Handball-Europacup
Ein Siegerfoto mehr auf der Liste: Der HSC Suhr Aarau rauscht weiter durch Europa

Gegen harmlose Slowenen aus Ormoz gelingt Suhr Aarau ein nie gefährdeter 29:27-Sieg. Die Qualifikation für den Achtelfinal des EHF European Cup ist der Lohn. Dabei konnte der HSC für einmal auch einen schwachen Abend seines Topskorers verkraften.

Frederic Härri
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Zog einen hervorragenden Abend ein: HSC-Torhüter Leonard Grazioli wehrte 43 Prozent aller Würfe ab.

Zog einen hervorragenden Abend ein: HSC-Torhüter Leonard Grazioli wehrte 43 Prozent aller Würfe ab.

Urs Lindt / freshfocus

Es gehört zu den festen Ritualen dieser Mannschaft. Wann immer der HSC Suhr Aarau gewinnt, stellen sich die Spieler – und manchmal auch die Trainer – für ein Foto in der Garderobe auf. Alle jubeln, und ganz vorne steht Kraftpaket Patrick Strebel mit freiem Oberkörper und streckt die Zunge heraus. Aus vielen Schweizer Hallen konnte der HSC bereits ein solches Bild mitnehmen. Nun ist erstmals eines aus Slowenien dazugekommen.

Das europäische Abenteuer für Suhr Aarau setzt sich fort, weil das Team von Aleksandar Stevic auch das zweite Spiel gegen Jeruzalem Ormoz für sich entscheidet. Das Ergebnis von 29:27 klingt knapper, als sich das Spiel tatsächlich gestaltete. Die Mannschaft aus Ormoz wurde von den heimischen Fans zwar lautstark unterstützt, daraus konnte sie jedoch keine Handlungsempfehlung ableiten. Die Gastgeber traten weitgehend uninspiriert und offensiv harmlos auf. Der HSC war, um es kurz zu sagen, einfach um Längen besser.

Die «Maschine» hat einen technischen Defekt

«Die Einstellung und die Gier der Spieler war top», freute sich Stevic nach dem Match. Doch Stevic wäre nicht Stevic, wenn er nicht auch den Finger in die Wunde legen würde. Er sagte zwar nur diplomatisch, dass die Chancenauswertung in der zweiten Halbzeit hätte «besser sein können». Wer allerdings zwischen den Zeilen liest, erkennt: Zufrieden war Stevic mit der Torausbeute keineswegs.

Die Problematik ist in dieser Saison ja nichts Neues. Der fahrlässige Umgang mit den Chancen ist einer der Gründe, weshalb Suhr Aarau in den letzten Meisterschaftsspielen derart viele Punkte hat liegen lassen. Die Verteidigungsschwäche ist ein zweiter Grund, doch dies ist ein anderes Thema. Zu den Eigenheiten des Spiels zählte, dass keine der beiden Fehlbarkeiten dem HSC wirklich geschadet hat. Dabei konnte die Mannschaft für einmal auch einen überaus unterdurchschnittlichen Auftritt ihrer Lebensversicherung Manuel Zehnder verkraften.

Spielte für einmal unter seinen Möglichkeiten, aber das war egal: HSC-Topskorer Manuel Zehnder.

Spielte für einmal unter seinen Möglichkeiten, aber das war egal: HSC-Topskorer Manuel Zehnder.

Urs Lindt / freshfocus

Er, den Jeruzalem Ormoz vorgängig als «Maschine des Torewerfens» ankündigte, erlitt – um im Bild zu bleiben – einen technischen Defekt. Zehnder erzielte aus elf Versuchen nur drei Tore und blieb auch von der Siebenmeterlinie nicht tadellos. Unverständlich war, weshalb die Slowenen im zweiten Umgang gleichwohl einen Manndecker auf den 22-Jährigen ansetzten. Mit mehr Glücksgefühlen als gewöhnlich in die Schweiz zurückgereist ist dafür Leonard Grazioli. Der Torhüter zog in Ormoz einen hervorragenden Abend ein und holte sich mit mehreren glanzvollen Paraden jene Sicherheit, die ihm in der Liga zuletzt abging.

