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Aargauer Ärzteverband zweifelt an der «Instant Gesundheitsberatung»

Die Apotheker führen im April mit netCare probeweise einen neuen Gesundheitsdienst ein. Hans-Ulrich Iselin, Präsident des Aargauischen Ärzteverbands, glaubt nicht an das Projekt.

Franziska Zambach
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So funktioniert netCare

netCare erlaubt es den Apothekern, direkt in ihrer Filiale die Kunden ärztlich untersuchen zu lassen. Die Patienten gehen mit dem Apotheker einen Fragenkatalog durch und können den via Webcam zugeschaltenen Arzt konsultieren. Die Zusammenarbeit ermöglicht den Ärzten, unmittelbar ein Rezept zu erstellen und es in die Apotheke zu schicken. So können Patienten effizienter behandelt werden, sagen die Projektbeteiligten.

Fehlende Arzt-Patient-Beziehung

Ausserdem fehle ihm die Verbindung vom Arzt zum Patienten. «Zwischen einem Arzt und seinem Patienten muss ein Vertrauensverhältnis bestehen», ist er überzeugt. Durch netCare sieht er dieses in Gefahr. Die traditionelle persönliche Beziehung zwischen Arzt und Patient, die wegen dem Rückgang der frei praktizierenden Hausärzte bedroht sei, werde durch «Instant Gesundheitsberatungen» durch stets wechselnde Beratungspersonen weiter geschwächt, klagt er.

Das Projekt sei sicher ein geeignetes Instrument zur Profilierung der Apotheker, doch leider stehe nicht der Patient im Mittelpunkt des Lösungsvorschlags. Im Gegenteil werde er komplett verwirrt, da er nicht mehr wisse, an welche Stelle er sich wenden müsse, glaubt Iselin.

Ungenügende Vernetzung

Die Kommunikation zwischen den verschiedenen Betroffenen - Patienten, Ärzten, Apotheken, Spitälern, Notfallstationen - sei generell nicht gut, sagt Iselin. «Das Gesundheitswesen wird langsam aber sicher in seine Einzelteile zerhackt.» Deshalb könne das Projekt netCare auch nur langfristig funktionieren, wenn die Vernetzung der Stellen klappen würde.

«Es ist unumstritten, dass es einen versteckten Wettbewerb gibt im Gesundheitswesen», sagt Iselin und spielt damit unter anderem auf die Unstimmigkeiten an, die sich durch die Medikamenteninitiative der Ärzte im Aargau ergaben. «Die Apotheker fühlten sich durch die Initiative angegriffen.» Das sei aber ein Trugschluss.

Die Ärzte wollen lediglich, dass es in Zukunft auch im Aargau einem Arzt auch in abgelegenen Regionen, wo es keine Apotheken gibt, möglich sein soll, die Patienten mit den nötigen Medikamenten zu versorgen, betont er. Ob die schlechten Prognosen des Ärzteverbands für netCare ein Trugschluss sind, wird sich ab April zeigen.

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