Brockenhäuser

Während Corona wurde ausgemistet: Fricktaler Brockenhäuser haben nach Lockdown volle Lager

Thomas Steffen nutzt bei seiner «Brocki» in Hornussen auch den Vorplatz als Verkaufsfläche.

Thomas Steffen nutzt bei seiner «Brocki» in Hornussen auch den Vorplatz als Verkaufsfläche.

Viele Menschen haben den Coronalockdown zum Aufräumen genutzt – das spüren nun auch die Fricktaler Brockenhäuser. Die Lager platzen so stark aus allen Nähten, dass viele Brockis nicht mehr alle angebotenen Waren annehmen können.

«Es muss in eine Bananenschachtel passen», sagt Thomas Steffen mit einem Lachen. Es ist seine Antwort auf die Frage, welche Ware er in seiner Brockenstube Tholi-Brocki in Hornussen denn aktuell noch annehmen kann. Alles, was grösser sei – etwa Schränke, Tische, Betten oder andere Möbel – müsse er zuerst genau begutachten, bevor er zusagen könne. «Mein Lager ist voll», sagt Steffen entschuldigend.

Gleich tönt es auch andernorts. Die Brockenstuben in der Region spüren die Folgen des Lockdown. «Viele Leute hatten Zeit, daheim aufzuräumen und Dinge auszusortieren», sagt Steffen. Diesen Eindruck bestätigt Ruth Nondjock, Leiterin des Brockenhauses Brockoli in Frick. Auch sie hat deshalb Massnahmen ergriffen.

Bei der Wiedereröffnung Mitte Mai veranstaltete sie einen zweiwöchigen Ausverkauf, um Platz zu schaffen. Und: Auch sie verhängte einen vorübergehenden Annahmestopp mit nur vereinzelten Ausnahmen. «Der Gedanke, dass ich Leute mit schönen Waren abweisen muss, macht weh. Aber unsere Lagerfläche ist beschränkt», sagt Nondjock. Sie hofft, dass sie den Warenstopp in einigen Tagen aufheben kann.

Aussergewöhnlich ist die Art und Qualität

Vorerst keinen Verkauf, sondern nur eine Warenannahme bietet dagegen die Brockenstube «Uf Schalle» des gemeinnützigen Frauenvereins in Möhlin. Bis nach den Sommerferien bleibt sie geschlossen. Kleinere Gegenstände, Kleidung und Bücher aber werden an festgelegten Daten entgegengenommen.

«Wir rechnen damit, dass die Nachfrage in den kommenden Tagen rund um den Zügeltermin Ende Juni weiter steigt», sagt Ulli Mühlebach. Auch sie plant für die Wiedereröffnung im August einen Ausverkauf, beispielsweise bei der Kleidung. «Das Ziel ist es, dass wir möglichst wenig Sommerkleidung für den Winter einlagern müssen», erklärt sie.

Aussergewöhnlich ist in diesen Wochen nach dem Lockdown aber nicht nur die Menge an abgegebener Ware, sondern auch deren Art und Qualität. «Wir merken, dass die Leute bewusst aufgeräumt haben. Es werden etwa auch Gegenstände zu uns gebracht, bei denen die Besitzer etwas länger brauchten, um sich davon zu trennen. Diese Zeit hatten sie nun», sagt Mühlebach. Es sind oft Gegenstände, die für die Besitzer von emotionalem Wert sind. «Viele erzählen uns bei der Abgabe auch die Geschichte dazu», sagt Mühlebach. Entsprechend seien die abgegebenen Waren auch in einem «tollen Zustand», wie Nondjock sagt.

Die Menschen kommen gern wieder in die «Brocki»

Das wiederum freut die Kundinnen und Kunden. Und die gehen seit Ende des Lockdown scheinbar nur zu gern wieder in die Brockenhäuser. «Ich hatte anfangs etwas Angst, dass die Leute aus Vorsicht nur langsam zurückkehren», sagt Nondjock. Aber: «Ich habe mich getäuscht. Es ist wirklich gut angelaufen.»

Das bestätigt Thomas Steffen in Hornussen. Er spricht sogar von einem «super Start» und fügt an: «Ich merke den Menschen an, wie froh sie sind, dass sie sich wieder frei bewegen und etwas unternehmen können. Sie kommen gern ins Brockenhaus – und die wenigsten kaufen dann nichts.»

Autor

Nadine Böni

Nadine Böni

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