Tierheim

Im Aargau gibt es keine Last-Minute-Ferien für Tiere

Besuch beim A3-Tierferienplatz Scherer in Mülligen: Diese Hunde fühlen sich, trotz Hitze, sichtlich wohl.

Besuch beim A3-Tierferienplatz Scherer in Mülligen: Diese Hunde fühlen sich, trotz Hitze, sichtlich wohl.

Die Aargauer Tierheime platzen aus allen Nähten. Wer einen Platz braucht, sollte ihn sorgfältig und früh aussuchen. Der Grund: Den Last-Minute-Ferien für Hund und Herrchen gibt es hierzulande nicht.

Das Thermometer ist über 30 Grad gestiegen. Neugierig nähern sich vier Hunde dem Eingang und stecken ihre Nase durch das Gitter. Dass hinter den Toren des A3-Tierferienplatzes Scherer in Mülligen 60 Hunde in den Ferien sind, ist von aussen nicht zu hören. Kein Gebell, kein Kratzen – nicht einmal durch die Türklingel lassen sich die Vierbeiner aus der Ruhe bringen.

Ein kurzes «Hunde-Hallo», das wars. Franz Scherer, Besitzer des Tierferienplatzes und diplomierter Tierpfleger, zeigt sein zirka 10000 Quadratmeter grosses Anwesen. Die Hunde in den rund 40 grosszügigen Ausläufen wirken ruhig. Überall ist es sauber. Die Atmosphäre unter den Hunden ist entspannt. Gemeinsam kontrollieren sie, wer an ihrem Auslauf vorbeigeht. Dann suchen sie den Schatten, und finden ihn.

Viele Heime sind ausgebucht

Für Tiere gibt es keine Last-Minute-Ferien: Wer einen Platz für sein Haustier sucht, sollte dies mindestens drei Monate vor seinen Ferien tun. «Leider gibt es jedes Jahr mehr kurzfristige Anfragen», erklärt Conny Scherer, Tierheimleitern des Tierschutzvereins im Aargau «ATs» in Untersiggenthal.

Das Angebot an Tierferien in den Bezirken Baden, Brugg und Zurzach ist zwar da, aber beschränkt: Der «ATs» nimmt zwischen 20 und
25 Hunde auf. Das Pfötchenhotel in Würenlingen hat zehn Einzelzimmer im Angebot. Im Tierheim Au in Brugg können 20 Hunde und im Katzenferienheim in Ehrendingen 20 Katzen in die Ferien gehen.

Die Krux: Diese Tierheime sind schon längst ausgebucht. Einige wenige freie Plätze für Hunde und Katzen gibt es noch beim «A3» und bei der Tierpension Fisibach. «Die Hunde werden gemäss ihrem sozialen Verhalten in Gruppen eingeteilt. Je nach Gruppeneinteilung variiert die Anzahl an aufgenommenen Hunden», erklärt Franz Scherer vom «A3». Er nehme nur so viele Tiere auf, dass eine optimale Betreuung garantiert werden könne. Diese Vorgehensweise bestätigten alle angefragten Tierferienheime.

Früh suchen zahlt sich aus

Ernüchternd zeigte sich die Recherche der az im Bezirk Bremgarten: Die Freiämter müssen für Tierferienplätze über die Bezirksgrenze hinaus suchen. Das an der Grenze liegende Stetten verfügt zwar über ein Tierferienheim, doch wollte die Ansprechperson keine Auskunft über ihre Kapazitäten erteilen. Wird das Angebot an offiziellen Ferienplätzen den erwähnten Bezirken überhaupt gerecht? «Nein, es ist sehr knapp», bedauert Conny Scherer vom «ATs».

Gründe für eine frühzeitige Suche gibt es noch andere: Einige Tierferienheime nehmen nur Hunde auf, die einen Probetag absolviert haben. «Auf diese Weise können wir das Tier kennen lernen. Der Hund erfährt, dass er wieder abgeholt wird und der Besitzer sieht, ob es seinem Vierbeiner gefallen hat oder nicht», erklärt Conny Scherer. Auch im Pfötchenhotel in Würenlingen müssen die Hunde einen Probetag absolvieren. «Wir wollen sehen, wie sich der Hund bei uns fühlt», betont Besitzerin Irmgard Peruzzi.

Mit frühzeitigen Besuchen können die Tierheime sorgfältig inspiziert werden. Worauf sollte geachtet werden? «Der Tierbesitzer sollte auf die Platzverhältnisse, die Hygiene und auf die Ausbildung des Personals achten», raten Franz Scherer, «A3», und Conny Scherer, «ATs». Ein Tierferienheim, das über 20 Katzen oder 20 Hunde betreue, müsse über einen diplomierten Tierpfleger verfügen, wissen beide. «Die Impfvorschriften müssen eingehalten werden und die Besitzer sollten das Personal über das soziale Verhalten ihres Tieres informieren», fügt Conny Scherer an. Worüber sich alle Angefragten einig sind: «Wer sein Tier liebt, merkt schnell, ob es sich wohlfühlt.» Und: «Der Preis sollte zweitrangig sein.»

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