«Ich weiss heute, was Druck und Erfolg mit mir machen»

Nadia Pfister ist die Nummer 1 des Fricktaler Squash-Teams, mit dem sie Schweizer Team-Meister 2018 und 2019 wurde.

Clara Rohr-Willers
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Nadia Pfister im Squash Center Carnivals Liestal, ihrer Basis.

Nadia Pfister im Squash Center Carnivals Liestal, ihrer Basis.

Bild: zvg.

Die Ramlinsburgerin Nadia Pfister entdeckte ihre Leidenschaft, den Squash-Sport im Squash Center Carnivals Liestal. Sie ist die Nummer 1 des Fricktaler Squash-Teams, mit dem sie in den letzten beiden Jahren Schweizer Team-Meister wurde. 2018 wurde das Team Vize-Europameister in der European Club Championship.

Nadia Pfister, worauf sind Sie als Nummer 1 des Squash-Teams Fricktal stolz?

Nadia Pfister: Wir wurden in den letzten Jahren immer stärker und glaubten an uns. Auch sind wir stolz, keine ausländischen Spielerinnen eingekauft zu ­haben.

Warum sind Sie die Einzige des Clubs, die regelmässig an internationalen Turnieren teilnimmt?

Dies hat wohl finanzielle und berufliche Gründe. Obwohl ich unter den Top 100 weltweit spiele, ist Squash eine Randsportart, mit der sich wenig Geld verdienen lässt. Für die Bezahlung der Spesen arbeite ich als Sekretärin, bin Teilzeit-Barista und hüte Kinder. Ohne die Unterstützung meiner Eltern und Familie wäre meine Karriere unmöglich.

Welche weiteren Konsequenzen hat es, dass Squash eine Randsportart ist?

Es hat viele Top-Spieler in Europa, die sich schlecht verteilen und somit zu viele gute Spieler an zu wenig Turnieren. In der Schweiz gibt es keine Breite mehr wie vor dreissig, vierzig Jahren. Wir haben es verpasst, vom Boom zu profitieren. Einen geeigneten Trainer zu finden erweist sich als schwierig. Im Moment bin ich gerade in Ponte­fract, südöstlich von Leeds, wo es einen hervorragenden Squash Club mit international renommierten Spielern und Trainern gibt, allen voran mein Trainer Malcolm Willstrop.

Wie muss man sich Ihr Leben in Pontefract vorstellen?

In Pontefract trainieren alle Anwesenden miteinander, ob Top 20 der Welt oder junge ambitionierte Spieler. Es hat ein inspirierendes Trainingsumfeld und das Clubleben wird mehr gelebt als bei uns. Wie in einer grossen Familie gehen wir abends in den Club, trinken ein Pint und schauen uns zusammen einen Fünft-Liga-Match an. In Ponte­fract lernte ich auch, meine Körpergrösse von 179cm zu meinem Vorteil zu nutzen.

Wie nutzen Sie Ihre Grösse?

Früher sagte man mir zum Beispiel, dass ich möglichst trippeln soll, was für kleinere Menschen vielleicht nützlich ist. Mit meinen langen Armen und somit einer grösseren Reichweite wurde ich in Pontefract auf den Volley geschult. Ich lernte, Bälle öfters und variantenreicher zu nehmen und Druck zu machen. Mein Trainer Malcolm Willstrop brachte unter anderem seinen Sohn James, der 190cm misst, an die Weltspitze.

Sie sind 24 Jahre jung und waren gerade an einem Platinum-Event in Kairo, einer Art «Squash-Grandslam». Was waren Ihre Erfahrungen?

In Kairo konnte ich an einem der «Grand Slams» des Squash auf dem Glascourt und mit Squash TV Coverage gegen die aktuelle Nummer 41 antreten. Vieles, was ich mir vorgenommen habe, konnte ich umsetzen und meine Gegnerin Mayar Hany, die einen Heimvorteil hatte, im zweiten Satz komplett ausspielen und 11:6 gewinnen. Ich verlor jedoch schlussendlich 1:3.

Also war es eher eine Enttäuschung?

Nein, der Match war spannend und ein Push für mein Weltranglisten-Klassement. Ich bin hungrig auf mehr und freue mich auf die Schweizer Meisterschaften diese Woche. Zuerst beende ich noch in England meinen Trainingsblock.

Was hat Sie der Sport neben einer positiven Einstellung noch gelehrt?

Im Sport lernte ich mich kennen und weiss heute, was Druck und Erfolg mit mir machen. Meine hohe Selbstkritik ist für einen Sieg nicht unbedingt förderlich. Seit meiner Matur am Gymnasium Liestal setze ich auf eine internationale Karriere, die mir ein grosses Netzwerk ermöglicht. Letzthin habe ich nach einem Turnier in Pakistan mit zwei Musliminnen, einer Hindu und zwei Christinnen zu Abend gegessen.

Was kam dabei heraus?

Interkulturelle Begegnungen zwingen uns, über die eigene Nasenspitze hinaus zu denken und uns zu hinterfragen. Die Freude am Sport und somit am Leben verbindet Menschen über Kulturen hinweg und drängt Letztere in den Hintergrund.

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