Fricktal
«Zehn Schüler in Edelweiss-Hemden wären in Frick kein Problem»

Die Affäre um die Edelweiss-Hemden an einer Schule in Gossau ZH polarisiert. Im Fricktal geht man mit dem Thema eher pragmatisch und dialogorientiert vor. Nicht toleriert hingegen würden Kleidungsstücke mit extremistischen Symbolen.

Yvonne Zollinger
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Edelweiss-Hemd: (K)ein Problem?

Edelweiss-Hemd: (K)ein Problem?

Keystone

Eine «Überreaktion» und «ein Sturm im Wasserglas» nennen die Schulleitungen in Frick, Rheinfelden und Möhlin den Rummel um die Edelweiss-Hemden im zürcherischen Gossau.

Zehn Schüler waren dort mit ebendiesen im Unterricht erschienen, teils aus patriotischen Gefühlen, teils aus Jux. Prompt wurden sie mit dem Vorwurf rassistischer Gesinnung von der Lehrkraft nach Hause geschickt, was viel Entrüstung und einiges Mediengetöse auslöste.

Inzwischen sind die Wogen wieder geglättet. Wo liegt die Toleranzgrenze in Sachen Bekleidung an den Fricktaler Schulen?

Keine extremistischen Symbole

In Frick sieht man die Sache eher pragmatisch. «Ich kenne die Vorgeschichte des Falles nicht genau. Aber zehn Schüler in Edelweiss-Hemden wären in Frick kein Problem», sagt Lothar Kühne, Schulleiter an der Volksschule in Frick. Problematisch wird es für ihn, «wenn ein Schüler Kleidung trägt, die darauf abzielt, jemanden zu diskriminieren oder anderweitig nieder zu machen. Dann würden wir einschreiten.»

Für ihn ist klar: Sprüche mit Inhalten zu Gewalt und Extremismus haben nichts auf der Bekleidung verloren. «Was ich ebenfalls nicht akzeptieren würde, ist ein Militäroutfit», sagt Kühne. «Wir haben bereits genug Krieg auf der Welt.»

Ähnlich sieht es Beat Glünkin, Schulleiter der Bezirksschule Rheinfelden. Militärbekleidung, das geht auch für ihn überhaupt nicht. «Ich würde mein Kind nie in solchen Kleidern zur Schule gehen lassen», sagt er. Ebenso auf der Roten Liste stehen für ihn extremistische Symbole wie Hakenkreuze oder beleidigende Sprüche auf T-Shirts. In solchen Fällen würden wir das Kind nach Hause schicken, um sich umzuziehen», sagt Glünkin.

Null Toleranz kennt in dieser Hinsicht auch Bezirksschulleiter Philipp Iten in Möhlin. «In einem solchen Fall müsste der Schüler nicht nur nach Hause zum Umziehen, wir würden auch das Gespräch mit den Eltern suchen.»

Zur Zeit keine Probleme

«Dass der Fall in Gossau so eskalieren konnte, liegt wohl an der unüberlegten Reaktion der Lehrperson», meint Beat Glünkin. In Rheinfelden würden sich in einer solchen Situation die Schulleitungen untereinander absprechen und koordinieren. Diskussionen betreffend Bekleidung gab es vor einigen Jahren, als der Modetrend zu sehr knappe T-Shirts und tiefgeschnittene Hosenbünden ging. «Wir haben das Thema damals in den Klassen mit den Jugendlichen besprochen.» Sich der Situation angemessen zu kleiden, gehe ja über die Schulzeit hinaus, sagt Glünkin. Gerade bei Schülern, die vor den ersten Bewerbungsgesprächen stünden.

Auf den Dialog mit den Schülern setzt man auch in Möhlin. «Wenn eine Gruppe von Schülern mit dem Tragen von Edelweiss-Hemden eine nonverbale Botschaft verkündet, dann wären für uns nicht die Hemden das Thema, sondern die Botschaft», sagt Beat Iten. «Dann möchten wir von den Schülern wissen: Was wollt ihr uns sagen?»

Interventionen betreffend Kleidung sind im Moment an den Schulen im Fricktal kein Thema. Die Schulleiter stellen ihren Schülern in dieser Hinsicht ein gutes Zeugnis aus.