Interview
Aargauer Impfchef: «Impfbereitschaft bei bis 30-Jährigen ist noch nicht sehr ausgeprägt»

Der Kanton Aargau teilte am Donnerstag mit, dass in der vergangenen Woche fast 50'000 Corona-Impfungen verabreicht wurden. Das ist Rekord. Ist die Aargauer Impfkampgange also auf Kurs? Wir haben beim Verantwortlichen nachgefragt.

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Andreas Obrecht ist der Impfchef vom Kanton Aargau.

Andreas Obrecht ist der Impfchef vom Kanton Aargau.

Britta Gut

Aktuell warten noch ungefähr 45'000 Personen im Kanton Aargau auf ihren Impftermin. Dank der grossen Liefermengen und dem hohen Impftempo sollte die Warteliste laut dem Aargauer Gesundheitsdepartement (DGS) aber in etwa zwei Wochen fast vollständig abgearbeitet sein. Ist das auf die Impfkampagne zurückzuführen? Das wollten wir von Andreas Obrecht, Leiter der Aargauer Impfkampagne, wissen.

Herr Obrecht, das Wichtigste gleich zuerst: Ist das DGS mit der Impfkampagne auf Kurs?

Andreas Obrecht: «Ja, wir sind mit der Kampagne auf Kurs. Wir verimpfen einfach das, was wir bekommen. Wir wussten, dass wir im Juni viel Impfstoff bekommen werden und haben die entsprechenden Kapazitäten aufgebaut. Somit können wir nun entsprechend viele Impfdosen spritzen.»

Ist die Impfbereitschaft bei den jungen Leuten tiefer als bei älteren?

«Wir haben einfach mit den älteren Menschen begonnen und jetzt sind wir daran, die ganze Bevölkerung zu impfen. Zu den Zielgruppen eins bis vier gehören knapp die Hälfte der Leute, die impfberechtigt wären. Wir haben immer eine neue Zielgruppe geöffnet, wenn die alte Zielgruppe durchgeimpft war. Jetzt hat Swissmedic einen Impfstoff für die 12- bis 15-Jährigen zugelassen. Ich denke, es gibt auch viele Junge, die den Älteren den Vortritt lassen wollten.»

Vielleicht sehen die Jüngeren ihre Gesundheit einfach weniger gefährdet.

«Wir merken schon, dass die Impfbereitschaft bei den bis 30-Jährigen noch nicht sehr ausgeprägt ist. Aber es ist ein Trugschluss, zu glauben, dass Junge gar nicht betroffen sind. Wir haben auch junge Patienten in den Aargauer Spitälern und wir sehen auch junge Leute, die auf der Intensivstation liegen. Eine milde Erkrankung belastet die Gesundheit der Jungen mehr als eine Impfung respektive deren Nebenwirkungen. Und man darf nicht vergessen, dass die Jungen auch von den Massnahmen und Einschränkungen betroffen sind, eine höhere Durchimpfungsrate bringt uns allen schneller mehr Freiheit.»

Gibt es denn konkrete Pläne, wie Sie die jüngere Zielgruppe für das Impfen animieren möchten?

«Wir haben schon Pläne, aber diese sind noch nicht spruchreif. Es ist aber klar, dass wir unser Angebot entsprechend anpassen werden. Zurzeit sind wir mit mobilen Impfteams unterwegs, wir haben die Impfzentren. Zudem impfen vielerorts die Hausärzte. Ausserdem läuft momentan eine Pilotphase in Apotheken. Es ist geplant, dass rund 70 Apotheken im Kanton Aargau teilnehmen werden und Impfungen verabreichen können. Ab Woche 26 starten die Impfungen in Betrieben und wir planen sogenannte Walk-In-Impfzentren. Mit diesen unterschwelligen Angeboten wollen wir die jungen Leute zum Impfen bewegen.»

Es wird aber davon ausgegangen, dass die 45'000 Personen auf der Warteliste in rund zwei Wochen geimpft sein sollten. Sind wir dann so weit, dass wir Impfungen auf Vorrat haben?

«Ja, dann kann es sein, dass es einen Vorrat gibt. Wir werden bestimmt von einem Nachfrageüberschuss zu einem Angebotsüberschuss kommen. Das ist genau der Grund, weshalb wir dann mit Betriebsimpfungen beginnen. Wir gehen davon aus, dass ein einfacherer Zugang zur Impfung mehr Leute für diese motivieren wird.»

In wenigen Wochen starten die Sommerferien. Gehen Sie davon aus, dass die Impfbereitschaft dann nochmals zunehmen wird?

«Ich denke schon, dass das für einige eine Motivation ist. Zudem kann ich mir vorstellen, dass das ständige Testen auch mühsam ist. Wir wollen das Angebot so gestalten, dass man möglichst einfach zu einer Impfung kommt.»