Coronakrise

Weil es günstiger ist: Fricktaler Alterszentren bestellen Schutzmasken beim Bäcker

Alterszentren und Spitäler sind auf Schutzmasken angewiesen.

Alterszentren und Spitäler sind auf Schutzmasken angewiesen.

Ein Lieferant verkauft Schutzmasken je nach Besteller unterschiedlich teuer. ­«Absolut ­unanständig», findet der Geschäftsführer der Alterszentren Andre Rotzetter – und schlägt dem Anbieter ein Schnippchen.

«Absolut unanständig, eine Ausnutzung der Notlage.» Die Wortwahl lässt keinen Zweifel, was Andre Rotzetter von der Praxis einer seiner Lieferanten für Medizinalprodukte während der Coronakrise hält. Nichts. Den Namen des Unternehmens will der Geschäftsführer des Vereins für Altersbetreuung im Oberen Fricktal (VAOF), der in Frick und Laufenburg je ein Alterszentrum betreibt, nicht nennen, da er – trotz der negativen Erfahrung – auch künftig mit der Firma zusammenarbeiten wird. «Sonst müssten wir das Personal neu schulen.» Jede Pflegelinie funktioniere leicht anders.

Was den CVP-Grossrat derart auf die Palme bringt, ist, dass der Lieferant die gleichen Masken unterschiedlich teuer verkauft hat – je nachdem, wer sie bestellt hat.

Doch der Reihe nach. Im April teilte der Kanton den Spitälern und den Heimen per E-Mail mit, dass es zu einem Unterbruch in der Maskenversorgung kommen könnte, da nicht klar war, wann die Masken aus China in der Schweiz eintreffen.

Zu einem Unterbruch kam es zwar nicht, die Masken landeten rechtzeitig. «Wir mussten nach diesem E-Mail aber reagieren, denn ein Betrieb ohne Schutzmasken wäre unverantwortbar», sagt Rotzetter. Er schaute sich deshalb im Internet nach Schutzmasken um und fragte auch die beiden Lieferanten an, über die der VAOF seit vielen Jahren sein Pflegematerial bezieht. Die Recherche im Netz ergab, dass einfache Schutzmasken zwischen 90 Rappen und 1.50 Franken kosten. Zum Vergleich: In Nichtcoronazeiten zahlt der VAOF pro Maske 35 Rappen.

Mit dem Kauf via Bäcker 2000 Franken gespart

Die Nachfrage beiden eigenen Lieferanten zeigte, dass einer nicht liefern konnte, der andere 90 Rappen pro Maske verlangte. Über einen Kontakt in einem Zürcher Spital erfuhr Rotzetter, dass der gleiche Lieferant die gleichen Masken an die Bäckerorganisation für 70 Rappen pro Stück liefert. «Ich traute meinen Ohren nicht», sagt Rotzetter.

Rotzetter nahm Abklärungen vor – und die unterschiedlichen Preise für das identische Produkt bestätigten sich. «Das ist für mich ein krasser Missbrauch der Notsituation im Pflegebereich», ärgert er sich. «Es ist im höchsten Grad unanständig.» An seiner Sicht würde auch nichts ändern, wenn die Bäcker beispielsweise aufgrund der Bestellmenge einen Sonderrabatt aushandeln konnten. «Jeder weiss, dass Spitäler und Heime wegen Covid-19 extrem gefordert waren. Da kann man ihnen nicht noch finanzielle Steine in den Weg legen.»

Etwas gegen diese Preispolitik machen kann Rotzetter nicht, das ist ihm bewusst. Aber dem Lieferanten ein Schnippchen schlagen, das ging durchaus. Der VAOF kontaktierte die Bäckerei Kunz im selben Dorf und fragte an, ob diese für die beiden Alterszentren 10'000 Masken über die Bäckerorganisation bestellen würde. Dieser Bestand reicht dem VAOF für fünf Wochen. Die Bäckerei Kunz tat es gerne. «So kamen wir 2000 Franken günstiger zu den Masken», sagt Rotzetter, lacht. «Und für einmal bekamen wir vom Bäcker eine Rechnung für Masken und nicht für Brot.»

Ein Einzelfall ist der VAOF nicht. Rotzetter weiss von anderen Gesundheitseinrichtungen, die ihre Masken ebenfalls über handwerkliche Berufsorganisationen bestellt haben, weil sie so günstiger fuhren. «Das kann es wirklich nicht sein», findet er.

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

Meistgesehen

Artboard 1