Nationalratswahlen 2019

Wer auf neue Flieger fliegt und wer nicht: Fricktaler GLP Kandidaten im Vergleich

Die AZ vergleicht die Spider-Profile der Fricktaler Kandidaten auf den Hauptlisten der grossen Parteien. Heute: die GLP.

Bei den Nationalratswahlen ist es zwar sekundär, in welchem Ort oder Bezirk ein Kandidat wohnt. Denn gewählt wird gesamtkantonal. Dennoch versuchen die Parteien bei der Zusammenstellung der Listen, sämtliche Regionen abzubilden. Das hat neben wahltaktisch-arithmetischen auch psychologische Gründe. Schliesslich will sich gerade im Kanton der Regionen jede Region auch vertreten wissen.

Auf den Hauptlisten der grossen Parteien findet sich denn auch je ein Vertreter aus dem oberen und aus dem unteren Fricktal; bei der CVP sind es sogar zwei aus dem Bezirk Rheinfelden. Eine Ausnahme bildet die GLP: Hier wohnen beide Kandidaten auf der Hauptliste nicht nur im gleichen Bezirk, sondern sogar in der gleichen Ortschaft: Rheinfelden.

Alles andere als identisch sind dagegen die Spider-Profile von Béa Bieber und Michael Derrer bei der Online-Wahlhilfe Vimentis. Nur bei 2 der 8 Achsen, der freien Wirtschaft und der restriktiven Finanzpolitik, ist das Netz ähnlich gewoben. Bei den anderen Bereichen sind die Differenzen zum Teil merklich. Bei der Ausländerpolitik ist Derrer deutlich restriktiver unterwegs als Bieber, die dafür den höheren Ausschlag beim Umweltschutz hat; hier ist sie nahezu am Maximum.

Aussenpolitisch ist Biebers Kurs etwas mehr auf Öffnung getrimmt als jener von Derrer, der seinerseits einen umfassenden Sozialstaat etwas mehr befürwortet als seine Parteikollegin. Eine liberale Gesellschaft ist beiden ein Anliegen, der Wert bei Bieber liegt allerdings etwas höher. Dies spiegelt sich auch auf der politischen Karte: Auf der Achse liberal-konservativ liegt sie weiter im liberalen Feld als Derrer. Sehr ähnlich ist ihre Position dagegen auf der Links-Rechts-Achse; beide liegen leicht links von der Mitte.

Vertieft man sich in die 73 Fragen, die Vimentis allen Kandidierenden stellt, so zeigt sich, dass Bieber und Derrer zehn Fragen konträr beantworten, also dass der eine (eher) Ja und der andere gleichzeitig (eher) Nein sagt. Dieser Wert ist bei anderen Parteien höher. Allerdings hat Bieber 18 Fragen, also fast jede vierte, mit neutral/weiss nicht beantwortet. Sie tauchen in der Konträr-Wertung deshalb nicht auf. Derrer hat bei fünf Fragen ein neutral/weiss nicht gesetzt.

Stimmrecht mit 16? Derrer sagt Nein, Bieber sagt eher Ja

Nicht einig sind sich Derrer und Bieber beim Stimmalter. Während Bieber sich eher für eine Senkung auf 16 ausspricht, ist Derrer klar dagegen. Umgekehrt verhält es sich bei der Frage, ob man Personen, die die Schweizer Sicherheit gefährden, auch dann ausschaffen können soll, wenn ihre Sicherheit im Ausschaffungsland nicht garantiert ist. Derrer, der nebenamtlich als Bezirksrichter tätig ist, ist dafür, Bieber dagegen.

In gegensätzliche Richtung fliegen die beiden auch bei der Frage, ob die Armee für acht Milliarden Franken Kampfjets und Fliegerabwehrraketen beschaffen soll. Derrer ist klar dagegen, Bieber eher dafür. Beim Themenkomplex Aussenpolitik und Integration von Ausländern, der 12 Fragen umfasst, sind die beiden GLPler bei zwei Fragen unterschiedlicher Meinung. Während Bieber eher dafür ist, dass die Schweiz mehr Flüchtlinge direkt aus den Krisengebieten aufnimmt, ist Derrer eher dagegen. Dafür will er staatliche Entwicklungshilfen eher an die Rücknahme von abgewiesenen Asylbewerbern koppeln, Bieber will dies eher nicht.

Derrer kann sich derweil zumindest vorstellen (eher ja), dass der Anreiz für Arbeitslose, eine Stelle zu finden, dadurch erhöht wird, dass die Höhe der Arbeitslosengelder bei längerer Bezugszeit reduziert wird. Davon hält Bieber weniger. Auch sieht sie es weniger, dass der Grundbedarf für den Lebensunterhalt der Sozialhilfe gesenkt wird; Derrer sagt hier klar Ja.

Uneinig sind sich die beiden auch bei der Frage, ob ab 2030 keine Neuwagen mit Verbrennungsmotoren mehr verkauft werden dürfen. Bieber fährt darauf ab, Derrer eher nicht. Unterschiedlich beurteilen die beiden zudem 3 der 12 Fragen zu Wirtschaftspolitik, Steuern und Finanzpolitik, so die Frage, ob das Ausgabenwachstum des Bundeshaushaltes maximal gleich hoch sein soll wie das Wirtschaftswachstum. Von Bieber kommt ein eher ja, von Derrer ein eher nein.

Summa summarum beantwortet Derrer 45 Fragen mit einem eindeutigen Ja oder Nein, also einem ++ oder --, Bieber deren 33. Bei der SP lag dieser Wert zwischen 58 und 65, bei der CVP zwischen 8 und 38.

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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