Uerkheim
70 Prozent genügen nicht für Familie – warum sich der Dorfpfarrer eine neue Stelle sucht

Die reformierte Kirchgemeinde reduziert das Pensum von David Scherler um 30 Prozent. Mit ein Grund, warum sich der Dorfpfarrer eine neue Stelle suchte.

Raphael Nadler
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Pfarrer David Scherler verlässt die reformierte Kirchgemeinde. Raphael Nadler

Pfarrer David Scherler verlässt die reformierte Kirchgemeinde. Raphael Nadler

Acht Jahre lang wirkte David Scherler (38) als reformierter Pfarrer in der Kirchgemeinde Uerkheim. Nun zieht er weiter, in eine grössere Gemeinde. Die Familie lässt sich bald in Illnau-Effretikon nieder, wo er künftig als einer von vier Pfarrern in einer 4000-Seelen-Gemeinde amten wird.

In der Kirchgemeinde Uerkheim war David Scherler für 700 Leute zuständig. Sein Arbeitsspektrum reichte, wie er es selbst sagte, «von der Wiege bis zur Bahre». Der gebürtige Zürcher mit Berner Dialekt war gerne in Uerkheim. Er liebte den direkten Kontakt zur Bevölkerung, die in ihm «ihren Pfarrer» sah. Hier kamen auch seine vier Kinder zur Welt.

«Uerkheim wird immer einen Platz in meinem Herzen haben», sagt der abtretende Pfarrer, «denn es war meine erste Stelle.» Doch warum verlässt er das Dorfpfarramt, wenn es ihm hier auf dem Land so gut gefällt? «Die Kirchgemeinde befindet sich in einem grossen Umbruch», sagt David Scherler. Das Pensum wurde aus Kostengründen per 1. Januar 2019 um 30 Prozent verringert. So hätte er sich künftig mit einer 70-Prozent-Stelle begnügen müssen. «Das war mit ein Grund, dass wir uns nach etwas Neuem umsahen», gibt er zu. «Ich hatte mir für meine erste Stelle aber eh nur einen Zehnjahreshorizont gesetzt. Nun freue ich mich auf die neuen Herausforderungen die in Illnau-Effretikon auf mich warten.»

Er habe bewusst etwas Grösseres gesucht, sagt der vierfache Familienvater, «ich möchte erleben, wie es ist, in einem mehrköpfigen Pfarrteam und einer deutlich grösseren Gemeinde zu arbeiten.»

Ein Zimmer im Pfarrhaus ist bereit

Wer David Scherlers Nachfolger als Pfarrer von Uerkheim wird, ist noch nicht klar. Die Pfarrwahlkommission ist noch immer auf der Suche nach der «richtigen Person». In Zeitnot ist aber niemand, denn mit Pfarrer Alex Nussbaumer (68) steht bereits ein Stellvertreter bereit. Der pensionierte Pfarrer aus dem Zürcher Unterland übernimmt bis voraussichtlich Ende September 2019. «Ich freue mich, in die Fussstapfen meines Freundes David Scherler zu treten», sagt Alex Nussbaumer anlässlich seines ersten Besuchs in Uerkheim vor einigen Tagen. Er werde versuchen, in Pfarrer Scherlers Sinn weiter zu wirken. «Ich will eine gute Brücke sein zwischen ihm und der neu zu wählenden Pfarrperson.»

Pfarrer Alex Nussbaumer wohnt mit seiner Frau auch weiterhin in Freienstein ZH, dort, wo die Töss in den Rhein fliesst. «Er wird im Pfarrhaus aber ein Zimmer beziehen und dort auch ein Bett haben», beruhigt David Scherler. Das Ehepaar Nussbaumer hat vier erwachsene Kinder und sechs Enkelkinder.

«Alex ist ein guter Pfarrer, Uerkheim darf sich freuen», sagt David Scherler. Die beiden kennen sich aus verschiedenen Weiterbildungen und «ticken» trotz rund 30 Jahren Altersunterschied etwa gleich, wie sie selbst sagen. Bevor er erstmals ins Uerkental fuhr, musste Alex Nussbaumer auf der Landkarte nachschauen, wo sein neues Wirkungsfeld genau liegt. Er wird offiziell ab 1. Januar in Uerkheim tätig sein.(ran/fdu)

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