Gegen den Lehrermangel

69 Millionen sollen die neuen Löhne für Lehrer den Kanton kosten - zu viel meinen einige

Lehrer sind Mangelware im Aargau, auch weil die Löhne niedriger sind als in anderen Kantonen. (Symbolbild)

Lehrer sind Mangelware im Aargau, auch weil die Löhne niedriger sind als in anderen Kantonen. (Symbolbild)

FDP und SVP wollen wegen der Finanzlage das neue Lohnsystem für Lehrpersonen nur schrittweise einführen.

Der Regierungsrat will mit dem neuen Lohnsystem «Arcus» für Lehrpersonen gegen den Lehrermangel im Aargau vorgehen. Das sei nur mit konkurrenzfähigen Löhnen zu schaffen, sagte Bildungsdirektor Alex Hürzeler bei der Präsentation des an­gepassten Projekts im Februar. Dann kam Corona und damit die unsichere Wirtschaftslage. Ob der Grosse Rat am 8. Dezember dem Regierungsrat folgen wird, ist unsicher geworden.

Bei der Budgetdebatte hielten bürgerliche Grossratsmitglieder bereits fest, dass sie das Projekt kritisch beurteilen. Die vorberatenden Kommissionen Bildung und Allgemeine Verwaltung stimmten «Arcus» nur knapp zu. 69 Millionen Franken soll dieses neue Lohnsystem den Kanton und die Gemeinden jährlich kosten. Zu viel in der jetzigen Zeit, finden manche.

Zuerst die Jüngeren, dann die Älteren

«Die FDP anerkennt den Handlungsbedarf für ein neues Entlöhnungssystem für Lehrpersonen», sagt Sabina Freiermuth, Präsidentin der FDP-Fraktion im Grossen Rat. Aber die Einführung soll aus Sicht der Freisinnigen über drei Jahre etappiert werden, damit sie die Kassen von Kanton und Gemeinden nicht zu schnell zu stark belastet. Für die nächsten Jahre seien mehrere wichtige und kostenintensive Projekte in Planung, sagt Freiermuth. Der Vorschlag der schrittweisen Einführung war in der Kommission zwar knapp abgelehnt worden, die FDP wird aber in der Grossratssitzung ei-nen Antrag stellen.

«Für uns wäre das ein gangbarer Kompromiss», sagt Freiermuth. Eine andere Idee sei gewesen, das Geschäft im Zuge der vom Regierungsrat in Aussicht gestellten finanziellen Gesamtsicht im Frühling neu zu beurteilen. Das erwies sich aber als nicht mehrheitsfähig. Die FDP wolle mithelfen, das Lohnsystem zu beschliessen, «aber ohne eine Etappierung wäre dies in der aktuellen Lage verantwortungslos und angesichts der derzeit grossen Unwägbarkeiten im Arbeitsmarkt auch wenig solidarisch», so Sabina Freiermuth.

SVP will kein Giesskannensystem

«Dem vom Regierungsrat vorgelegten Projekt können wir nicht zustimmen, weil dabei die Löhne nach dem Giesskannenprinzip erhöht würden. Das geht in der jetzigen Zeit einfach nicht», sagt Désirée Stutz, die Fraktionschefin der SVP. Seit Freitag hat sich die Ausgangslage für die SVP jedoch verändert, weil die Kommission Allgemeine Verwaltung die Vorlage weiter angepasst hat. «Nachdem gewisse Lohnstufen einer Korrektur bedürfen, wird die SVP prüfen, ob sie dem geänderten Projekt zustimmen kann», so Stutz. Sicherlich werde sie das aber nur tun, wenn sowohl eine Erhöhung der Lohnstufen als auch die Etappierung im Grossen Rat durchkommen.

Ob die Etappierung eine Chance im Parlament hat, ist auch mit der Zustimmung der SVP unsicher. Auf die Hilfe der CVP wird die FDP nicht zählen können. «Wir sehen zu wenig, wie man mit der Etappierung Kosten sparen könnte», sagt Fraktionschef Alfons Paul Kaufmann dazu. Hingegen brauche es den Systemwechsel möglichst bald. «Die Abwanderung von Lehrpersonen in andere Kantone ist eine Tatsache. Wir müssen dem entgegenwirken.» Die linken Parteien, die SP und die Grünen, haben ebenfalls signalisiert, dass sie dem Vorschlag des Regierungsrats zustimmen, also keine Etappierung wollen.

Etappierung als kleineres Übel für Lehrerverband

Und was halten die Lehrpersonen von dieser Diskussion? Zentral sei, dass das neue Lohn­system beschlossen werde, sagt Kathrin Scholl, Präsidentin des Aargauischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes. Eine Etappierung aus finanziellen Gründen wäre «unschön», diese derzeitige Vorsicht könne sie nicht vollständig nachvollziehen. Störend wäre, dass die älteren Lehrpersonen zurückstecken müssten, da ihre Löhne später angepasst würden. Sie sind heute am ehesten konkurrenzfähig. Und auch Scholl zweifelt den Spareffekt einer etappenweisen Einführung an. «Das neue System kommt mittel- und langfristig sowieso billiger als die veranschlagten 69 Millionen Franken, weil es für die jüngeren Arbeitnehmer attraktiver ist als das jetzige», so die Verbandspräsidentin. Man rechne pro Jahr, um welches die Altersstruktur der Aargauer Lehrpersonen verjüngt wird, mit zehn bis zwölf Millionen Franken weniger.

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