Aarauer Stadtrat

Aarauer Stadtrat Lukas Pfisterer tritt ab – und wird neuer Präsident der FDP Aargau

Lukas Pfisterer bei der Echolinde, seine Heimatstadt Aarau im Rücken.

Lukas Pfisterer bei der Echolinde, seine Heimatstadt Aarau im Rücken.

Lukas Pfisterer tritt als Aarauer Stadtrat ab und will als neuer Präsident der FDP Aargau den Fokus stärker auf Umwelt und Natur richten.

Wir treffen uns um die Mittagszeit bei der Echolinde. Von hier oben gibt es einen klaren Panoramablick auf Aarau und die dahinter liegende Aargauer Landschaft. Lukas Pfisterer kommt mit dem Velo, ist trotz Steigung kein bisschen ausser Atem. Das lässt auf einen trainierten Biker schliessen. Ja, bestätigt Pfisterer, Velofahren sei seit Kindstagen ein grosses Hobby von ihm. Auch den Militärdienst leistete er vom Rekruten bis zum Oberleutnant bei den Radfahrern.

Warum hat er den Journalisten für das Gespräch hierher bestellt?
«Zuerst einmal ist das hier einfach ein schöner Ort. Ich bin oft hier, um den Kopf zu lüften. So ein Ort erinnert auch daran, dass man gelegentlich etwas Abstand nehmen und in die Ferne schauen sollte, um zu erkennen, dass die Welt viel weiter ist, als man im Alltag sieht; dass man sich, nicht in den Details verlieren sollte», sagt Pfisterer. Am Morgen arbeitete er in seiner Anwaltskanzlei, über Mittag war er kurz zu Hause bei der Familie; nach unserem Gespräch radelt er unverzüglich zu den Amtsgeschäften ins Rathaus, am Abend ist er im Einwohnerrat. Ein normaler Arbeitstag also im Leben des Aarauer Stadtrates Lukas Pfisterer.

Im Einsatz für Aarau

Doch mit dieser Routine ist es nun bald vorbei. Denn Pfisterer wird heute zum neuen Präsidenten der FDP Aargau gewählt und verzichtet auf eine Wiederkandidatur als Stadtrat, dem er bald 12 Jahre angehört. Was ist da passiert? Zumal er doch gute Chancen hätte, Nachfolger von Stadtpräsidentin Jolanda Urech zu werden. «Ich bin keineswegs amtsmüde», sagt Pfisterer, «die Tätigkeit als Stadtrat gefällt mir nach wie vor sehr gut.» Nun biete sich aber die Chance für etwas Neues. Er habe diese Herausforderung zwar nicht gesucht. Doch nach reiflicher Überlegung und in Absprache mit seinem persönlichen Umfeld habe er sich für das Präsidium der FDP-Kantonalpartei entschieden. Zudem sei er auch überzeugt, dass er nach 12 Jahren als Stadtrat mit gutem Gewissen abtreten dürfe.

Wenn Pfisterer auf seine Zeit als Stadtrat blickt, zieht er ein positives Fazit: In den letzten Jahren sei die Stadt Aarau attraktiver geworden; für die Aarauerinnen und Aarauer, aber auch für Touristen. «Diese Entwicklung, die der Stadt ja auch den Wakker-Preis eingetragen hat, durfte ich mitgestalten», sagt Pfisterer. Was ihn weiter freut: «Als Vorsteher des Ressorts Schule war es mir ein Anliegen, möglichst zügig Blockzeiten und Tagesstrukturen einzuführen. Das ist gelungen.»

Mittlerweile als Bauvorsteher sieht Pfisterer auch die Revision der Bau- und Nutzungsordnung als wichtigen Schritt für die Weiterentwicklung Aaraus. Noch nicht gelungen ist ihm der Baustart für das neue Stadion. Das beschäftigt ihn. Und er hat auch bereits erklärt, er könnte sich vorstellen, auch künftig an diesem Projekt mitzuwirken.
Lukas Pfisterer ist ein Aarauer durch und durch. Aufgewachsen im Zelgliquartier, wohnt er heute wieder im Zelgliquartier, kaum 400 Meter von seinem Elternhaus entfernt. In Aarau fühle sich seine Familie zu Hause, sagt Pfisterer. Hier lasse es sich gut leben, und er zeigt auf die Stadt und die Natur, die sie umgibt.

