Laufenburg

Wegen Plastik im Grüngut: Dieser Mann muss Sisyphusarbeit leisten

Ärgert sich über Kunststoff im Grüngut: Martin Leuenberger, Vergärfachmann bei der Laufenburger Leureko AG.

Ärgert sich über Kunststoff im Grüngut: Martin Leuenberger, Vergärfachmann bei der Laufenburger Leureko AG.

Der Laufenburger Vergärfachmann Martin Leuenberger muss jährlich 25 Tonnen Fremdstoffe aus Biomüll fischen.

Für Martin Leuenberger sind Fremdstoffe im Grüngut ein Graus. Mit der Leureko AG mit Sitz in Laufenburg betreibt der Kompost- und Vergärfachmann vier Kompostieranlagen sowie eine Vergärungsanlage. Dort macht Leuenberger aus Speiseresten und Grünschnitt hochwertigen Kompost, der beim Bauer auf dem Feld landet. «Wir müssen etwa vier Stunden pro Tag aufbringen, um die ganzen Fremdstoffe aus dem Grüngut mit der Hand herauszufischen», sagt er. «Das ist eine Sisyphusarbeit.»

Der Extraaufwand ist nötig, weil gemäss Verordnung ein Kilogramm trockener Kompost nicht mehr als ein Gramm an Kunststoffrückständen enthalten darf. «Welcher Bauer will schon Plastik auf seine Felder kippen, auf denen sein Gemüse wächst», so Leuenberger. Alleine zur Leureko-Vergärugsanlage nach Pratteln werden jährlich 25'000 Tonnen an Grüngut angeliefert. Davon sei etwa ein Prozent – also 25 Tonnen –Fremdmaterial.

Ein Teil dieses Fremdmaterials stammt etwa aus den öffentlichen, kostenlosen Grüncontainern, die von Personen missbraucht werden, indem sie in diese ihren nicht kompostierbaren Hauskehricht entsorgen, um Kosten zu sparen, sagt Leuenberger. Problematisch seien hier besonders die öffentlichen Grüngutcontainer der Gemeinde Kaiseraugst. «In diesen findet man auch teilweise schon mal ganze Müllsäcke», so Leuenberger. Man überlege sich deshalb, ob man die Container aufgrund des Sortierungsaufwands überhaupt noch annehmen soll.

Kleine Kleber sind ein grosses Problem

Was viele nicht wüssten und ein grosses Problem darstelle, seien die kleinen Kleber, die sich auf Orangen, Bananen und weiteren Früchten befinden. Landen diese mit dem vergammelten Obst in der Anlage, so können diese Kleber auch nicht mehr durch das Gebläse vom Grüngut entfernt werden. Hier nimmt Leuenberger den Einzelhandel in die Verantwortung. «Es gibt Kleber, die biologisch abbaubar sind, vom Einzelhandel jedoch nicht verwendet werden, weil sie teurer als die konventionellen sind», sagt er.

Gleiches gelte für die Verpackungen und Folien, in denen nicht verzehrtes Obst und Gemüse in der Biotonne landet. Hier nimmt Leuenberger auch die Privatpersonen in die Pflicht. «Es wäre ja kein grosser Aufwand, die Verpackungen vom Obst und Gemüse zu entfernen, bevor man dieses in die grüne Tonne wirft», so Leuenberger.

Hier landet der Inhalt von 4800 Grüntonnen

In der Vergärungsanlage von Leuenberger landet auch der Inhalt der 4800 grünen Tonnen, die der Gemeindeverband Abfallbewirtschaftung unteres Fricktal (GAF) in den angeschlossenen 16 Gemeinden einsammelt. Ein grosses Problem stellen Plastiksäcke dar, in denen Essensreste gesammelt werden, bevor sie in der grünen Tonne landen, sagt Martina Weiss, Leiterin Finanzen beim GAF. «Um dies so gut wie möglich einzudämmen, verteilen wir einmal pro Jahr kostenlos eine Rolle mit kompostierbaren Säcken an die Haushalte», sagt sie.

Bei der Grüngutabfuhr führe der Lader auf dem Wagen Stichproben durch, sagt Weiss. «Container, in denen sich Fremdmaterial befindet, lassen wir stehen und versehen ihn mit einem Informationskleber, auf dem steht, wieso wir den Container nicht mitgenommen haben.» Des Öfteren müsse man einen Container stehen lassen, weil sich zu viele Steine in diesem befinden. Dies sei eine Problematik, mit der man besonders über die nächsten Wochen konfrontiert werde, wenn die Leute im Frühling beginnen, ihren Rasen zu vertikutieren.

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Autor

Dennis Kalt

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