Fall Lucie

«Ich bin müde und fühle mich ausgelaugt»

Der Vater von Lucie Trezzini im Video-Interview

Der Vater von Lucie Trezzini im Video-Interview

Roland Trezzini wünscht sich, dass der Fall seiner Tochter Lucie endlich abgeschlossen wird und kritisiert die Behörden. Der Aargauer Regierung macht der Vater von Lucie keine Vorwürfe, im Gegenteil: Justizdirektor Urs Hofmann mache einen guten Job.

Der Fall Lucie zieht sich weiter in die Länge. Für die Angehörigen ist es nicht nachvollziehbar, wieso sich die juristischen Abklärungen so lange hinziehen. Im Interview in Aarau gibt Roland Trezzini, Vater von Lucie, seinem Befremden über die Aargauer Justiz Ausdruck.

Herr Trezzini, wie fühlen Sie sich?

Roland Trezzini: Ich bin sehr müde und fühle mich ausgelaugt. Eigentlich bin ich immer müde und stehe deswegen auch immer noch in Behandlung. Neben der Trauer belastet mich vor allem auch die Tatsache, dass es mit den Untersuchungen zum Fall meiner Tochter nicht weitergeht.

Das Obergericht nimmt Stellung zum Fall Lucie

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Wie haben Sie die Untersuchungen über den Fall Ihrer Tochter bisher erlebt?

Roland Trezzini: Leider waren die Aargauer Behörden bisher nicht in der Lage, mir zu helfen, also muss ich selber aktiv werden. Es ist schwierig, die Untätigkeit der Verantwortlichen zu akzeptieren, auch wenn ich mir bewusst bin, dass die Justiz immer sehr langsam ist. Es wäre aber an der Justiz, die ganze Sache an die Hand zu nehmen und endlich vorwärtszumachen.

War das der Grund, dass Sie aus Freiburg in den Aargau gekommen sind?

Roland Trezzini: Ich habe stets versucht, Antworten auf meine Fragen zu erhalten, leider immer ohne Resultat. Deshalb habe ich ein Treffen mit den höchsten Funktionären gefordert und werde ein Gespräch mit dem Präsident des Aargauer Obergerichts, Armin Knecht, haben.

Was erwarten Sie von Oberrichter Knecht?

Roland Trezzini: Ich will endlich wissen, wer sich nun mit dem Dossier meiner Tochter befasst. Mit dem neuen Strafgesetz, das am 1. Januar in Kraft trat, wurden alle hängigen Verfahren einem Staatsanwalt zugeteilt, einzig das Dossier von Lucie hat keinen neuen Staatsanwalt erhalten. Das ist doch nicht in Ordnung. Oberrichter Armin Knecht muss mir darüber Auskunft geben und vor allem sagen, wer nun für das Dossier von Lucie zuständig ist. Ich muss schon sagen, dass die hohen Funktionäre grobe Fehler begangen haben.

Was werfen Sie dem bisherigen Untersuchungsrichter Roland Miotti vor?

Roland Trezzini: Roland Miotti hat zu unserer grossen Enttäuschung ein ganzes Jahr lang überhaupt nichts getan. Als ich letztes Jahr im April den Stand der Untersuchung erfahren wollte, war das Dossier noch leer. Erst im Januar dieses Jahres hat er eine erste Einvernahme anberaumt, die jedoch wegen Formfehler sogleich wieder abgebrochen und auf den April verschoben wurde. Und jetzt ist er einfach in die Ferien verreist, ohne sich darum zu kümmern, was aus dem Dossier von Lucie wird.

Anwalt der Familie Trezzini verurteilt langsame Behörden

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Richten sich Ihre Vorwürfe auch gegen die Aargauer Regierung?

Roland Trezzini: Nein, im Gegenteil. Ich bin sehr zufrieden mit dem Verhalten von Regierungsrat Urs Hofmann, der auf sehr korrekte Weise reagiert hat. Er hat inzwischen beantragt, Miotti seines Amtes zu entheben und einen ausserordentlichen Staatsanwalt mit der Weiterführung der Untersuchung zu betrauen.

Was bewegt Sie, trotz Ihrer negativen Erfahrungen in der Sache Ihrer Tochter weiter so aktiv zu sein?

Roland Trezzini: Dafür gibt es zwei Gründe. Einerseits tue ich dies für Lucie, anderseits aber auch für alle nachfolgenden ähnlichen Fälle. Für sie wird dieser Prozess enorm wichtig sein. Und schliesslich geht es mir vor allem auch darum, dass das Strafgesetz eingehalten wird.

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