Dennoch habe er kein aarauzentriertes Aargaubild, versichert Pfisterer. Er kenne den Aargau gut: Seine Frau stammt aus dem Freiamt, er hat mehrere Jahre in Baden und Lenzburg gearbeitet – und auf seinen Rad- und Biketouren durchquert er auch die entlegenen Täler des Kantons.

Schlüsselerlebnis EWR

Aufgewachsen ist Pfisterer in einer Familie, in der Politik an der Tagesordnung war. Sein Vater Thomas Pfisterer war nicht nur Bundesrichter, sondern auch Regierungsrat und Ständerat. Für den jungen Lukas Pfisterer war früh klar, dass nur die FDP als Partei für ihn infrage kommt. Das Schlüsselerlebnis zum aktiven Einstieg in die Politik verdankt er aber nicht etwa seinem Vater, sondern Christoph Blocher und Edwin Somm. «Im Herbst 1992 besuchte ich als 19-Jähriger eine Veranstaltung zum EWR im vollbesetzten Tägerhard in Wettingen. Christoph Blocher und Edwin Somm kreuzten die Klingen», erzählt Pfisterer. Er sei erschüttert gewesen, wie sich die Leute im Publikum gegenseitig angefeindet hätten. «Das kann es doch nicht sein», sagte sich der 19-Jährige und stieg bei den Aarauer Jungfreisinnigen ein.

Es folgte die klassische Ochsentour: Präsident der Jungfreisinnigen Aarau, Präsident der Jungfreisinnigen Aargau, Mitglied der Geschäftsleitung der FDP Aargau, Einwohnerrat, 2006 dann Stadtrat, ab 2013 Grossrat. Und nun also Präsident der FDP Aargau.
Lukas Pfisterer gilt als gradliniger Sachpolitiker. Kompetent, aber eher unspektakulär. Fühlt er sich wohl im Amt des Parteipräsidenten, wo doch immer häufiger auch eigentliche Entertainer-Qualitäten gefragt sind? Wo doch Spektakel an der Tagesordnung ist, wenn es darum geht, die Partei ins Gespräch zu bringen. «Ich bleibe mir selber treu», sagt Pfisterer. «Ich werde höchstens noch hartnäckiger sein und vielleicht manchmal etwas lauter.»

Steuererhöhung kein Tabu

Wie soll sich die FDP unter ihrem neuen Präsidenten entwickeln? «Die Partei befindet sich im Aufwärtstrend», sagt Pfisterer, «und wir wollen noch weiter wachsen und stärker werden.» Pfisterer möchte, dass die Partei das Image der reinen Wirtschaftspartei ablegen kann. Um das zu erreichen, will er den Fokus vermehrt wieder auf die Themen Umwelt und Natur richten. Dennoch ist er gegen die Energiestrategie 2050. Das sei kein Widerspruch, argumentiert er, sondern im Gegenteil: Wer konsequent für den Umweltschutz sei, könne die Energiestrategie 2050 nicht gutheissen. 

Und was die künftige Zusammenarbeit mit der SVP betrifft, hat Pfisterer keinerlei Berührungsängste: «Wenn es bei der Suche nach einer Lösung auf der FDP-Linie Mehrheiten braucht, dann kann dies durchaus zusammen mit der SVP geschehen – oder auch mit anderen Parteien.» Auch was die Sanierung der Kantonsfinanzen angeht, hat Pfisterer klare Vorstellungen. Es brauche zuerst eine gründliche Klärung der Frage, welche Aufgaben der Kanton weiterhin übernehmen soll und welche nicht mehr. Ganz zuoberst steht dabei auch für Pfisterer die Diskussion um die Zukunft der Kantonsspitäler.

In der Volksschule sieht Pfisterer kein Sparpotenzial mehr, bei den weiterführenden Schulen hingegen schon. Konkret denkt Pfisterer da an die Fachhochschule.
Sogar eine Steuererhöhung ist für den neuen Präsidenten kein Tabu. Sie kommt allerdings für ihn frühestens dann infrage, wenn alle Sparmöglichkeiten ausgeschöpft sind und dem Kanton noch immer das Geld fehlt, um seine neu definierten Aufgaben erfüllen zu können.
Wir beenden das Gespräch. Der Präsident setzt sich den Helm auf, schwingt sich aufs Velo und verabschiedet sich Richtung Rathaus.

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