Gemeindefusion
«Menzburg» ist vom Tisch – aber nicht nur die Namensgebung gibt zu reden

Die Arbeitsgruppen, die die Fusion zwischen Menziken und Burg prüfen, stellen ihre Ergebnisse vor.

Cynthia Mira
Drucken
Die Informationsveranstaltung ist online aufgeschaltet. Sie wurde aufgezeichnet.

Die Informationsveranstaltung ist online aufgeschaltet. Sie wurde aufgezeichnet.

Cynthia Mira

Eines stand nach dem Informationsabend fest: Sollten Burg und Menziken fusionieren, darf die neue Gemeinde auf keinen Fall «Menzburg» heissen. «Dieser Name ähnelt Lenzburg viel zu sehr», sagte Madlen Baumgartner aus Burg. Sie stand einer der acht Arbeitsgruppen vor, die am Donnerstag in der Mehrzweckhalle in Menziken ihre Resultate nacheinander präsentierten. Fünfzig Einwohnerinnen und Einwohner hatten sich zwischen Mai und August 2021 regelmässig getroffen und sich diversen Themengebieten angenommen. Sie erarbeiteten einen Bericht zu den möglichen Fusionsauswirkungen. Der externe Projektleiter, Jean-Claude Kleiner, befand einleitend:

«Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen.»

Dieses Sprichwort passe zur Situation. Die mögliche Fusion sei intensiv geprüft worden. Der Anlass zeige die Chancen und Risiken auf.

Wegfallender Honig und Wein als Risiko

Der ersten Arbeitsgruppe stand der Menziker Gemeindeschreiber Michael Schätti vor. Sein Team kümmerte sich um die Auswirkungen in der Verwaltung. «Die neue Gemeinde spart 80000 Franken, weil es weniger Behördenmitglieder braucht», sagte Schätti. Zudem würden diverse Doppelspurigkeiten wegfallen. «Anstatt zwei Budgets braucht es nur noch eins.» Er hob die Effizienzsteigerung hervor:

«Das Synergiepotenzial liegt insgesamt bei 130000 Franken.»

Als Risiko nannte er den Aufwand, um Reglemente zu überarbeiten und dass es Austritte geben könnte, weil sich Mitarbeitende mit der neuen Gemeinde nicht identifizieren könnten.

Michael Schätti, Gemeindeschreiber Menziken, stellte die Ergebnisse vor.

Michael Schätti, Gemeindeschreiber Menziken, stellte die Ergebnisse vor.

Cynthia Mira

In diesem Punkt stimmte auch die Arbeitsgruppe von Gemeinderat Alfred Merz überein. Er nannte einen Identitätsverlust, wenn die beiden Ortsbürgergemeinden fusionieren. Zudem sei es ein Risiko, dass das Geschenk der Ortsbürgergemeinde Burg, für die über 65-Jährigen wegfalle: ein Glas Honig oder eine Flasche Wein.

Menziker Vizeammann Andreas Mäder präsentierte indes die Resultate der Arbeitsgruppe, die sich der steigenden Einwohnerzahl annahm.

«Wir rechnen im 2030 mit 8300 Personen, die hier leben.»

Als Chancen nannte er die Belebung der Dorfgemeinschaft und die Impulse für das Gewerbe. Als Risiken nannte er die erschwerte Integration von Zuzügern, verstärkte Subkulturen sowie die Zunahme von Verkehr und Emissionen. Betreffend den Regelungen zu Abwasser und Wasserhaushalt ergriff Hanspeter Boller, Gemeinderat in Burg, das Wort. Er verglich die Tarife, die für Burg tiefer ausfallen würden. Zudem sagte er: «Wahrscheinlich arbeiten wir künftig mit der EWS Energie AG als regionalen Anbieter zusammen.»

12 Millionen Franken gibt es vom Kanton

Erich Bruderer, Ammann in Menziken, nannte zum Thema Finanzen, den Zustupf (12 Millionen Franken) vom Kanton, die den Gemeinden bei einer Fusion zufliessen. Und Gemeinderat Herbert Karli hob die positiven Aspekte für das Schulwesen hervor. Einen Stimmverlust riskiere die Fusion bei der Spitex sowie in der Aufsichtskommission des Regionalen Sozialdienstes, führte für die siebte Arbeitsgruppe Ursula Friederich, Gemeinderätin in Burg aus. Sie legte den Fokus auf die Jugend, das Alter, die Gesundheit und Soziales. «Mit dem Reinacher Onderwerch und dank Impuls Zusammenleben sind wir mit Angeboten für über 16-Jährigen gut aufgestellt», sagte sie. Aber:

«Wir müssen mehr Angebote für die unter 16-Jährigen schaffen.»

Zudem hätten die beiden Gemeinden keine richtige Alterspolitik. Die Fusion sei eine Chance, um eine aktive Jugend- und Alterspolitik einzuführen. «Mit einem offenen Geist, bringt die Fusion grosse Chancen», schloss Madlen Baumgartner die Vortragsreihe ab. Gegen den Wegfall von einzelnen kulturellen Anlässen müsse man aktiv vorgehen. Sie forderte bei einer Fusion eine Koordinationsstelle, um Anlässe und die Raumnutzung gemeinsam zu organisieren. «Wir kennen uns bestens und haben in der Vergangenheit gut zusammengearbeitet», sagte sie.

Aus dem Publikum gab es im Anschluss keine Fragen. Nun gilt es, den Fusionsvertrag im November zu erarbeiten. Eine erste Abstimmung folgt in den Gemeindeversammlungen im Frühling 2022. Wird dort zwei Mal Ja gesagt, erfolgt die Urnenabstimmung im Sommer 2022. Daraufhin braucht es die Genehmigung des Kantons. Der Start der fusionierten Gemeinde würde im Januar 2023 erfolgen. Die Informationsveranstaltung wurde aufgezeichnet. Sie ist auf der Webpage www.57365737.ch aufgeschaltet.

Aktuelle Nachrichten