Wynental

48-jähriger Mann wurde bereits 13-mal verurteilt – ab 2017 ist er auf freiem Fuss

Wird ein notorischer Täter schon bald aus dem Gefängnis entlassen? (Symbolbild)

Wird ein notorischer Täter schon bald aus dem Gefängnis entlassen? (Symbolbild)

Die Bevölkerung kann nur beschränkt vor einem notorischen Gewalttäter aus dem Wynental geschützt werden. Dies teilt die Regierung in Antwort auf eine Interpellation der BDP mit.

Der 48-jährige Mann sitzt im Gefängnis und gilt im Wynental als einer der schlimmeren Kriminellen der letzten Jahre. Mit 16 Jahren war er zum ersten Mal straffällig geworden, 60 Straftaten hat er begangen, oftmals unter Anwendung von brutalster Gewalt. 13-mal wurde er bereits verurteilt. Das psychiatrische Gutachten stellte eine schwere Persönlichkeitsstörung fest mit psychopathischen Zügen und bezeichnete den Mann als untherapierbar. Der Staatsanwalt hatte für den Mann, der seit 2012 eine viereinhalbjährige Gefängnisstrafe verbüsst, eine unbefristete Verwahrung gefordert. 

Doch das Aargauer Obergericht, wo der Fall im August dieses Jahres nochmals verhandelt wurde, wollte nichts von einer unbefristeten Verwahrung wissen. Es hob sogar die vom Bezirksgericht Kulm ausgesprochene stationäre therapeutische Behandlung auf und beschränkte sich auf die Anordnung einer ambulanten Therapie. Das bedeutet, dass der Wynentaler im Mai 2017 wieder auf freien Fuss kommt.

Rückfallgefahr von 60 Prozent

Nun will die BDP vom Regierungsrat wissen, wie er die Gesellschaft vor diesem Mann schützen will, bei dem laut Gutachten eine Rückfallgefahr von 60 Prozent besteht. In der ausführlichen Beantwortung der entsprechenden Interpellation zeigt der Regierungsrat auf, dass der Kanton da wenig unternehmen kann, und warum das so ist.

Noch vor der Haftentlassung wird versucht, mit dem Mann die Wohn- und Arbeitssituation zu klären und eine Betreuung zu etablieren. Aber das kann nur mit Einverständnis des Betroffenen geschehen. Ist der Mann in Freiheit und gefährdet ernsthaft und unmittelbar andere Personen, kann ihn die Polizei für höchstens 24 Stunden in Gewahrsam nehmen.

Ebenfalls kann die Polizei über die bevorstehende Entlassung informiert werden und eine beschränkte Kontrolle, etwa durch Patrouillenfahrten, ist möglich. Taucht der Entlassene jedoch unter, wird er nicht weiter gesucht oder verfolgt, solange nichts gegen ihn vorliegt.
Die Vollzugsbehörde meldet die Entlassung auch der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb). Die Vollzugsbehörde hat aber keinen Einfluss darauf, ob und welche Massnahmen die Kesb anordnen wird.

Was macht das Bundesgericht?

Theoretisch wäre auch eine präventive Observation des entlassenen Straftäters möglich. Doch aufgrund der beschränkten Ressourcen der Polizei werde diese Massnahme eher selten angewendet, teilt die Regierung in der Antwort zur Interpellation der BDP mit.

Doch noch ist nicht sicher, ob der Mann aus dem Wynental tatsächlich im Mai 2017 freikommt. Denn der Staatsanwalt hat das Urteil des Obergerichts an das Bundesgericht weitergezogen. Der Entscheid des Bundesgerichts steht noch aus.

Verwandte Themen:

Autor

Jörg Meier

Jörg Meier

Meistgesehen

Artboard 1