Atomabfälle

Aargauer Regierung lehnt Atommüll-Tiefenlager nicht nur am Bözberg weiterhin ab

Der Aargau trage schon heute hohe Lasten für die ganze Schweiz, wie die Stromproduktion aus Kernkraftwerken oder die sehr hohe Verkehrsbelastung auf Strasse und Schiene. Eine weitere Belastung könne dem Kanton nicht zugemutet werden.

Die Regierung ist weiterhin gegen eine Tiefenlager.

Der Aargau trage schon heute hohe Lasten für die ganze Schweiz, wie die Stromproduktion aus Kernkraftwerken oder die sehr hohe Verkehrsbelastung auf Strasse und Schiene. Eine weitere Belastung könne dem Kanton nicht zugemutet werden.

Der Aargauer Regierungsrat hat seine Ablehnung eines Atommüll-Tiefenlagers auf dem Kantonsgebiet bekräftigt. Er will jedoch beim weiteren Verfahren konstruktiv mitarbeiten. Im Zentrum der Diskussion steht der Standort Jura Ost (Bözberg).

Der Aargau trage schon heute hohe Lasten für die ganze Schweiz, wie die Stromproduktion aus Kernkraftwerken oder die sehr hohe Verkehrsbelastung auf Strasse und Schiene. Dies hält der Regierungsrat in seiner am Donnerstag veröffentlichten Stellungnahme zur Etappe 2 des Sachplans geologische Tiefenlager fest.

Eine weitere Belastung könne dem Kanton nicht zugemutet werden. Der Regierungsrat wolle daher "grundsätzlich kein Atommüll-Tiefenlager auf seinem Kantonsgebiet." Das Grundwasser sowie Mineral- und Thermalwassernutzungen dürften nicht gefährdet werden.

"Sicherheit kann und darf nicht verhandelt werden - dafür setzt sich der Regierungsrat konsequent ein", steht in der Stellungnahme weiter. Aufgrund der über extrem lange Zeiträume wirkenden radioaktiven Strahlung könne nur der sicherste Lagerstandort in Frage kommen.

Ängste der Bevölkerung

Den Schutz der Bevölkerung und der Umwelt und die im Zusammenhang mit der geologischen Tiefenlagerung zusammenhängenden Sorgen und Ängste der Bevölkerung nimmt der Regierungsrat "sehr ernst". Ein politisch motivierter Standortentscheid oder ein Entscheid aufgrund anderer, sogenannt weicher Faktoren, könnte der Regierungsrat nach eigenen Angaben "auf keinen Fall akzeptieren".

Die Genossenschaft zur Entsorgung radioaktiver Abfälle (Nagra) hat drei Standortgebiete im Visier: Jura Ost (Aargau), Zürich Nordost (Zürich, Schaffhausen, Thurgau) sowie Nördlich Längern (Aargau, Zürich).

Atomendlager: Die Nagra führte 2015 schon seismische Messungen rund um den Bözberg durch – Markus Fritschi von der Nagra-Geschäftsleitung erklärt, was genau passiert.

Atomendlager: Die Nagra führte 2015 schon seismische Messungen rund um den Bözberg durch – Markus Fritschi von der Nagra-Geschäftsleitung erklärt, was genau passiert.

Konstruktive Mitarbeit

Trotz der Ablehnung gibt sich der Regierungsrat gewillt, im Standortverfahren "konstruktiv mitzuarbeiten". Voraussetzung dafür sei der konsequente Beizug des Kantons "in einem nachvollziehbaren, fairen, glaubwürdigen und transparenten Verfahren", heisst es in der mehr als 30 Seiten zählenden Stellungnahme an das Bundesamt für Energie (BFE).

Bei der Etappe 3 des Sachplanverfahrens komme den Standortkantonen eine immer wichtigere Rolle zu. Der Aargau habe daher ein hohes Interesse, sich weiterhin konstruktiv in das Sachplanverfahren einzubringen, seine Interessen zu wahren sowie als wichtiger Ansprechpartner gegenüber allen Verfahrensbeteiligten zu agieren.

Die Umsetzung des Sachplanverfahrens müsse zudem konsequent unter dem Primat der Sicherheit erfolgen. Bei der Standortwahl dürften politische Gründe oder andere Aspekte, die nicht sicherheitsrelevant seien, keine Rolle spielen.

Bedenken wegen "Verladestation"

Vorbehalte bringt der Regierungsrat auch beim geplanten Oberflächenstandort auf dem Gebiet der Gemeinde Villigen an. Dabei handelt es sich um eine Art "Verladestation".

Es bestehe "grundsätzlicher Klärungsbedarf". Der Standort sei im kantonalen Richtplan sowohl als Teil des Entwicklungsschwerpunkts von kantonaler Bedeutung als auch als Vorzugsgebiet Spitzentechnologie festgesetzt. Das Paul-Scherrer-Institut (PSI) als Forschungszentrum von nationaler Bedeutung mit seinen sensiblen Grossforschungsanlagen dürfe unter keinen Umständen beeinträchtigt werden.

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