Gymnasium
Regierungsrat lehnt strengere Anforderungen für den prüfungsfreien Übertritt in die Kanti ab

Wer einen Notendurchschnitt von 4,7 hat, kann von der Bezirksschule prüfungsfrei ans Gymnasium wechseln. Das soll auch so bleiben, findet der Regierungsrat. Denn weniger Matruandinnen und Maturanden bedeute auch weniger dringend benötigte Fachkräfte.

Eva Berger
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Ohne Prüfung an die Kanti: Das geht, wer einen Notendurchschnitt von 4,7 hat.

Ohne Prüfung an die Kanti: Das geht, wer einen Notendurchschnitt von 4,7 hat.

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Im Juni 2016 wurde im Kanton Aargau die letzte ­Bezirksschul-Abschlussprüfung (BAP) geschrieben. Seither gibt es diese Hürde nicht mehr, für den Übertritt sind Erfahrungsnoten entscheidend. Wer nach der Bez ins Gymnasium will, braucht jetzt einen Notenschnitt von mindestens 4,7.

Die Abschaffung der BAP war umstritten und auch gut fünf Jahre später gibt es am «neuen» System Kritik. Per Motion wollen Maya Meier und Christoph Hagenbuch (beide SVP) den für den Übertritt erforderlichen Notenschnitt auf 4,9 anheben. Per Interpellation fragten die FDPler Titus Meier und Suzanne Marclay-Merz fast gleichzeitig nach den Auswirkungen des neuen Systems. Unter anderem wollen sie wissen, welche Massnahmen der Regierungsrat sieht, um die seit der Abschaffung der BAP bemängelte Vergleichbarkeit der Leistungen von Schulabgängern zu verbessern. Auch welche Vorteile er bei einer allfälligen Wiedereinführung der BAP sehen würde, fragen sie die Regierung.

Weniger Gymnasiastinnen, dafür mehr Lehrlinge

«Verschiedene Kenner der Aargauer Schullandschaft bestätigen, dass sich mit der Abschaffung der Bezirksschul-Abschlussprüfung und der Einführung des neuen 6/3-Systems das Niveau an der Bezirksschule leider merklich verschlechtert hat», halten Maya Meier und Christoph Hagenbuch in ihrer Motion fest. Das verstärke den Fachkräftemangel noch.

Mit höheren Anforderungen fürs Gymnasium und einer damit verbundenen, niedrigeren Übertrittsquote, würde zudem die Berufsbildung gestärkt, finden die Motionäre. Denn dann würden nicht alle mittelstarken und starken Schülerinnen und Schüler eine universitäre Laufbahn einschlagen, sondern eine Berufslehre machen.

Bedarf an studierten Fachkräften ist da

Mit Antwort vom 8. September lehnt der Regierungsrat die Motion ab. Zur Erhöhung der Bildungschancen und der Innovationsförderung, wie sie im Entwicklungsleitbild 2021–2030 festgelegt sind, gehörten nicht nur Berufslehren, sondern auch starke Gymnasien. Der Fachkräftemangel sei real, er betreffe aber insbesondere Fachkräfte mit Ausbildung auf Tertitärstufe, sprich Fachhochschule und Universität. Den Übertritt ins Gymnasium zu erschweren, wäre also nicht sinnvoll, findet der Regierungsrat. Zudem sei nicht davon auszugehen, dass alle Schülerinnen und Schüler, die ihn nicht schaffen, dann eine Berufslehre anpacken würden, «und wenn, dann wohl kaum eine Handwerkerlehre».

Chancengerechtigkeit besser als zuvor

Auch die Interpellation der beiden FDP-Mitglieder hat der Regierungsrat beantwortet. Mit den heutigen Leistungstests in der 3. und 5. Primarklasse sowie in der 2. und 3. Klasse der Oberstufe sei die Vergleichbarkeit der Leistungen noch nie so hoch gewesen wie heute, heisst es in der Antwort. Im Gegensatz zu diesen Checks war die BAP auf die Bezirksschule begrenzt. Insgesamt sieht der Regierungsrat keinen Bedarf für zusätzliche Massnahmen. Die Wiedereinführung einer gesonderten Prüfung für die Bezirksschülerinnen und -schüler wäre zudem für die Chancengerechtigkeit ein Rückschritt.

Zu grossen Verschiebungen bei den Übertritten ist es mit den veränderten Bedingungen gegenüber vorher sowieso nicht gekommen. Gemäss der Rektorenkonferenz der Aargauer Kantonsschulen habe sich die Leistungsschere der Schülerinnen und Schüler der verschiedenen Schulstandorte nicht vergrössert. Auch sei widerlegt, dass vermehrt Schülerinnen und Schüler die Probezeit am Gymnasium nicht bestehen.

Insgesamt mehr Übertritte

Was allerdings kontinuierlich ansteigt, ist die Zahl der Übertritte ans Gymnasium. Nach dem Schuljahr 2016/2017 wechselten noch 42 Prozent der Bez-Abgänger an die Kanti, im vergangenen Sommer waren es schon 48 Prozent. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Schulen sind dabei markant. Das sei aber mit regionalen geografischen und demografischen Unterschieden zu begründen und nicht mit dem Wegfallen der BAP, so die Regierung in ihrer Antwort.

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