Impfung

Aargauer Grippewelle: Kantonsarzt Martin Roth beantwortet die wichtigsten Fragen

Der Höhepunkt der Grippewelle ist überwunden, sagt Kantonsarzt Martin Roth. (Symbolbild)

Der Höhepunkt der Grippewelle ist überwunden, sagt Kantonsarzt Martin Roth. (Symbolbild)

Bin ich bloss stark erkältet oder hat mich wirklich die Grippe erwischt? Macht impfen noch Sinn, wenn die Grippewelle längst angerollt ist? Kantonsarzt Martin Roth beantwortet diese und acht weitere Fragen.

1. Erkrankte Personen bekommen von ihren Hausärzten zu hören, die Grippe grassiere wirklich heftig. Ist das statistisch belegt?

Da Grippe keine meldepflichtige Krankheit ist, fehlt eine genaue Übersicht über die Schwere der Grippewelle beim Kanton.

2. Ist der Höhepunkt erreicht oder hält die Grippewelle an?

Der Höhepunkt der Grippewelle ist überwunden.

3. Der Volksmund spricht auch bei heftigen Erkältungen von Grippe. Was ist der Unterschied zwischen echter Grippe und einem anderen grippalen Infekt?

Die echte Grippe wird durch die Influenzaviren, eben die Grippeviren, verursacht. Zahlreiche andere Viren verursachen Erkältungen oder grippeähnliche Erkrankungen.

4. Wie erkenne ich den Unterschied, wann muss ich mir Sorgen über eine Grippe-Erkrankung machen?

Eine genaue Diagnose kann nur durch die Virusbestimmung gestellt werden – was aber auf die Therapie, die lediglich symptomatisch ist, keinen Einfluss hat. Klinisch ist die Grippe meist durch plötzlichen Beginn, hohes Fieber, Erkältungssymptome, Kopf- und Gliederschmerzen und schweres Krankheitsgefühl gekennzeichnet. Komplikationen wie beispielsweise Lungenentzündungen und Kieferhöhlenentzündungen können auftreten und ärztliche Hilfe bedingen.

5. Ist bei ernsthaftem Grippe-Verdacht auf jeden Fall eine Arztkonsultation angezeigt?

Nein, ein Arztbesuch ist dann angezeigt, wenn sich die Symptome verschlimmern oder mehr als eine Woche anhalten. Auch Personen mit erhöhtem Komplikationsrisiko (zum Beispiel bei chronischen Herz- und Lungenerkrankungen) sollen rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

6. Was taugen die gängigen Hausmittel bei Erkältungen gegen die echte Grippe?

Die gängigen Hausmittel helfen, Symptome zu lindern. Sie sind sinnvoll, da eine ursächliche Therapie ohnehin nicht möglich ist.

7. Eine Grippe kann tödlich verlaufen. Weiss man, wie oft das im Aargau vorkommt?

Nein, diese Daten stehen nicht zur Verfügung.

8. Wie hoch ist der Impfschutz, wie sicher kann ich mir nach einer Impfung sein, dass mich die Grippewelle verschont?

Der Impfschutz reicht von 30 bis 90 Prozent und ist abhängig vom Alter der geimpften Person sowie der Impfstoffzusammensetzung, die jedes Jahr den zirkulierenden Virenstämmen angepasst wird. Der Impfschutz ist bei der Grippeimpfung nicht vollständig und ändert jedes Jahr.

9. Wann ist der Zeitpunkt für eine Impfung verpasst, bis wann macht eine Impfung Sinn?

Es wird empfohlen, die Impfung zwischen Mitte Oktober und Mitte November durchführen zu lassen, also rechtzeitig vor dem Eintreffen der jährlichen Grippewelle. Nach der Impfung dauert es etwa zwei Wochen, bis der Impfschutz erreicht ist. Erfolgt die Impfung erst nach Eintreffen der Grippewelle, kann der Zeitpunkt daher zu spät sein, um sich rechtzeitig zu schützen. Jede Person muss deshalb für sich selber entscheiden, inwieweit sie eine Impfung während der Grippewelle noch als sinnvoll erachtet.

10. Wäre aus ärztlicher Sicht die Möglichkeit eines Impfzwangs zum Beispiel für das Personal in Spitälern und Pflegeheimen zu begrüssen?

Ein Impfzwang steht aktuell nicht zur Diskussion. Ein solcher wird als zu grosser Eingriff in die persönliche Freiheit betrachtet, aus Public-Health-Sicht hingegen wäre ein Impfzwang sinnvoll. Daher konzentrieren sich die Massnahmen auf Überzeugungs- und Motivationsarbeit beim Personal in den erwähnten Institutionen.

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