Weinanbau
«Bei uns sieht es gar nicht gut aus»: Nasser Juli führt zu Ernteausfällen von bis zu 60 Prozent

Der Druck des falschen Mehltaus ist dieses Jahr durch die feuchte Witterung immens. Der ständige Regen hat das Pflanzenschutzmittel einfach weggespült. Nun hoffen die Fricktaler Winzer wie Rahel Buchmann aus Wittnau auf sonnige Wochen vor der Wümmet.

Dennis Kalt
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Rahel Buchmann, Inhaberin von Buchmann Weine in Wittnau, hoff auf eine sonnige Witterung bis zum Start der Wümmet.

Rahel Buchmann, Inhaberin von Buchmann Weine in Wittnau, hoff auf eine sonnige Witterung bis zum Start der Wümmet.

Dennis Kalt / Aargauer Zeitung

Es sind keine gute Ernteprognosen, die Yannick Wagner vom Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg ausstellt. «Wir rechnen mit deutlich weniger Ertrag als in einem Durchschnittsjahr», sagt der Fachspezialist für Weinbau. Grund hierfür seien nicht nur die Starkniederschläge, sondern auch der Hagel, was zu einem starken Druck des falschen Mehltaus führte. Dennoch: «Dank der guten Arbeit der Aargauer Winzer dürfen wir uns auf qualitativ hochwertige Trauben und einen guten Jahrgang 2021 freuen.»

Die massiven Niederschläge im Juli haben auch in den Fricktaler Rebbergen ihre Spuren an den Trauben hinterlassen. So sagt etwa Winzermeister Daniel Fürst vom gleichnamigen Weingut in den Hornusser Hängen:

«Wir hatten praktisch jede Nacht eine Luftfeuchtigkeit von 100 Prozent. Das ist für den falschen Mehltau eine super Mikroklima.»
Der falsche Mehltau hat die Reben in Mitleidenschaft gezogen.

Der falsche Mehltau hat die Reben in Mitleidenschaft gezogen.

Dennis Kalt / Aargauer Zeitung

Dieser weisse Pilz habe die Traubenbeeren auf dem Weingut punktuell zu 50 Prozent befallen. Insgesamt rechnet Fürst mit einem Ertragsausfall von zehn Prozent. Problematisch war, dass das Pflanzenschutzmittel auf den Beeren kaum seine Wirkung entfalten könnte. Kaum aufgespritzt, spülte es den Regen auch schon wieder weg. «Für gewöhnlich braucht es sechs, sieben Spritzungen. Heuer waren es elf», sagt er.

Riesling-Silvaner hat am meisteng gelitten

Im Gegensatz zu den anderen Weinbauern hält sich der Ertragsausfall von Fürst in Grenzen. Gerhard Wunderlin, Winzermeister aus Zeiningen, etwa schätzt seinen Ernteausfall auf rund 30 Prozent. «Wegen des tiefen Bodens konnten wir nicht mehr ausfahren, um die Pflanzen zu behandeln», sagt er. Am Schlimmsten durch die massive Feuchtigkeit gelitten habe der Riesling-Silvaner. Michael Rey, Geschäftsführer vom Weinbaubetrieb Fehr & Engeli in Ueken, schätzt den Ausfall gar auf zwischen 40 und 45 Prozent

Zum ersten Mal rein biologisches Pflanzenschutzmittel auf ihrem Rebberg in Wittnau verwendet, hat Familie Buchmann. Für diese Umstellung, so sagt Weingut-Inhaberin Rahel Buchmann, sei es ein schwieriges Jahr gewesen. Denn während der chemische Pflanzenschutz auch in die Pflanze einziehe und sich über den Saftstrom verteile, wirke der biologische nur durch den Kontakt mit dem Blatt. Aber: «Die nasse Saison hat dafür gesorgt, dass es den Schutzbelag ständig aufgelöst und abgewaschen hat.» Zudem habe das Spitzmobil eine technische Panne gehabt. Sie schiebt denn auch nach:

«Bei uns sieht es gar nicht gut aus.»

Der Boden ist das wichtigste Gut

Buchmann schätzt den Ertragsausfall auf zwischen 50 und 60 Prozent. Aufgrund der nassen Witterung wieder auf chemisches Pflanzenschutzmittel zurückzugreifen, sei für sie aufgrund des Nachhaltigkeitsgedankens nicht infrage gekommen. «Wir arbeiten mit dem Boden. Die Erde ist unser wichtiges Gut, zu der wir Sorge tragen müssen. Mit chemischen Mitteln und künstlichem Dünger machen wir mehr kaputt, als dass wir langfristig gute Produkte hervorbringen würden», sagt sie. Dafür, und den positiven Beitrag für eine Welt, in der ihre Kinder später gut Leben können, nehme sie einen Ausfall in Kauf.

Für die Winzer bedeutet der Ertragsausfall gleichzeitig auch ein Mehr an Aufwand. Denn die vom falschen Mehltau vertrockneten Beeren müsse man rausschneiden, damit sie später bei der Wümmet nicht im Lesegut landen. Daniel Fürst sagt:

«Das gibt Arbeit. Aber wenn wir das gemacht haben und die Witterung im Herbst normal ausfällt, gibt es einen guten Jahrgang.

Die Winzer gehen davon aus, dass der Start der Weinlese dieses Jahr auf gegen Ende September fällt. Bis dahin hoffen sie auf warme Temperaturen und viel Sonne, «damit das Laub ordentlich Zucker für die Trauben produziert», so Buchmann.

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