Aarburg war diesen Sommer schweizweit in aller Munde. Grund dafür war, dass der Kanton ankündigte, an der Lindengutstrasse rund 90 Asylsuchende unterzubringen und sich dagegen eine Protestbewegung bildete.

Diese veranstaltete Grill-Partys, um ihrem Unbehagen über das Vorgehen des Kantons Ausdruck zu verleihen. Unter dem Namen «Aarburg Solidarisch» erhebt sich nun eine Gegenstimme, die sich gestern erstmals an die Medien wandte. Rund 15 Personen sind dabei. Unterzeichnet haben das Communiqué Beat Ringger und Ewald Wullschleger.

Aarburg habe den prozentual höchsten Anteil an Ausländern aller Aargauer Gemeinden, schreibt «Aarburg Solidarisch» in ihrer Medienmitteilung. «Wir Aarburger können stolz darauf sein, dass wir täglich und mit Erfolg die nötige Verständigungsarbeit leisten, um das Zusammenleben vieler Menschen aus den unterschiedlichsten Kulturen zu ermöglichen».

Reiche Gemeinden drücken sich

Auf der anderen Seite sei es unverständlich, dass die Lasten für soziale Aufgaben im Aargau auf diejenigen Gemeinden abgewälzt würden, die günstigen Wohnraum aufweisen und Unterkünfte für Flüchtlinge bereit stellen würden. «Wir finden es beschämend, dass sich reiche Gemeinden vor diesen Aufgaben drücken, den Abbruch von günstigen Wohnungen fördern und Liegenschaftsbesitzer auffordern, keine Bezüger von Sozialhilfe zur Miete zu nehmen. Dadurch geraten ärmere Gemeinden finanziell in Bedrängnis.»

Augenschein bei den Asylbewerbern in Aarburg.

Augenschein bei den Asylbewerbern in Aarburg.

Für diese Probleme müssten rasch angemessene Lösungen gefunden werden. Eine Möglichkeit sieht «Aarburg Solidarisch» darin, einen kantonalen Ausgleichsfonds einzurichten, der zur Deckung der Kosten der Sozialhilfe und der Integration von Asylsuchenden dient. «Dieser Fonds würde von allen Gemeinden gemäss ihrer Steuerkraft mitfinanziert.»

Die Gruppe gelangt denn mit einem entsprechenden Schreiben an die Regierung und an die Parteien des Kantons Aargau. Sie erwartet Antworten bis Ende Februar und wird danach über ihre weiteren Aktivitäten entscheiden.

«Weltweit waren noch nie so viele Menschen auf der Flucht vor Krieg, Verfolgung, Elend und Tod. Die Flüchtlingsströme gelangen hauptsächlich in die Nachbarregionen von Konfliktgebieten. Wir anerkennen, dass die Schweiz vor Ort in den betroffenen Gebieten und Staaten mithilft, die Not zu lindern», schreibt «Aarburg Solidarisch».

Zusätzlich sei es eine Selbstverständlichkeit, dass die Schweiz Flüchtlinge aufnehme. «Wir begrüssen es deshalb, dass auch Aarburg ein namhaftes Kontingent Flüchtlinge beherbergt. Die einquartierten Flüchtlinge sollen spüren, dass wir ihre Not verstehen, dass wir ihnen beistehen.»