Frick
Wie Corona einen Foodtruck ausbremste und sich das sogar als positiv herausstellte

Take-away sichert das Überleben: Der Foodtruck "Herby" ist nicht wie geplant unterwegs aber die Kunden kommen mittlerweile zu ihm – und das alles wegen Corona.

Hans Christof Wagner
Drucken
Teilen
Andreas Saleschak und Monika Siegrist können in ihrem Foodtruck in Frick sogar ein ganzes Blech mit Linzertorte backen.

Andreas Saleschak und Monika Siegrist können in ihrem Foodtruck in Frick sogar ein ganzes Blech mit Linzertorte backen.

Hans Christof Wagner

«Wir feiern heute ein kleines Jubiläum», sagt Andreas Saleschak. «Heute vor genau einem Jahr ist Herby hier in die Halle gefahren». Herby ist sein mobiles Restaurant, ein Airstream-­Wohnwagen aus den USA, samt Zugmaschine 16 Meter lang und mit seinem Vintage-Look wie ein Relikt aus den 70er-Jahren anmutend. In Hamburg hat der 24-jährige gelernte Koch aus Oberhof das Vehikel umbauen lassen und es eigenhändig Anfang 2020 ins Fricktal chauffiert.

Eigentlich sollte ein Foodtruck ja auf Achse sein, aus diesem Grund hat er Räder. Das war auch Saleschaks ursprünglicher Plan, als er Mitte März 2020 mit Herby an den Start ging. Doch wenn das erste eigene Unternehmen zeitgleich mit Corona beginnt, mittendrin im ersten Lockdown, kommt eben so manches anders als geplant. So wurde aus der Halle im Gebäudekomplex Stieracker 20 in Frick nicht Herbys Parkgarage zwischen seinen Trips, sondern mehr oder weniger Dauerdomizil. Statt mobil zu sein, steht der Truck die meiste Zeit dort.

Zwar war er im Sommer das eine oder andere Mal tatsächlich unterwegs. Die Idee war, zu Firmen und Unternehmen zu fahren und die jeweiligen Mitarbeiter vor Ort zu verköstigen. Doch weil viele davon, coronabedingt, gar nicht am Arbeitsplatz waren, lohnte sich der Aufwand weniger als erhofft. Schon bald war klar: In Frick stehenzubleiben, rentiert mehr. Saleschak: «Frick ist eben doch mehr Wohn- als Arbeitsort.» So seien die Fricker, die auswärts arbeiten, trotz Kurzarbeit und Homeoffice vielfach zuhause, hätten am Mittag Hunger, aber oft keine Lust, selbst zu kochen.

60 bis 80 Kunden im ­Mittagsgeschäft

Wenn Herby nicht zu den Gästen fährt, müssen die Gäste eben zu ihm. Und das tun sie inzwischen, trotz der eher versteckten Lage in einem Fricker Wohnquartier. «Mit dem Take-away-Geschäft können wir uns über Wasser halten. Wir haben jeden Mittag zwischen 60 und 80 Kunden», berichtet Saleschak. «Wir sind zufrieden», sagt er. Und mit wir meint er sich und Geschäftspartnerin Monika Siegrist. Zufrieden – auch wenn die Selbstständigkeit einen 12-­Stunden-Tag mit sich bringt.

Zu den Gästen der beiden gehört auch Carole Märke aus Hornussen, die gleich fünf Portionen Walliser Hacksteak mit Reis und Blattspinat und, als Vegi-­Variante, Bratkartoffeln mit Blattspinat und Spiegelei ordert. «Persönlich und freundlich» findet die Schülerin die Atmosphäre am Foodtruck und «schön angerichtet» die Teller. Achim von Montigny aus Frick ist auch Kunde und kommt fast jeden Mittag. «Ich und meine Frau sind seit fast einem Jahr im Homeoffice. Da nutzen wir den Service sehr gerne.»

Im Team mit der früheren Ausbilderin

Saleschak und Siegrist sind ein eingespieltes Team. Während er hauptsächlich die Bestellungen entgegennimmt, ist ihr Metier das Kochen. Eingespielt sind sie, weil sie sich schon lange kennen. Als er im Restaurant Post in Bözen lernte, war sie seine Ausbilderin. Als sich Saleschak dann mit Herby selbstständig machte, wechselte sie mit ihm in den Truck. Beide hoffen, dass die mit Corona weggebrochenen Caterings-Events bald wieder möglich sein werden. Und darauf, dass die Gäste, wie vor dem 21. Dezember, demnächst wieder in Herbys Dauerdomizil selbst essen können. Erste Anfragen fürs Catering von privaten Feiern kommen schon wieder rein. Saleschak nimmt sie unter Vorbehalt an.