Seit gut 15 Jahren führt die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren eine Liste mit Lehrern, die nicht mehr unterrichten dürfen. «Derzeit stehen 105 Personen auf der Liste, sechs davon wurden vom Aargau gemeldet», teilt Alexander Gerlings, Sprecher der Konferenz, auf Anfrage der AZ mit. Gemäss einem Bericht der «SonntagsZeitung» landeten Lehrer zumeist wegen Sexualdelikten auf der schwarzen Liste.

Solche Straftaten – konkret sexuelle Handlungen mit Kindern und Abhängigen sowie Kinderpornografie – werden dem 42-jährigen Lehrer vorgeworfen, der im März dieses Jahres an seinem Wohnort im Aargau verhaftet worden war. Sechs Jahre zuvor war der Mann in Dulliken fristlos entlassen worden, dennoch stand der Mann nicht auf der schwarzen Liste.

Dulliken reichte keine Anzeige gegen Lehrer ein

Grund der Entlassung waren «unangemessene Anspielungen des Lehrers in Chats mit einer Schülerin.» Strafbar waren die Nachrichten aus Sicht der Schulbehörden jedoch nicht, sie reichten keine Anzeige ein. So kam es auch nicht zu einer Strafuntersuchung, die oft der Auslöser für ein kantonales Verwaltungsverfahren zum Entzug der Berufsbewilligung eines Lehrers ist.

Ab dem Sommer 2013 war der Mann in Wettingen tätig, das Aargauer Bildungsdepartement wusste nichts über seine früheren Verfehlungen. Deshalb hatte der Kanton bisher keinen Anlass, den Mann auf die schwarze Liste zu setzen. Ob der Lehrer, der nach drei Monaten in U-Haft wieder auf freiem Fuss ist, nun im Aargau doch ein Berufsverbot erhält, ist offen. Das Bildungsdepartement verfolge bei dieser Thematik eine Nulltoleranz, sagt Sprecherin Sascha Katja Giger. Damit der Kanton aktiv werden könne, müsse aber eine Meldung einer Schulpflege an das Departement gemäss kantonalem Schulgesetz vorliegen.

Reicht ein laufendes Strafverfahren schon aus?

Eine solche Meldung ist laut Gesetz möglich, wenn eine Lehrperson «wegen eines Delikts verurteilt worden ist, das sie nach Art und Schwere der Tat sowie Verschulden als nicht mehr vertrauenswürdig erscheinen lässt». Zur Frage, ob das Verfahren gegen den Lehrer reicht, damit ihn der Aargau auf die schwarze Liste setzt, äussert sich Giger nicht konkret. «Falls ausreichend schwerwiegende Gründe vorliegen, leitet das Departement ein Verfahren zur Feststellung der Nichteignung der Lehrperson und zur Eintragung in die schwarze Liste ein», sagt sie. Gegen den daraus folgenden rechtskräftigen Entscheid stehe der übliche Rechtsweg bis ans Bundesgericht offen. Die Dauer des Verfahrens bis zum Eintrag auf der Liste sei abhängig davon, ob die Lehrperson den Rechtsweg beschreite.

Im Kanton Bern wird dies anders gehandhabt, wie Martin Aubert, Leiter Rechtsdienst, im Januar der «Berner Zeitung» sagte. Nicht selten verfüge man einen vorsorglichen Entzug der Berufsbewilligung, da bis zu einem rechtskräftigen Urteil Jahre verstreichen könnten. Auch der Konsum von Kinderpornografie führt in Bern in der Regel zum Entzug der Unterrichtsberechtigung. Das passiert laut Aubert auch dann, wenn der betreffende Lehrer «keine Schülerinnen in strafbarer Weise berührt hat».