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Aargauer Wirtschaft erholt sich erstaunlich rasch vom Coronaschock

Corona ist noch lange nicht vorbei. Trotzdem läuft es der Industrie und besonders dem Pharmacluster wieder gut. Das Bruttoinlandprodukt dürfte nach dem Minus von 2020 im laufenden Jahr im Aargau sogar um 4,5 Prozent wachsen.

Mathias Küng
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Die Pharmabranche brummt. Hier das Werk in Stein von Novartis.

Die Pharmabranche brummt. Hier das Werk in Stein von Novartis.

Nadine Böni

Nach dem coronabedingten Minus im Jahr 2020 von rund 2,1 Prozent beim aargauischen Bruttoinlandprodukt (BIP), rechnet der Kanton Aargau dieses Jahr mit einer Aufholjagd und einem stattlichen Plus von 3,5 Prozent. Der neuste Konjunkturbarometer der Aargauischen Kantonalbank (AKB) und von Aargau Services Standortförderung sieht die Entwicklung allerdings noch erfreulicher.

Sie schreiben im neusten Konjunkturbarometer: «Die anhaltend erfreuliche Entwicklung führt dazu, dass das gesamtschweizerische Wachstum gemessen am Bruttoinlandprodukt 2021 um rund 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigen wird. Im (export-)industrie- und pharmastarken Kanton Aargau dürfte der Wachstumszuwachs sogar bei rund 4,5 Prozent liegen.»

Marcel Koller, Chefökonom AKB.

Marcel Koller, Chefökonom AKB.

Alex Spichale

Unterschiede machen für den Aargau rund ein halbes Prozent aus

AKB-Chefökonom Marcel Koller begründet den stärkeren Anstieg im Aargau damit, dass die gut laufende Pharma- und Exportindustrie im Aargau überdurchschnittliche Bedeutung haben. Derweil sind der weiterhin nur schleppend auf Touren kommende Tourismus und die Eventbranche im Kanton unterrepräsentiert. «Diese Unterschiede machen rund ein halbes Prozent aus», sagt Koller.

AKB und Aargau Services Standortförderung beobachten zudem, dass die Baukonjunktur einen Gang höher schaltet. So seien im Aargau die Zahl der Baugesuche in den vergangenen zwei Monaten stark gestiegen.

Öffentliche Ausschreibungen nehmen massiv zu

Die robuste Konjunkturlage zeige sich ebenso bei öffentlichen Ausschreibungen, die neben Bauprojekten auch Projekte in anderen Sektoren wie Dienstleistungen betreffen. So lag die Zahl der Ausschreibungen im Aargau im Juli und August zehn Prozent über dem Vorjahr und sogar 30,5 Prozent über dem Jahr 2019. Hingegen seien nun die Industrieunternehmen etwas gemächlicher unterwegs.

Teuerung wohl doch hartnäckiger

Ursprünglich erwartete Marcel Koller, dass die in den letzten Monaten anziehende Teuerung ein vorübergehendes Phänomen ist – ausgelöst durch wegen Corona durcheinandergeratene Lieferketten, und Firmen, die coronabedingt ihre Produktion herunterfuhren und jetzt massiv aufholen müssen, um den wieder anziehenden Bestellungen gerecht zu werden.

Mittlerweile glaubt Koller, dass die globalen Inflationsraten durchaus noch einige Monate auf höheren Niveaus verbleiben: «Dies gerade aufgrund der massiven Investitionen in die Infrastruktur in den USA. Diese Erneuerung wird Zeit brauchen.» Da bleibe auch die Nachfrage nach Rohstoffen und gewissen Produkten (etwa Elektronik) länger hoch, was zwar nicht auf breiter Front, aber punktuell kostentreibend wirke.

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