Landammann

Was schätzen Sie nicht an Ihrem Beruf? Markus Dieth beantwortet die privaten Fragen der Lehrlinge

Landammann Markus Dieth steht den neuen Lernenden Red und Antwort.

Landammann Markus Dieth steht den neuen Lernenden Red und Antwort.

Im Rahmen des Einführungsprogramms beantwortete Landammann Markus Dieth teils ganz private Fragen. Diese durften ihm die neu beim Kanton angestellten Lehrlinge stellen.

Die Fragen der Lehrlinge (Aufzeichnung von Raphael Karpf):

Welchen Töff fahren Sie?

Eine Harley, 1800, Road King. Ich bin eher ein gemütlicher Töfffahrer, der so ein- bis zweimal im Monat im Aargau unterwegs ist, um den Kopf zu verlüften. Ich bin jetzt nicht der, der Pässe fährt und in den Kurven den Bodenkontakt sucht.

Was war Ihr Traumberuf?

Zwei Sachen waren hoch im Kurs: Lehrer und Pfarrer. Dass ich später Anwalt wurde, war aber auch ok.

Wieso haben Sie sich für die CVP entschieden?

Das hat nichts mit meinem Berufswunsch Pfarrer zu tun. In welcher Partei man landet, hängt auch vom Freundes- und Bekanntenkreis ab. Ich sehe mich selbst auch weder als sehr links noch als sehr rechts.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf?

Ich wollte immer etwas für die Menschen machen. Als Regierungsrat ist die Herausforderung besonders gross, das mag ich. Wie bringt man gute Lösungen zu Stande? Wie schaffe ich es, wenn ich überzeugt von einer Sache bin, diese mit guten Argumenten durchzubringen? Ausserdem lese ich gerne. Und viel. Das ist von Vorteil. Am Freitag gehe ich jeweils mit zwei Aktenkoffern nach Hause. Ob ich vorhabe in die Ferien zu gehen, fragte meine Frau auch schon. Die Koffer sind voller Akten, die ich bis am Montag durchackere.

Wie war Ihr Start ins Studium?

Ich kam von Davos ins Flachland herunter, nach Zürich, dort habe ich Jus studiert. Ich habe in einem Studentenheim gewohnt, so eines mit der Dusche im Gang. Ich kannte niemanden dort. Das hat es sehr spannend gemacht. Ich musste sehr offen sein, und ich denke, das bin ich heute noch.

Was sind Ihre nächsten Ziele für den Aargau?

Eine gute Frage. Denn dieses Ziel werden Sie alle mittragen. Wir haben zuletzt den Haushalt saniert, konnten eine halbe Milliarde Schulden zurückzahlen. Wir waren an einem super Zeitpunkt. Aber dann kam Corona. Unser Hauptziel muss es jetzt sein, nicht unbedachte Schnellschüsse zu machen, sodass der Finanzhaushalt aus dem Ruder läuft.

Welches ist Ihr unvergesslichstes Erlebnis als Regierungsrat?

Vermutlich zwei Sachen: Zum einen sicher die Coronaerkrankung. Mit 40 Grad Fieber zu Hause zu sein und gleichzeitig die Regierung und die Corona-Taskforce zu führen, das war schon speziell. Aber das ist die Aufgabe, die viel Verantwortung mit sich bringt. Das Zweite: Ein alter Mann, 93-jährig, wie sich später herausstellte, mit zittriger Stimme, hat immer wieder versucht, mich anzurufen. Und zwar auf die private Nummer. Ich war natürlich nicht zu Hause, so hat immer meine Frau abgenommen. Am 1. August habe ich ihn dann zurückgerufen. Am Telefon hat er zu jodeln begonnen. Ich sagte: Das ist ja schön, aber es ist der 1. August, müssten Sie nicht die Hymne singen? Und ich hörte übers Telefon, wie er ein Harmonium holte, damit zu spielen begann und die Nationalhymne sang. Dann sagte er, er habe nur fragen wollen, wie es mir ginge, er habe gehört, ich hätte dieses Virus gehabt. Und er wolle mir einen schönen 1. August wünschen. Dann hängte er auf.

Was schätzen Sie nicht an Ihrem Beruf?

Eigentlich sind es nicht viele Dinge. Aber es ist mühsam, wenn ich mit Menschen zu tun habe, die nicht bereit sind, zuzuhören. Die andere Meinungen einfach ignorieren.

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