Dank der souveränen Runde steht der HSC Suhr Aarau nun im Achtelfinal des EHF European Cup und darf womöglich bald erneut ein Siegerfoto aus einer ausländischen Umkleidekabine in die Welt aussenden. Einen Wunschgegner unter den 15 restlichen verbliebenen Mannschaften hat Stevic keinen. «Wir nehmen es, wie es kommt», sagt er. Am Dienstag werden die Paarungen ausgelost.

Die Mannschaft des HSC Suhr Aarau darf für ein weiteres Europa-Abenteuer planen.

Die Mannschaft des HSC Suhr Aarau darf für ein weiteres Europa-Abenteuer planen.

Urs Lindt / freshfocus

Der Match zusammengefasst:

Eine gute Nachricht gab es vorweg: João Ferraz kehrte nach ausgestandenen Rückenbeschwerden in das Aufgebot zurück. Mit dem Portugiesen im rechten Rückraum hatte HSC-Trainer Aleksandar Stevic eine Angriffsoption mehr in der Hinterhand. Auch Lukas Laube fand sich im Kader wieder. Der Abwehrspezialist hatte in der Meisterschaft gegen Basel angeschlagen gefehlt.

Suhr Aarau tat zu Beginn das, was sich bei einem Vier-Tore-Vorsprung im Rückspiel einer Europacup-Runde anbietet. Die Mannschaft spielte mit Ruhe und liess sich nicht dazu hinreissen, vorschnell die Entscheidung herbeizuführen. Nach zehn Minuten führte der HSC knapp mit 5:4. Grund zur Besorgnis bestand zu diesem Zeitpunkt keiner.

Einer spielte in der Anfangsviertelstunde gross auf: Rechtsaussen Gian Attenhofer wurde nach Balleroberungen in der Abwehr immer wieder auf die Reise geschickt und veredelte die Gegenstösse zu Toren. Vier Treffer gelangen ihm aus den ersten fünf Versuchen.

In der Folge gelang es dem HSC allerdings nicht, den Vorsprung zu erhöhen. Jeruzalem Ormoz glich aus, Suhr Aarau legte wieder vor – das Muster wiederholte sich mehrere Male. Gleichwohl sicherte sich der HSC eine knappe 14:13-Führung zur Halbzeit.

Zu Beginn des zweiten Umgangs glich sich das Bild. Suhr Aarau besass beste Chancen und hätte frühzeitig davonziehen können. Doch der fahrlässige Umgang mit den Möglichkeiten blieb ein Mangel. Zehnder, Reichmuth und Ferraz vergaben ihre Gegenstösse leichtfertig, was sich hätte rächen können, wenn Ormoz im Angriff in dieser Phase nicht derart uninspiriert aufgetreten wäre. Die Würfe, die die Slowenen auf das HSC-Tor abgaben, waren meist leichte Beute für Leonard Grazioli, der seine Abwehrquote in die Höhe treiben durfte.

Das Spiel nahm nun eine gemächliche Färbung an, nennenswerte Aktionen waren rar gesät. Auch die Spannung wich langsam aus dem Geschehen, weil der HSC mit seinem Hinspielresultat inzwischen eine Sieben-Tore-Führung akkumuliert hatte.

Dieser Vorsprung schmolz anschliessend zwar noch einmal, weil sich die Gästemannschaft im Angriff erneut eine Schwächephase erlaubte. In Gefahr stand das Weiterkommen jedoch nicht. Und es reichte auch zum zweiten Sieg gegen Ormoz. Grazioli durfte ein paar ansehnliche Paraden zeigen, während die Angriffsspieler von Suhr Aarau die Räume nutzten, die die demoralisierten Slowenen ihnen offenbarten. Am Ende stand ein nie gefährdeter 29:27-Sieg.

Der HSC Suhr Aarau steht somit im Achtelfinal des EHF European Cup. Die Paarungen werden am kommenden Dienstag ausgelost.

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