Geschlechterneutrale Sprache
Kein Gendersternchen im Aargau: Was im Kanton sprachlich erlaubt ist und was nicht

Im Kanton Aargau findet das sogenannte Gendersternchen keinen Eingang in die offizielle Sprache. Die kantonale Verwaltung beruft sich auf Richtlinien, die neuartige Genderformulierungen grösstenteils nicht zulassen. Macht aber auch Ausnahmen.

Muriel Daasch
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Der Kanton Aargau ist nicht dazu bereit, neuartige Genderformulierungen einzuführen.

Der Kanton Aargau ist nicht dazu bereit, neuartige Genderformulierungen einzuführen.

Sara Burkhard

Der Kanton Thurgau und auch weitere Schweizer Kantone wie St.Gallen und Schaffhausen haben sich kürzlich bezüglich der genderneutralen Sprache geäussert. Den Genderstern sowie den Genderdoppelpunkt lehnen sie alle ab.

Der Kanton Thurgau geht dabei noch einen Schritt weiter. Im Jahr 2019 verwendete ein FDP-Kantonsrat in einem Kommissionsbericht den Genderstern und traf damit auf viel Unverständnis. Mittlerweile hat sich deshalb die kantonale Verwaltung neben dem Genderstern auch öffentlich gegen alle weiteren Paarverkürzungen (Beispiel: Lehrer/-in) ausgesprochen.

Kantonale Richtlinien

Auch der Kanton Aargau ist nicht bereit, neuartige Genderformulierungen zu verwenden, wie eine Anfrage zeigt. In den Richtlinien der sprachlichen Gleichbehandlung von Mann und Frau wird festgelegt, welche Formen benutzt werden dürfen und welche nicht.

Zugelassen sind geschlechter-indifferente Begriffe wie «die Studierenden», neutrale Pluralformen wie «die Lehrpersonen » sowie Paarformen. Mit der Paarform ist das Aufzählen von beiden Geschlechterbezeichnungen gemeint, also beispielsweise «Bewerberinnen und Bewerber».

Laut den Richtlinien des Kantons Aargau sind abgekürzte Paarformen verboten. Dazu gehört beispielsweise die Verkürzung mit einem Schrägstrich (Absender/in), mit dem Binnen-I (LeiterIn) oder mit dem Genderstern (Lehrer*in).

Diese Richtlinien gelten vor allem für Gesetzestexte und andere offizielle Dokumente. Intern haben Gemeinden oder Schulen mehr Spielraum, Texte genderneutral zu formulieren. Oftmals wird die verkürzte Paarform mit dem Schrägstrich oder dem Binnen-I verwendet.

Laut Peter Buri, Kommunikationschef beim Kanton, sei es nicht nötig, in nächster Zeit neue Entscheidungen bezüglich der genderneutralen Sprache zu treffen. Auf Anfrage erklärt er: «Wir orientieren uns mit unseren Richtlinien am Leitfaden der Bundeskanzlei. Zurzeit haben wir deshalb nicht die Absicht, die geltenden Weisungen anzupassen und den Genderstern oder weitere Formen zu verwenden.

Neuartige Genderformulierungen

Formen wie der Genderstern wurden entwickelt, um die Gleichstellung der Bevölkerung noch klarer zu machen. Mit den neuartigen Genderformulierungen sollen nicht nur Mann und Frau gleichermassen angesprochen werden, sondern auch Personen, die sich keinem oder mehreren Geschlechtern zugeordnet fühlen. 

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