Krematorium

Warum ein verstorbener Deutscher für seine letzte Ruhe noch einmal über die Grenze reiste

Bestattungen im eigenen Garten sind in Deutschland verboten. Symbolbild/Ulrich Fricker

Bestattungen im eigenen Garten sind in Deutschland verboten. Symbolbild/Ulrich Fricker

In Deutschland ist die Beisetzung einer kremierten Leiche im eigenen Garten verboten. Damit ein Angehöriger den Verstorben trotzdem dort bestatten konnte, suchte er ein Schweizer Krematorium auf.

Ruhe sanft, aber warum nicht unter dem Lieblingsbaum im eigenen Garten? Was in Deutschland fast überall untersagt ist, funktioniert in der Schweiz. Sie kennt keine gesetzliche Pflicht zur Beisetzung, den Friedhofszwang. In Baden-Württemberg müssen Verstorbene ihre letzte Ruhe in Gräbern auf als Friedhof ausgewiesenen Flächen finden. Aber es gibt Grauzonen.

Für Hans J., der am Hochrhein, nicht weit entfernt vom Fricktal lebte, war sein Garten der Himmel auf Erden. Nachdem er gestorben war, suchten seine Angehörigen nach einer Möglichkeit, die Überreste nach der Einäscherung nicht auf einem Friedhof, sondern unter einem Baum im Garten beizusetzen. «Uns war bewusst, dass wir damit gegen das Gesetz verstossen», so ein Angehöriger. Das Bestattungsgesetz des Landes Baden-Württemberg schreibt vor, dass «die Asche eines Verstorbenen nur auf Bestattungsplätzen beigesetzt werden darf».

Ein Verstoss ist schwierig, weil den Angehörigen die Asche des Verstorbenen nicht ausgehändigt werden darf. Mit einem Trick fand der verstorbene Hobbygärtner seine letzte Ruhestätte doch im heimischen Garten. «Natürlich haben wir damit eine Ordnungswidrigkeit begangen», ist sich der Angehörige bewusst. Wird in Deutschland gegen das Bestattungsgesetz verstossen und wird es bekannt, wird die Gesetzesüberschreitung geahndet. Die Überreste könnten exhumiert und auf Kosten der Hinterbliebenen auf einem Friedhof bestattet werden.

Zweite Leichenschau verlangt

Die Beisetzung von Hans J. erfolgte zunächst wie bei jedem Todesfall: Die Angehörigen mussten die Leichenschau durch einen Arzt unverzüglich veranlassen, danach wurde ein Bestatter bestellt. Dieser beantragte die Sterbeurkunde und übernahm die Überführung des Leichnams in ein Krematorium nach Liestal. Die deutschen Behörden wollten nur die Bestätigung, dass der Leichnam ausgeführt wird. Für diesen Fall schreibt das Bestattungsgesetz eine zweite Leichenschau vor. Der deutsche Bestatter hatte dem Krematorium zu bestätigen, dass die Asche nicht in der Schweiz bleibt – «da reicht eine Unterschrift», so der Angehörige. Danach kam die Urne mit der Asche zurück zu seiner Familie. «Es ist ganz simpel», sagt der Angehörige. Ist ein Leichnam ins Ausland überführt, hat sich die Angelegenheit für den deutschen Staat erledigt.

In der Regel kontrolliert niemand, ob, wo und wie ein Leichnam beigesetzt wird. Diesen Umstand begründet Uwe Böhler von der Ortspolizeibehörde der Stadt Waldshut-Tiengen so: «Wir haben keinen lückenlosen Zugriff auf den Verstorbenen oder die Verstorbene und das soll und muss laut Gesetz auch nicht so sein. Auch endet unsere Zuständigkeit an der Grenze. Wird eine Leiche ins Ausland überführt, kann mit dieser nach der dortigen Gesetzgebung umgegangen werden.» Wird der Verstorbene wieder nach Deutschland überführt, greift die Bestattungspflicht auf einem Friedhof.

Dass eine Urne mit den Überresten im privaten Bereich die letzte Ruhe findet, ist theoretisch nicht möglich, weil die Krematorien die Asche nur wieder herausgeben dürfen, wenn gewährleistet ist, dass diese am vorgesehenen Ort beigesetzt wird. Meist wird die Urne an das Bestattungsunternehmen übergeben, das mit der Bestattung beauftragt wurde. Die Urne muss unverzüglich zum Bestattungsplatz und einer dort zur Entgegennahme befugten Person übergeben werden. Nur in einem begründeten Ausnahmefall kann die Urne an die Hinterbliebenen, gegen Vorlage einer amtlichen Bewilligung, herausgegeben werden.

Einfach nur durchfahren

Aber was ist mit dem Zoll? «Sie können einfach nur durchfahren», erklärt Mark Eferl, Pressesprecher am Hauptzollamt in Singen, «da gibt es nichts zu beachten». Für die Ausfuhr eines Leichnams in die Schweiz gibt es keine Formalitäten. Gewahrt werden muss nur die Art der Beförderung. Die reglementiert das baden-württembergische Bestattungsgesetz so: «Verstorbene dürfen im Strassenverkehr nur mit Bestattungsfahrzeugen befördert werden. Die zuständige Behörde kann zulassen, dass andere Fahrzeuge benutzt werden, wenn eine würdige Beförderung gesichert ist und gesundheitliche Gefahren nicht zu befürchten sind.»

Dazu Uwe Böhler: «In unserem Zuständigkeitsbereich wird der Leichenpass nach Prüfung der Todesbescheinigung durch das Standesamt ausgestellt. In dem Leichenpass steht unter anderem, dass die Leichenbeförderung ordnungsgemäss genehmigt ist und alle Staaten, auf deren Hoheitsgebiet die Beförderung stattfinden soll, den Transport frei und ungehindert passieren lassen sollen. Für die Einhaltung der Bestimmungen auf unterster Instanz sind die jeweiligen Ortspolizeibehörden der Gemeinden und die Gesundheitsämter der jeweiligen unteren Verwaltungsbehörden zuständig.»

Meistgesehen

Artboard 1