Kleindöttingen/Dättwil

Aargauer ABB-Stellen in Gefahr – das spanische Werk dagegen ist nicht betroffen

Solche getriebelose Mühlenantriebe produziert die ABB - das Geschäft stockt zurzeit allerdings.

Solche getriebelose Mühlenantriebe produziert die ABB - das Geschäft stockt zurzeit allerdings.

60 ABB-Arbeitsplätze in Kleindöttingen, Dättwil und im Baselbiet sind in Gefahr. Das wurde gestern bekannt. Pikant: Vor knapp zehn Monaten hat die ABB im spanischen Bilbao eine Fabrik gekauft, welche die gleichen Maschinen herstellt.

Angestellte der ABB fühlen sich vor den Kopf gestossen. Ihnen droht die Entlassung, weil eine Teilschliessung einer Fabrik in Kleindöttingen bevorsteht. Auch Stellen in Dättwil (Büro) und Birsfelden sind in Gefahr. «Eine kleine Hoffnung ist noch da, aber entscheiden wird die Geschäftsleitung», sagt ein Kleindöttinger Mitarbeiter, der namentlich nicht genannt werden will, zur az.

Zur Stimmung unter den Angestellten des ABB-Werks in Kleindöttingen sagt er: «Es ist erstaunlich ruhig. Das entspricht der Schweizer Mentalität.»

Die ABB teilte ihren Mitarbeitern gestern die mögliche Werkschliessung mit. Grösstenteils auf Englisch informierten Kaderleute die Angestellten. «Das ist nicht gut angekommen», so der Mitarbeiter.

Auch in Bilbao stellt die ABB – wie in Birsfelden und Kleindöttingen (Montage) – Maschinen fürs Minengeschäft her. «Wir hätten uns deshalb genauere Informationen über die Fabrik in Spanien und den Zusammenhang mit der Stellenstreichung in der Schweiz gewünscht», erklärt der Mann. Fragen, die in diese Richtung zielten, seien aber nicht konkret beantwortet worden.

Den Angestellten blieben so nur Vermutungen. «Ich nehme nicht an, dass in Bilbao Restrukturierungen vorgesehen sind. Die ABB braucht irgendwo noch einen solchen Standort», sagt er.

«Bilbao von der Situation nicht betroffen»

Auf Nachfrage der az schreibt Nieves Álvarez, ABB-Sprecherin in Spanien: «Die spanische ABB-Gesellschaft mit Sitz in Bilbao ist von dieser Situation nicht betroffen.» Stellenstreichungen sind nicht vorgesehen, das dortige Werk leidet nicht unter einer tiefen Auslastung.

Der Mitarbeiter in Kleindöttingen nimmt auch an, dass die Teilschliessung der Schweizer Produktionsstätten schon lange zur Strategie der Geschäftsleitung gehörte. Schliesslich sei die Auslastung der ABB-Fabriken, die das globale Minengeschäft beliefern, schon bei der Übernahme des Werks in Bilbao klein gewesen.

«Unsere Produktionsstätten sind nicht ausgelastet. Und das bereits seit einiger Zeit», sagt ABB-Sprecherin Michelle Kindhauser. «Im Moment rechnen wir nicht damit, dass die Nachfrage wieder zunimmt.»

ABB kann hiesige Werke ersetzen - und noch mehr

Die Fabrik in Bilbao kaufte die ABB Ende Juli 2013 von der Alstom. Dort stellt sie nun die gleichen getriebelosen Mühlenantriebe her wie in der Schweiz - und noch mehr. «Das Werk in Bilbao bietet die ganze Palette dieser Maschinen an: kleine, mittelgrosse und grosse», bestätigt Kindhauser.

In der Schweiz fertigt der internationale Konzern hingegen nur kleine und mittelgrosse Maschinen. Nimmt die ABB also eine schrittweise Auslagerung der 60 Arbeitsplätze vor - von der Schweiz ins Baskenland? Die Minenunternehmen erhielten weniger Aufträge, so Kindhauser - deshalb würden sie Investitionen verschieben oder streichen. Das führt zu weniger Aufträgen für die ABB.

«Die meisten von uns haben hier vor vier Jahren angefangen zu arbeiten. Die, die uns angestellt haben, sind nicht mehr hier», erzählt der Mitarbeiter. Als die ABB-Werke für getriebelose Mühlenantriebe in Kleindöttingen und Birsfelden aufgebaut wurden, seien viele Mitarbeiter der Alstom-Niederlassung in Birr zur ABB gewechselt. «In Birr arbeiteten wir schon mit dem damaligen Alstom-Werk in Bilbao zusammen.»

Von dort habe man nicht nur einige Aufträge erhalten, sondern auch die Probleme des Standorts im Baskenland kennengelernt. «Die Spanier liefern nicht die gleiche Qualität. Ihre Endprodukte sind viel anfälliger auf bestimmte Fehler», erklärt der Mitarbeiter seine Sicht der Dinge. 

ABB-Fabrik in Krise - Angestellte schweigen

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Konzentration auf einen Standort

ABB-Sprecherin Michelle Kindhauser erklärt zur az: «Aufgrund des Rückgangs der Aufträge im globalen Minengeschäft hat ABB entschieden, die Produktionskapazitäten in der Schweiz zu überprüfen und deshalb ein Konsultationsverfahren mit der Arbeitnehmervertretung eingeleitet. Die schwierige Marktsituation könnte zur Konzentration der Aktivitäten von ABB an einem Standort führen, um das Minengeschäft von ABB langfristig zu sichern.»

Chile und Peru sind für die ABB Schlüsselmärkte. Ihre Maschinen mit den getriebelosen Mühlenantrieben kommen in der Bergbauindustrie bei der Aufbereitung grosser Erzmengen zum Einsatz. Neben anderen Rohstoffen werden so in den Minen Kupfer, Gold und Platin gewonnen.

Auf den Aktienkurs wirkt sich die angekündigte Restrukturierung kaum aus. Gestern und heute gab es nur minime Schwankungen.

Der Verband «Angestellte Schweiz» sucht nun in einem Konsultationsverfahren mit der ABB nach Möglichkeiten, dass die 60 Angestellten intern oder extern weiterbeschäftigt werden können. 25 davon arbeiten in Kleindöttingen, 20 in Dättwil und 15 in Birsfelden.

Getriebelose Mühlenantriebe (GMD) von ABB

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