Biografie
Wie die «Schlösslemadame» diese Fricktaler Stadt veränderte

Vor 100 Jahren verlieh Badisch Laufenburg Mary Codman das Ehrenbürgerrecht. Nun ist eine Biografie über die Wohltäterin erschienen.

Roswitha Frey
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Das Cover der Biografie zeigt Mary Codman mit Sonnenschirm und Hut im Park.

Das Cover der Biografie zeigt Mary Codman mit Sonnenschirm und Hut im Park.

Stadt Laufenburg

«In tiefer Dankbarkeit für die grossen Wohltaten, die Sie unserem Städtchen erwiesen haben», ernannte der Gemeinderat von Kleinlaufenburg Mary Codman 1921 zur Ehrenbürgerin. Vor 100 Jahren erhielt die verehrte «Schlösslemadame» diese höchste Auszeichnung der Stadt. Wie es zu dieser hohen Ehrung gekommen war und wie Madame Codman darauf reagierte, ist in der Biografie «Madame kam aus Amerika» von Petra Gabriel nachzulesen.

Viel Persönliches ist in diesem von der Stadt herausgegebenen Buch über die vermögende Wohltäterin zu erfahren, die 1894 mit ihrem ersten Ehemann Arthur Amory Codman die Villa hoch über dem Rhein in Laufenburg gekauft und dann 35 Jahre lang im «Schlössle» gelebt hat. Mary Codman wird als beeindruckende Erscheinung beschrieben: 1,76 Meter gross, sehr schlank, mit aufrechter Haltung.

Wie Petra Gabriel schreibt, war Mary Codman eine Frühaufsteherin und liess sich um 6 Uhr von ihrer Gesellschafterin Anna Meder das Frühstück in den dritten Stock bringen: üblicherweise Tee und Toast mit Butter und Marmelade, Letztere aus Paris geliefert.

Mit dem Automobil über die Laufenburger Rheinbrücke

Bis ins hohe Alter war die Amerikanerin oft auf Reisen, besuchte ihre Heimat, fuhr nach Frankreich oder zur Kur in die französische Schweiz, wobei sie meist ihre Gesellschafterin an der Seite hatte. Dem technischen Fortschritt gegenüber zeigte sich Mary Codman aufgeschlossen. Sie liess das «Schlössle» früh elektrifizieren und schaffte sich ein Automobil an, mit dem sie 1912 über die neue Laufen­burger Rheinbrücke fuhr.

Ausführlich beschrieben wird in der Biografie eine Sternstunde im gesellschaftlichen Leben der «Schlösslemadame»: der Besuch der Grossherzogin Luise von Baden im September 1901 in Laufenburg. Der ganze Ort war auf den Beinen, als die sozial engagierte Landesfürstin in ihrer offenen Kutsche in das Städtchen einzog.

Katholische Kirche erhielt Zuwendungen

Ein wichtiges Kapitel in der Biografie gilt der Wohltäterin Mary Codman. Sie erwarb die einstige Wirtschaft «Zum Rheinfall». Dieses Gebäude, das den Namen Haus Mariagrün erhielt, liess sie umbauen und darin eine Kleinkinderschule einrichten. Die kinderliebe Mäzenin lud die Kinder zu Weihnachten ins «Schlössle» ein, wo sie Kuchen, Schokolade und Präsente erhielten. Mary Codman stiftete ausserdem alljährlich warme Wintermäntel für die Kinder der Kinderschule.

Auch die katholische Kirche erhielt über die Jahre Zuwendungen, darunter etwa Spenden für eine Monstranz und Messgewänder.

Sie kaufte waggonweise Kohle und verteilte sie

Der Stadt schenkte sie das Haus Mariagrün, einen Pavillon, den Bronzeadler auf dem Kriegerfelsen und vieles mehr. Nach dem Ersten Weltkrieg kaufte sie waggonweise Kohlen und liess diese verteilen. Auch Vereine wie die Stadtmusik, die sie mit dem Kauf von Noten und Instrumenten unterstützte, profitierten von ihrer Grosszügigkeit und Hilfsbereitschaft. Mit «der grössten Hochachtung» verlieh die Stadtgemeinde Madame Codman zu ihrem 82. Geburtstag im September 1921 das Ehrenbürgerrecht. «In tiefer Dankbarkeit für die grossen Wohl­taten, die Sie unserem Städtchen erwiesen haben», heisst es auf der Urkunde, in der die Verdienste der Geehrten «um unsere Gemeinde» hervorgehoben werden.

«Der schönste Ort, den ich gesehen habe»

«Rührend ist besonders Ihre Fürsorge für die hiesige Kleinkinderschule. Diese Anstalt, welche Sie aus eigenen Mitteln bauen liessen, ist die Krone Ihrer Wohltätigkeitsschöpfungen.» Gerührt über diese Auszeichnung bedankte sich Mary Codman in einem Schreiben für die «grosse Ehre» und machte dem Städtchen das grösste Kompliment: «Ich finde, es ist der schönste Ort, den ich in meinem Leben auf der ganzen Welt gesehen habe.»