Grosser Rat

Aargauer Parlament will elektronisches Impfdossier

Impfungen sollen standardmässig elektronisch dokumentiert werden, fordert der Grosse Rat.

Impfungen sollen standardmässig elektronisch dokumentiert werden, fordert der Grosse Rat.

Die ganze Welt wartet auf einen Coronaimpfstoff – und wer sich dereinst gegen Covid-19 impfen lässt, soll dies im Aargau in ein elektronisches Impfdossier eintragen können. Der Grosse Rat hat am Dienstag mit 87 zu 48 Stimmen einen Vorstoss überwiesen, der ein solches Dossier fordert. Eingereicht wurde die Motion im letzten Herbst, weit vor Ausbruch der Coronapandemie. Severin Lüscher (Grüne), Hausarzt und Sprecher der Motionäre, hielt dennoch fest: «Gerade in der heutigen Zeit zeigt sich, dass wir auf allen Ebenen besser fahren, wenn wir elektronische Mittel nutzen.» Im Vorstoss werden Vorteile des E-Impfdossiers zum Impfbüchlein aufgelistet: Es kann nicht verloren gehen, ist als App immer dabei, bietet einen raschen Überblick zum Impfstatus in Notfallsituationen und im Ausland, meldet den Zeitpunkt für Auffrischungen und macht auf Impflücken aufmerksam. Lüscher hielt fest, das elektronische Impfdossier solle für Patienten freiwillig sein, der Datenschutz für die Nutzer sei jederzeit gewährleistet.

Daniel Aebi (SVP), Mitinhaber einer Apotheke, sprach sich gegen den Vorstoss aus. Er rechne damit, dass es noch Weisungen des Bundesamts für Gesundheit zu Impfungen in der Coronakrise geben werde. Darauf solle der Kanton warten und je nach Entwicklung reagieren, fand Aebi. Auch sein Parteikollege und Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati sprach sich gegen die Motion aus. Auch der Regierungsrat sei für das elektronische Impfdossier, dieses solle aber erst im Rahmen des übergeordneten elektronischen Patientendossiers eingeführt werden. Zuerst müssten einige Fragen geklärt werden: Mache der Aargau einen Alleingang, brauche es dafür eine Gesetzesänderung und wie stellten sich die Hausärzte dazu? Deshalb wollte die Regierung den Vorstoss als unverbindlicheres Postulat entgegennehmen.

CVP-Grossrat Andre Rotzetter, Präsident von E-Health Aargau, hielt dagegen, man könnte problemlos zuerst das elektronische Impfdossier im Aargau lancieren und dieses später ins elektronische Patientendossier integrieren. Auch Jürg Knuchel (SP), Leitender Arzt am Kantonsspital Aarau, sprach sich für das elektronische Impfdossier aus. Man sei sich wohl nie bewusster gewesen als heute, welche Bedeutung eine Impfung für die Gesundheit der Bevölkerung habe. Die Regierung habe die Vorteile des elektronischen Impfdossiers selber dargelegt, die Infrastruktur sei vorhanden, die Kosten marginal, sagt Knuchel.

Schliesslich sprachen sich ausser der SVP praktisch alle Grossratsmitglieder für die Motion aus. Ein elektronisches Impfdossier kann zurzeit online auf meineimpfungen.ch oder evita.ch eröffnet werden. Dort können Patienten ihre Impfungen heute schon selber digital eintragen. Künftig müssen dann Ärzte und Apothekerinnen die Impfungen vornehmen, diese grundsätzlich ins elektronische Impfdossier eintragen.

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