Gesundheitskosten
Aargauer Hausarzt zur Jauslin-Forderung: «Der Patient wäre der Gelackmeierte»

Der Aargauer FDP-Nationalrat Matthias Jauslin will eine radikale Reform des Gesundheitswesens. Gesundheitspolitiker aus dem Aargau stehen dem Vorstoss kritisch gegenüber.

Nicola Imfeld
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Ärzte sollen die Preise selber festlegen können, fordert FDP-Nationalrat Matthias Jauslin. Seine Forderung ist umstritten. (Themenbild)

Ärzte sollen die Preise selber festlegen können, fordert FDP-Nationalrat Matthias Jauslin. Seine Forderung ist umstritten. (Themenbild)

KEYSTONE

Der Aargauer FDP-Nationalrat Matthias Jauslin sorgt mit einem Vorstoss für Aufsehen. Er will den aktuellen Tarif Tarmed ersatzlos streichen und das Gesundheitswesen dem freien Markt überlassen. So könnten Kosten gesenkt werden, was dringend notwendig sei, so der Unternehmer aus Wohlen gegenüber der NZZ. Damit einhergehen würde die Aufhebung des Vertragszwangs für die Krankenkassen.

Severin Lüscher, Grüne-Grossrat und praktizierender Hausarzt, befürchtet bei einer Auflösung der Vertragszwangs ein Versorgungsproblem. Denn wenn ein Hausarztpraxis keinen Vertrag mit einer Krankenkasse mehr erhält, müsste sich eine Vielzahl an Patienten nach einem Ersatz umsehen. «Beim bekannten Mangel an Hausärzten einen neuen zu finden, wäre für die betroffenen Patienten schwierig oder unmöglich - dann würden sie halt auf dem Notfall landen.»

Lüscher glaubt auch nicht, dass die Leistungen der Ärzte in einem freien Markt billiger werden. Im Gegenteil: "Die Preise der Hausärzte würden wohl ansteigen. Am Ende wäre der Patient der Gelackmeierte."

«Keine Zeit mit Spielereien vergeuden»

Unterstützung findet Jauslins Vorstoss bei SVP-Grossrat Clemens Hochreuter. Im Gegensatz zu Lüscher glaubt er nicht an ein Versorgungsproblem: «Erfahrungen aus Ländern ohne Vertragszwang wie beispielsweise in Holland bestätigen, dass es wenig etablierte Leistungserbringer gibt, die nicht mindestens mit einer Kasse vertraglich zusammen arbeiten.»

Ausserdem könne die völlig freie Arztwahl durch Optionen in der Zusatzversicherung aufrechterhalten werden. Und wenn der Patient den Leistungserbringer nicht auf der Liste seiner Krankenkasse findet, kann er die Kasse wechseln und von ihm behandelt werden.

Auch CVP-Nationalrätin Ruth Humbel stört sich am Vertragszwang für die Krankenkassen. Sie habe sich in der Gesundheitskommission des Nationalrats für eine Lockerung eingesetzt und zusammen mit ihren Kollegen Ende Mai eine Kommissionsinitiative lanciert. Demnach sollen neu die Kantone für die Sicherstellung der Versorgung im ambulanten Bereich eine Anzahl an Ärzten definieren. Die übrigen Ärzte würden sich in einem freien Marktumfeld befinden und müssten ihre Tarife somit wohl nach unten korrigieren.

Den Vorstoss ihres Nationalratskollegen hat Humbel aber dennoch nicht unterschrieben: «Es ist ein interessantes Gedankenspiel, aber die Chancen für eine Umsetzung tendieren gegen null.» Sie findet es unnötig, dass man die Verwaltung mit einem solchen Vorstoss auf Trab bringt. «Wir sollten Realpolitik betreiben und keine Zeit mit Spielereien vergeuden.»

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