region, welche sich nicht an dieses Regelwerk hält», sagte Lüthi, welche auch betonte, dass Fairness gegenüber Wohnungsmietern und Wohnungsbesitzern angesagt sei.

«Der jahrzehntelange Einsatz der Grünmulden trägt dem nicht Rechnung», kommentierte die Präsidentin weiter. Die Kosten der Mulde hätten sich seit 2004 von 60000 auf heute 200000 Franken erhöht. Es sind aber weiss Gott nicht nur die Gesetzgebung und die Kosten, die den Gemeinderat bewogen haben, dem Souverän zu beantragen, das kommunale Abfallreglement zu ändern. Sibylle Lüthi sagte auch, dass das Grüngutmaterial vielfach stark verunreinigt und deshalb nicht brauchbar sei.

«Unsere offenen Mulden fördern auch die zunehmende Fremdnutzung durch Auswärtige» und, so Lüthi weiter, «könnten wir mit einem Systemwechsel die laufende Rechnung um rund 200000 Franken entlasten, was rund zwei Steuerprozente ausmacht.»

«Werden dann die Steuern gesenkt», war die (erwartete) Frage aus dem Plenum. Sibylle Lüthi verneinte die sofortige Umsetzung. «Wir würden uns das Ganze aber nach der geplanten Einführung am 1. April 2013 genau ansehen», versprach die CVP-Frau. Zum Einsatz käme in Kaiseraugst das Modell des Gemeindeverbandes Abfallbewirtschaftung unteres Fricktal (GAF), welches bereits dreizehn Kommunen erfolgreich anwenden.

Gemeinderätin Françoise Moser kämpfte mit Herzblut für die neue GAF-Lösung. Diese habe viele Vorteile. «Für die Benutzer ist ein Grüngutcontainer ein idealer Helfer im Garten, dessen Inhalt wöchentlich vor der Haustüre geleert wird. Die Abrechnung wird transparent und verursachergerecht sein», versprach Moser und ergänzte, dass die Einwohnergemeinde dadurch künftig keinen administrativen Aufwand mehr haben würde. Das Handling würde durch den Gemeindeverband gemacht.

Einführungsangebot

Am Montagabend haben sich viele Hausbesitzer und Mieter zu Wort gemeldet. Sie alle argumentierten immer sachlich und zeigten auf, dass es letztlich keine richtigen oder falschen Lösungen gibt. «Jede Entsorgungsform hat ihre Vor- und Nachteile. Diese müssen Sie für sich sorgfältig abwägen», schloss Françoise Moser am Ende des Tages.

Sie machte zudem das Angebot, dass die Gemeinde eine «Einführungsaktion Grüngutcontainer» lancieren würde. Der 240-Liter-Container würde beispielsweise bis Ende März 2013 zu 50 anstatt 90 Franken abgegeben werden. Aufgrund einer Kostenschätzung würde die Umstellung per 1. April 2013 gegen 70000 Franken kosten.

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